„Wir behandeln unsere Patienten derzeit unter erschwerten Bedingungen. Die gewissenhafte Einhaltung der ‚Corona-Hygiene‘ unter Einsatz persönlicher Schutzausrüstung wird im Zuge steigender Infektionszahlen auch im Hinblick auf die Wintermonate zunehmend wichtiger“, erklärt Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BvDU) e.V.

„Gerade weil wir wieder in der Regelversorgung sind und nicht im Lockdown, müssen die Schutznahmen weiter aufrechterhalten werden. Es kann nicht sein, dass wir dafür Sorge tragen, die Patienten zu schützen, und dann auf den Kosten dafür sitzen bleiben.“ Der BvDU kritisiert die seit 1. Oktober 2020 geltende Regelung, wonach die GOÄ-Ziffer analog 245, erhöhte Hygienemaßnahmen, nur noch zum 1-fachen Satz abgerechnet werden kann. Bundesärztekammer, PKV sowie Beihilfekostenträger hatten sich jüngst darauf in ihren Verhandlungen über die Hygieneziffer verständigt.

„Unser Aufwand wird momentan eher mehr als weniger: Der Arzt selbst legt anhand des Behandlungsaufwands den Faktor individuell fest – und nicht der Versicherungsträger“, kritisiert Schroeder. „Solche Eingriffe stellen unsere freie Berufsausübung und eine GOÄ in Frage. Wir brauchen jetzt Konsens und keinen Konflikt, sonst unterscheidet sich die neue GOÄ auch nicht von einem EBM“, betont der BvDU-Präsident. Bis dahin empfiehlt der BvDU den Urologinnen und Urologen, bei den einzelnen Leistungen individuell den Steigerungsfaktor für die Schutzmaßnahmen einzusetzen.

Auch der Vorstand der KBV drängt für den EBM auf eine rasche Klärung bereits lange anstehender Vergütungsfragen wie den gestiegenen Kosten für Hygienemaßnahmen, die Förderung von Hausbesuchen sowie die Aufwendungen für Digitalisierung und Datenschutz. „Zu allen diesen Themen ist die Finanzierung zum Teil bereits seit mehreren Jahren nicht geklärt,“, heißt es in einem Schreiben. Der KBV-Vorstand weise deshalb erneut auf den dringenden Handlungsbedarf hin.

Die Finanzierung der steigenden Hygienekosten beispielsweise stünde bereits seit 2013 auf der Agenda, kritisierte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Entscheidungen dazu würden unter fadenscheinigen Begründungen immer wieder vertagt. „Mit dieser Hinhaltetaktik muss jetzt endlich Schluss sein.“

Quelle: BvDU/KBV

Foto: BvDU-Präsident Dr. Axel Schroeder

2 Kommentare

  1. Es ist sicher im Sinne der GOÄ den erhöhten Aufwand im Rahmen der Hygienemaßnahmen über den Steigerungssatz abzubilden.
    Die Analog-Ziffer A 245 hat in meinem Verständnis keine Daseinsberechtigung.
    Andererseits führt ein zuvel Spielen am Steigerungsfaktor dazu, dass in der neuen GOÄ, wenn sie denn mal kommen würde, genau diese Möglichkeit abgeschafft werden wird.

    • Im Sinne der Glaubwürdigkeit sind leistungsgerechte Realziffern der GOÄ sicher besser als gesteigerte Analogziffern, die ein wenig den Charakter der Willkür haben.

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