34. Jahrestagung der DGA

Am Samstag ging in Gießen die 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie zu Ende (DGA). Unter dem Motto „From bench to bedside and vice versa“ ging es drei Tage lang um Grundlagenforschung und Anwendung in der klinischen Andrologie. DGA-Präsidentin Prof. Sabine Kliesch, Chefärztin der Abteilung für Klinische und Operative Andrologie im Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Münster, mahnte eine größere gesellschaftliche Beachtung der Reproduktionsmedizin an.

34. Jahrestagung der DGA
Auf der 34. Jahrestagung der DGA ging es um Grundlagenforschung und Anwendung in der klinischen Andrologie (Foto © DGA)

„Potenzstörungen, Hormonmangelerkrankungen des Mannes und Fruchtbarkeitsstörungen sind Volkskrankheiten. Sie betreffen Millionen von Menschen, ihre Häufigkeit des Auftretens ist vergleichbar mit z. B. kardiovaskulären Erkrankungen oder dem Steinleiden. Die männliche Fruchtbarkeit wird zunehmend durch sozio-ökonomische Faktoren, aber auch durch Umwelteinflüsse und angeborene Störungen negativ beeinflusst und in der Konsequenz steigen die Fertilitätsbehandlungen“, so Prof. Kliesch. Die Forschungsförderung würde sich stark auf Tumorerkrankungen konzentrieren und die Forschung am „Ursprung des Lebens“ größtenteils außer Acht lassen.

Bisher hätte nur die Deutsche Forschungsgemeinschaft übergreifende Forschungsverbünde im Bereich der Reproduktion gefördert.

BMBF legt erstes Förderprogramm für die reproduktive Gesundheit auf

Daher begrüßte es der DGA, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein erstes Programm zur Förderung von interdisziplinären Nachwuchszentren für die reproduktive Gesundheit an universitätsmedizinischen Standorten veröffentlicht hat.

Die DGA schreibt den Erfolg dem 2019 gegründeten Netzwerks Reproduktionsforschung zu: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hätten in ihrem „Essener Manifest“ betont, dass die reproduktive Gesundheit eine wesentliche Basis für die Gesundheit unserer Gesellschaft bildet und dass die Reproduktionsforschung, die in besonderem Maße interdisziplinär und translational ist. In Deutschland müsse sie durch die Etablierung von Forschungsverbünden langfristig gestärkt werden.

„Das Netzwerk ist davon überzeugt, dass dieses Programm eine einzigartige Chance für uns ist, nachhaltige Strukturen für die Forschung zu schaffen und dass damit die Reproduktionsmedizin/biologie in Deutschland insgesamt erheblich gestärkt wird“, sagt Prof. Kliesch.

Neue Erkenntnisse im Gebiet der Reproduktionsgenetik

Gute Nachrichten gab es in Gießen auch aus dem Gebiet der Reproduktionsgenetik, die bei der Diagnostik der männlichen Infertilität eine immer größere Rolle spielt. So konnte die Forschung inzwischen rund 120 Gene identifizieren, die für eine Fruchtbarkeitsstörung verantwortlich sind. Bei Patienten ohne Spermien im Ejakulat (Azoospermie) erlaubt die moderne Gendiagnostik eine Prognose, ob eine Spermiengewinnung aus den Hoden für eine künstliche Befruchtung angezeigt ist, oder ob es keine Aussicht auf einen Behandlungserfolg gibt. In diesen Fällen können unnötige Operationen vermieden werden.

Mit dem neuen „Catsper-Test“ können heute zudem Genveränderungen identifiziert werden, die einen Bauplandefekt der Spermien anzeigen. Bei diesen optisch normalen und normal beweglichen Spermien ist ein Ionenkanal gestört, weshalb sie die Eizelle weder auf natürlichem Weg noch mithilfe einfacher Befruchtungsverfahren befruchten können. Paare, bei denen der Mann die zugrundeliegende Genveränderung hat, können ausschließlich mittels einer assistierten Befruchtung durch die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ein Kind bekommen. Diese Entdeckung erspart Betroffenen viele vergebliche Behandlungsversuche.

„Jetzt gilt es, diese modernen genetischen Untersuchungen in der klinischen Routine zu implementieren und für jeden Patienten zugänglich zu machen“, resümiert Tagungspräsidentin Prof. Dr. med. vet. Daniela Fietz, Institut für Veterinär-Anatomie, -Histologie und -Embryologie, Justus-Liebig-Universität Gießen.

DGA-Jahrestagung: Vorstandswahlen und Forschungspreise

Bei den turnusgemäßen Vorstandswahlen in Gießen wurde Prof. Dr. Sabine Kliesch für drei Jahre wiedergewählt. Ebenso wiedergewählt für drei Jahre PD Dr. Armin Soave aus Hamburg für das Ressort der Fort- und Weiterbildung. Mit Prof. Dr. Frank Tüttelmann, Direktor Institut für Reproduktionsgenetik, Universität Münster, wurde ein Genetik-Experte zum Tagungspräsidenten 2025 gewählt.

Den mit 10.000 Euro dotierten Forschungspreis der DGA erhielt Dr. Maria Schubert, Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA), Universitätsklinikum Münster für das Projekt „Deciphering the uncommon phenotype of infertile men with azoospermia and ‘normal’ FSH serum level”. Dieser Preis wird von der Firma Jenapharm GmbH & Co KG finanziert.

Dr. maria Schubert erhielt Forschungspreis
Dr. Maria Schubert erhielt den Forschungspreis der DGA (Foto © UKM)

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Andrologie e. V. (>>zur Pressemitteilung)

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