Die Behandlung der Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen onkologischer Therapien führt weiterhin ein Schattendasein in der Onkologie. Die Teilnehmer der Arbeitsgruppensitzung Supportive Therapie klagten nicht nur über fehlendes Interesse jüngerer Kollegen, sondern auch über mangelhafte Kenntnisse, die sich z. B. in schlechter Umsetzung der Leitlinien-Empfehlungen in die klinische Praxis zeigten.

Zu sehen sind zwei Hände, die einander zugetan scheinen. Bildunterschrift: AIO: Teilnehmer der Arbeitsgruppensitzung Supportive Therapie klagten über fehlendes Interesse jüngerer Kollegen und mangelhafte Kenntnisse. (Symbolbild © Jefry Maviskho – stock.adobe.com)
AIO: Teilnehmer der Arbeitsgruppensitzung Supportive Therapie klagten über fehlendes Interesse jüngerer Kollegen und mangelhafte Kenntnisse. (Symbolbild © Jefry Maviskho – stock.adobe.com)

Das Update der S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen Patienten“ steht kurz vor dem Kick-off und soll bis Mitte 2023 abgeschlossen sein, berichtete Prof. Dr. Karin Jordan, Potsdam. Neben der Aktualisierung der bisherigen Themen sollen als neue Kapitel Autoimmunerkrankungen hinzukommen, die insbesondere als Nebenwirkung der Immuncheckpoint-Inhibitoren auftreten, ferner Kardiotoxizität, zentrale Neurotoxizität sowie radiogene Nebenwirkungen am Urogenitaltrakt.

Eine abgeschlossene und eine gerade gestartete Studie zur Qualitätssicherung in der Supportivtherapie stellte Prof. Dr. Hartmut Link, Kaiserslautern, vor.

In der Rekrutierungsphase befindet sich derzeit die Studie „Qualitätssicherung zum Anämiemanagement bei Patientinnen und Patienten mit soliden Tumoren und malignen Lymphomen“, in der die Diagnose- und Behandlungsqualität von Anämien im klinischen Alltag erfasst werden soll. Bei dieser retrospektiven, bundesweiten und repräsentativen Patientendokumentation wird die Umsetzung der Empfehlungen der S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen Patient:innen“ (2020), der ESMO-Guideline „Management of Anemia and Iron Deficiency in Patients with Cancer“ (2018) und der DGHO Onkopedia Leitlinie „Eisenmangelanämie“ (2018) analysiert. Aus der Untersuchung von patienten-, versorgungs- und arztspezifischen Faktoren sollen auch Erkenntnisse für die gezielte Fortbildung der Behandler gewonnen werden.

Bis 15.11. wurden etwa 300 von geplanten 1.000 Patienten in die Studie eingeschlossen; die Rekrutierung läuft noch bis Anfang 2022, berichtete Prof. Link.

Die ähnlich angelegte Studie „Qualitätssicherung bei Diagnostik und Therapie sekundärer Immundefekte bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) oder Multiplem Myelom (MM)“ zeigte auf der Datenbasis von knapp 1.100 Patienten eine schlechte Leitlinienadhärenz der Behandler hinsichtlich der Immunglobulinsubstitution. Nur 23,5 % der CLL-Patienten und 14,4 % der MM-Patienten mit Indikation zur Substitution gemäß der Onkopedia-Leitlinie erhalten Immunglobuline; auch bei Patienten mit „Soll“-Indikation laut Leitlinien ist die Adhärenz nicht besser, obwohl sich die Immunglobulinsubstitution als eindeutiger Faktor für ein signifikant geringeres Risiko schwerer Infektionen erwiesen hat. Diese Studie wurde bereits publiziert [1].

Referenzen:

1. Link H et al. Quality assurance on diagnosis and therapy of secondary immunodeficiencies (SID) in patients with chronic lymphocytic leukemia (CLL) or multiple myeloma (MM) in Germany (QS-SID). Oncology Research and Treatment 43, Suppl.4: A280

Quelle: 18. AIO-Herbsttagung 2021; Arbeitsgruppensitzung Supportive Therapie, Sa 20.11.2021, 12.30 – 14.00 Uhr

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare