Die Harnsteinbehandlung hat sich in den letzten Jahrzehnten revolutioniert. Durch die Einführung der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) sowie den Einsatz endoskopischer Techniken gerieten die bis dahin gebräuchlichen operativen und konservativen Behandlungsmethoden (Metaphylaxe) aus dem Blickfeld. Die zunehmende Erfahrung macht für den objektiven Beobachter deutlich, dass der rezidivierende Harnstein einer alternativen Behandlung zur wiederholten Zertrümmerung bedarf. Ein modernes Konzept der Harnsteinbehandlung muss daher auch Grundsätze der Metaphylaxe enthalten. Wichtiger Bestandteil dieser Konzepte sind Alkalizitrate.

Harnsteinleiden gehören zu den ältesten beschriebenen Erkrankungen. Sie entstehen durch Störungen des physikalisch-chemischen Gleichgewichts und/oder des hydrodynamischen Harnsystems. Aufgrund der Ursachenvielfalt für eine gestörte Urinzusammensetzung gibt es eine Vielzahl an Mineralisaten bzw. Konkrementbildnern. Die häufigsten sind: Kalziumoxalate und Harnsäure bzw. Harnsäure-Dihydrat.

Ende des 18. Jahrhunderts verbesserten sich die operativ-technischen Möglichkeiten der Steinentfernung. 1830 wurde der erste Lithotripter in Betrieb genommen. Anfang der 1980er Jahre begann die Ära der Steintherapie mittels ESWL, gefolgt von der endoskopischen Steinsanierung – Ureterorenoskopie (URS) und perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL).

Metabolische Kausalbehandlung rückt in den Fokus

Angesichts des Erfolgs dieser Techniken geriet die metabolische Ursachendiagnostik und Metaphylaxe des Harnsteinleidens ins Hintertreffen. Die Lebenswandel-bedingt steigende Urolithiasis-Prävalenz und der wachsende Druck seitens des informierten Patienten, welcher dem Rezidiv nicht mehr untätig entgegensehen möchte, erfordert eine Rückbesinnung auf eine verstärkt metabolisch ausgerichtete Kausalbehandlung des Harnsteinleidens.

Alkalizitrate für Therapie und Metaphylaxe

Für die medikamentöse Metaphylaxe eignen sich Alkalizitrate in besonderer Weise. Sie wirken über Harnalkalisierung, den Ausgleich einer Hypozitraturie und die Regulierung des Säure-Base-Gleichgewichts.

Die Behandlung mit Alkalizitraten erfolgt mit dem Ziel einer Harnalkalisierung und vermehrten Zitratexkretion. Die applizierten Alkali-Ionen greifen direkt in den Säure-Base-Haushalt ein und verursachen eine milde metabolische Alkalose. Hierdurch wird der intrazelluläre Zitratabbau in den Nierentubuli gehemmt und folglich werden mehr Zitrat, aber auch basische Äquivalente, ausgeschieden.

Nierenbeckenkelchausgussstein aus Karbonatapatit, der deutlich die Nierenmorphologie widerspiegelt.

Zitrat ist ein wirkungsvoller Inhibitor des Kristallwachstums und der Aggregation. Der klinische Nutzen wurde in einer Vielzahl von Studien belegt. An dieser Stelle sei auch auf den protektiven Einsatz von Alkalizitraten nach Steindesintegration verwiesen.

Alkalizitrate als Fertigarzneimittel

1970, vor 50 Jahren, wurde das Fertigarzneimittel Blemaren® der Firma Dr. Blell & Co. – Fabrik Pharmazeutischer Präparate, Magdeburg, als industriell hergestelltes Granulat zugelassen. Die aufwendige und den Bedarf nicht abdeckende Defektur der früheren Eisenberg-Lösung [1] in Apotheken entfiel.

Gleichzeitig erschien im Januar 1970 in Zusammenarbeit des Universitätsklinikums Jena und der wissenschaftlichen Abteilung von Dr. Blell & Co. die erste Publikation einer klinischen Studie [2] zu 22 Steinpatienten. Blemaren® N wird jetzt durch die Aristo Pharma GmbH, Berlin, als zitronig schmeckende und leicht dosierbare Brausetablette vertrieben. Für die praktische Arbeit am Patienten bietet die Website www.blemaren.de alle Informationen zur Pathogenese, Therapie und Metaphylaxe von Harnsteinen.

  1. 40 g Zitronensäure, 60 g Natriumzitrat, 66 g Kaliumzitrat und 6 g Pommeranzenextrakt auf 600 ml Sirup.
  2. Schneider HJ, Tscharnke J, Rolle E. Das Zitratgranulat Blemaren in Therapie und Prophylaxe des Harnsteinleidens. Z Urol Nephrol. 1970 Jan; 63(1): 47–54.

Dieser Beitrag wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung der Aristo Pharma GmbH, 13435 Berlin.

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