Der Bürokratieaufwand in den Praxen ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,3% gestiegen. Vor allem hat die Corona-Pandemie die niedergelassenen Ärzte zusätzlich belastet. Das ergab der zum fünften Mal von der KBV veröffentlichte Bürokratieindex 2020. Nach einem leichten Abfall der Bürokratie in den vergangenen Jahren sei diese nun wieder etwas angestiegen, resümierte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. Allerdings läge das nicht an neuen Richtlinien oder Anforderungen, sondern an der steigenden Fallzahl.

Darüber hinaus verwies Kriedel auf die zusätzliche Bürokratiebelastung durch die Corona-Pandemie. Dies hätten die Fokusgruppen-Interviews gezeigt, in denen mit Haus- und Fachärzten aus ganz Deutschland die Erfahrungen der Praxen im Umgang mit SARS-CoV-2 thematisiert wurden. Die Gespräche machten das große Engagement und den persönlichen Einsatz der Niedergelassenen in der Krise, aber auch den Handlungsbedarf beim Abbau bürokratischer Belastungen deutlich. Angesichts der zusätzlichen Corona-Patienten und der damit zusammenhängenden Testverfahren und neuen Formulare habe die Pandemie den Praxisalltag stark beeinflusst.

Der von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) erstellte Bürokratieindex (BIX) für die vertragsärztliche Versorgung ermittelt, wieviel Zeit die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten im Jahr für die Erfüllung bürokratischer Pflichten aufbringen müssen. Insgesamt 55,8 Millionen Netto-Arbeitsstunden verursachten verschiedene Informationspflichten im Berichtsjahr – das sind circa 715.000 Stunden mehr als im Vorjahr. „Umgerechnet bedeutet das einen zusätzlichen Tag Mehraufwand pro Praxis im Jahr – zusammengenommen also 61 Tage, die im Schnitt für Bürokratie aufgewendet werden“, erläuterte Prof. Volker Wittberg von der FHM. Den Erhebungen zufolge war es nur ein kleiner Teil der Informationspflichten, die zu mehr Bürokratie führten. Vor allem schlug hierbei die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) mit circa 561.000 Nettostunden mehr als im Vorjahr zu Buche.

Quelle: Praxisinformationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, November 2020.

Abb. Dr. Thomas Kriedel, KBV

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