Ein Verzicht auf eine frühe Antibiotika-Gabe führt offenbar nicht zu einem erhöhten Risiko der Blutstrominfektion. Dies ist das Resultat einer UK-Studie, die  in PLOS Medicine publiziert wurde. Allerdings stellte die Studie Hinweise auf eine leicht erhöhte Mortalität fest. Wie univadis.de berichtet, hat eine 2019 an Senioren durchgeführte Studie ergeben, dass Patienten, die keine sofortige antibiotische Behandlung gegen Harnwegsinfektionen erhielten, mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Blutstrominfektion entwickelten.

Ein zweiter Blick von Experten des Universal College in London entdeckte jetzt eine andere Conclusio. Wissenschaftler um Dr. Laura Shallcross analysierten den Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Antibiotika-Verschreibung bei Harnwegsinfektionen und dem späteren Risiko einer Blutstrominfektion anhand desselben Datensatzes (Clinical Practice Research Datalink; 2007–2015) der Studie von 2019. Die Kohorte umfasste 147.334 Patienten mit insgesamt 280.462 Episoden einer unteren HWI. In 87 % der Fälle verschrieb der Arzt sofort ein Antibiotikum. Die restlichen Fälle wurden gar nicht oder erst innerhalb der folgenden Woche antibiotisch versorgt.

Bei sofortiger Antibiotikagabe trat laut der Studienautoren bei 0,4% der Fälle eine Blutstrominfektion auf, bei verzögerter Gabe oder Antibiotikaverzicht waren es 0,6 %. „Allerdings glich sich nach Berücksichtigung von Komorbiditäten, Raucherstatus, kürzlichen Krankenhausaufenthalten sowie kürzlicher Verschreibung von Antibiotika und Hausbesuchen das Risiko für die Entwicklung einer Blutstrominfektion in beiden Patientengruppen an“, berichtet univadis.de. Allerdings traten bei Patienten ohne Antibiotikum häufiger Todesfälle auf als bei Patienten, die sofort Antibiotika erhielten. Weitere Studien sind notwendig.

Quelle: Shallcross L, Rockenschaub P, Blackburn R, Nazareth I, Freemantle N, Hayward A. Antibiotic prescribing for lower UTI in elderly patients in primary

Bild: Adobe Stock

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