Aus UroForum Heft 8/20

Quo vadis BvDU? Nach dem Rücktritt von Vizepräsident Dr. Holger Uhthoff machen sich Amtsträger des Berufsverbands Gedanken über die zukünftige Positionierung in Zeiten schwindender Mitgliederzahlen und knapper Finanzen. UroForum sprach mit Vizepräsident Dr. Matthias Schulze, mit dem stellvertretenden Landesvorsitzenden in Nordrhein Dr. Philipp Lossin sowie dem rheinland-pfälzischen Landeschef Dr. Markus Schöne über die aktuelle Lage.

Was macht den BvDU für neue Mitglieder attraktiv, vor allem für den Nachwuchs?
Schulze: Wir müssen stärkere Akzente wie die Zystoskopie-Kampagne oder unser Engagement für die Onkologie-Vereinbarung setzen. Dem BvDU fehlt eine fundierte Beratungskompetenz für angestellte Urologen. Ein zweites Beispiel ist die MVZ-Gründung. Eine substanzielle Beratung ist heute eher bei einem Rechtsanwalt als beim Berufsverband möglich.

Lossin: Wir sollten die BvDU-Niederlassungsseminare unbedingt ausbauen. Junge Urologen suchen Infos über die Möglichkeiten von der freiberuflichen Niederlassung über Angestelltenverhältnisse, MVZs bis zum Belegarzt. Moderne Kooperationsformen erlauben teilweise klinische und teilweise ambulante Tätigkeit.

Schöne: Der BvDU kann kein Serviceverein zur universalen Beglückung aller Mitglieder sein. Damit werden wir scheitern. Der Verband muss mehr auf Teamwork setzen, auf den Beitrag vieler Urologen. Die Vorsitzenden der Landesverbände können Informationen sammeln, Netzwerke knüpfen und die Mitglieder zur Kooperation motivieren. Das Ziel ist eine Art Schwarmintelligenz. Der BvDU ist dafür aufgrund seiner föderalen Struktur eine sehr gute Basis. Als Passiv-Club kann er nichts erreichen; wir brauchen im BvDU die Solidarität und aktive Beteiligung der Urologen:innen.

Wie sollte die zukünftige Management-Struktur des BvDU aussehen?
Schulze: Die Satzung des Berufsverbands Die Satzung des Berufsverbands sieht ein Präsidialsystem mit einer flachen Hierarchie vor. Die Arbeit des Präsidiums muss stärker in einer Arbeitsteilung organisiert sein. Mein Ideal ist eine teamorientierte Präsidialstruktur. Ich bin auch für eine Begrenzung der Amtszeiten im Präsidium auf zwei Wahlperioden. Die Emanzipation des Hauptausschusses gemäß der BvDU-Satzung ist ein wichtiger Pfeiler der zukünftigen BvDU-Arbeit. Der Hauptausschuss ist das Parlament des Berufsverbands, das aber heute zu wenig Einfluss hat. Eigentlich hat das Präsidium die Aufgabe, die Ideen und Beschlüsse des Hauptausschusses umzusetzen. Die Geschäftsstelle arbeitet sehr gut, ist schlagkräftig und entlastet die politischen Gremien sehr.

Lossin: Ein Team ist besser als ein Einzelkämpfer, wenn es um die oft zähe und langwierige Durchsetzung berufspolitischer Anliegen geht. Wenn ein Präsident des Berufsverbands vom Team des BvDU gut unterstützt wird, kommt der BvDU gut zurecht. Ich finde es gut, wenn einer vorne steht und den Hut aufhat. Eine Rotation in nachgeordneten Positionen ist gut, aber an der Spitze braucht der Verband Kontinuität und eine Führungsperson am Verbandssteuer. Dahinter braucht der Verband einen breiten, mitarbeitenden Vorstand. Das System aus Hauptausschuss und Präsidium hat sich bewährt. Der Hauptausschuss gibt die Vorgaben und das Präsidium arbeitet diese Initiativen aus. Das ist eine bewährte Struktur, die wir beibehalten sollten.

