Seit einigen Jahren wird die Sicherheit der aktiven Überwachung bei Patienten mit einem Niedrigrisiko-Prostatakarzinom kontrovers diskutiert. Während ein Teil der Ärzteschaft eine frühzeitige radikale Operation bzw. eine andere invasive Therapie empfiehlt, setzt der andere Teil auf die Strategie der aktiven Überwachung.

M. Maggi et al. publizieren im Dezember langfristige Daten einer retrospektiven Studie zur aktiven Überwachung (AS) mit einem Follow-up von 77 Monaten. „Langfristig ist eine aktive Überwachung bei Prostatakarzinom-Patienten mit niedrigem Risiko und ausgewählten Patienten mit mittlerem Risiko sicher“, unterstreichen Maggi und Kollegen. Gleason-Grad(GG) 2, PSA-Geschwindigkeit sowie Prostate Imaging-Reporting and Data System(PI-RADS)-Score wurden dabei als Indikatoren für ein signifikantes Risiko für Metastasierung identifiziert.

Die Ergebnisse der Studie können Urologen helfen, PCa-Patienten hinsichtlich aktiver Überwachung auszuwählen und zu beraten. Insgesamt nahmen 1.450 Prostatakarzinompatienten mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren mit geringem oder mittlerem Risiko teil. Die metastasenfreie Überlebensrate nach sieben Jahren erreichte 99%; die durchschnittliche Dauer bis zur Metastasierung betrug 62 Monate. 69% der Metastasen entwickelten sich in Lymphknoten. Patienten mit GG 2 hatten eine geringere metastasenfreie Überlebensrate als jene mit einer GG-1-Erkrankung (p<0,01).

BU Abb. Adobe Stock: Die aktive Überwachung beim Niedrigrisiko-Prostatakarzinom ist nach Daten einer retrospektiven Studie auch nach 77 Monaten sicher.

Quelle: Maggi M, Cowan JE, Fasulo V, Washington SL, Lonergan PE, Sciarra A, Nguyen HG, Carroll PR. The Long-Term Risks of Metastases in Men on Active Surveillance for Early Stage Prostate Cancer. J Urol. 2020;204(6):1222-1228. doi: 10.1097/JU.0000000000001313. PMID: 33157570

1 Kommentar

  1. Active Surveillance (AS) führt in Deutschland ein klägliches Dasein. Die Diskussion in der Community wird vor allem von den wenigen Hochrisikopatienten besetzt, während die große Gruppe der Low risk-Tumoren vernachlässigt wird. Man mus lange suchen, um eine deutsche Arbeit zu finden und wird dann aktuell in „Der Onkologe“ fündig (Hammer und Manka: Onkologe 2020 · 26:1069–1078 ). Nach den DKK-Zahlen krebsen wir bei 27% herum; im 2. Jahr sind es noch weitaus weniger. In den USA werden 57% der Patienten mit AS bedient und in Schweden sind es je nach Risikogruppe 91 bzw. 74%. Wir sind vor allem dabei, diese Strategie noch sicherer zu machen, indem wir weitere Hürden einbauen, die dazu führen, noch weniger Patienten zu überwachen. Unser Elend bei der AS fängt mit der Aufklärung an: Die Krebsangst wird gefördert, um damit unserer eigenen Sicherheit zu dienen. Dabei ist nichts so unsicher wie die Sicherheit (Peter Cerwenka). Unser Bestreben bei der Aufklärung ist es, die Illusion der Gewissheit zu vermitteln, statt die Zahlen auf den Tisch zu legen und damit das Vertrauen zu fördern. Z. B.: In der HAROW-Studie ist keiner der Patienten nach fast 8 Jahren am PCa verstorben. Dort waren immerhin T2-Tumoren einbezogen. Die Frage muss lauten: Welche Patienten können wir zusätzlich in die AS einbeziehen? Darauf hat Klotz eine hervorragende Antwort für die intermediate risk-Gruppe gegeben (BJUI 2020).
    Früherkennung ohne AS ist nicht möglich, weil die Übertherapie zu viel Schaden anrichtet. Das wurde vom IQWiG erkannt.

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