Schöne: Die Landesvorsitzenden schaffen es nicht immer, neben ihren Praxen und der Arbeit im regionalen KV-Bereich auch noch auf Bundesebene Akzente zu setzen. Wir müssen deshalb weg von der Lenkungs- und Führungsstruktur und hin zu einer Netzwerkebene mit vielen motivierten Teilnehmern. Der BvDU ist keine Servicegesellschaft, sondern ein Mitmach-Verband. Das muss wieder im Vordergrund stehen. Der Berufsverband floriert nur, wenn der einzelne Urologe zur Partizipation motiviert wird. Nur so wird der Berufsverband erfolgreich um neue Mitglieder werben können. Gleichzeitig ist die Professionalisierung der Geschäftsführung durch den Geschäftsführer und sein Team unverzichtbar. Auch ehrenamtliches Engagement kann nur mit einer professionellen Geschäftsführung Früchte tragen.

Wie soll das zukünftige Verhältnis zur DGU aussehen?
Schulze:
Ich stehe nicht allein mit meiner Wahrnehmung, dass eine Entfremdung zwischen DGU und BvDU stattgefunden hat. Da ist auch eine innere Zerrissenheit zu spüren. Eine engere Kooperation zwischen Berufsverband und Fachgesellschaft ist effizienter, weil z.B. berufspolitische Kampagnen wissenschaftlich unterfüttert werden können. Die Trennung der Häuser hat nichts mit Reife zu tun, sondern mit Separatismus. Ich fände es gut, wenn DGU und BvDU wieder ein gemeinsames Haus in Berlin hätten.

Lossin: Das Verhältnis zwischen DGU und BvDU muss in jedem Fall besser werden. Im Moment arbeiten beide Verbände aneinander vorbei und ich vermisse die Gemeinsamkeit der urologischen Interessenvertretung. Wir müssen wieder mehr an einem Strang ziehen. Ich finde es allerdings völlig unwichtig, ob man in Berlin in einem gemeinsamen Haus arbeitet. Freundschaft und ein gemeinsamer Geist sind viel wichtiger. DGU und BvDU sollten zwei Gänge zurückschalten, sich an einen Tisch setzen und nach neuer Gemeinsamkeit suchen. Diese Gespräche sollten aber der BvDU-Hauptausschuss und der erweiterte DGU-Vorstand führen. Das ist eine Teamaufgabe. Beide Fachverbände müssen miteinander sprechen.

Schöne: Im Vordergrund steht für mich immer das Fach und damit auch die Nähe zur Fachgesellschaft. Meine Hoffnung ist, dass das Verhältnis zwischen DGU und BvDU wieder deutlich besser wird. Die intersektorale Versorgung verlangt von uns, die Spaltungen in ambulante und stationäre Urologie zu überwinden und eine gemeinsame Basis zu finden. Ärztliche Leistung, egal ob im Krankenhaus oder der Praxis, muss adäquat bezahlt werden. Rahmenvorgaben wie Hygienebestimmungen müssen bezahlbar sein. Der Verzicht auf ein gemeinsames Haus der Urologie in Berlin mag eine pragmatische Entscheidung gewesen sein, aber die Symbolik der Trennung war deutlich wuchtiger als erwartet. Wichtiger als ein gemeinsames Haus sind allerdings gemeinsame Projekte wie die Weiterbildung, die Bekämpfung des Facharztmangels sowie intersektorale Arbeitsmodelle.

Wie bewerten Sie die Konkurrenz zwischen Urogister/Uroscience sowie dem d-uo?
Schulze:
Urogister und Uroscience sind geldwerte Vorteile für die Urologen und ein gutes Argument für eine Mitgliedschaft im Berufsverband. Eine kurzfristige Zusammenführung der Big-Data-Projekte beider Anbieter sehe ich in diesem Jahr nicht, aber im Bereich der Studienbeteiligung sind Kooperationen sehr gut möglich.

Lossin: Ich finde es nicht optimal, dass es die Konkurrenz zwischen Urogister und d-uo gibt. Die parallele Sammlung von Versorgungsdaten ist kontraproduktiv. Eine gemeinsame Datenbank wäre besser, dies ist aber zur Zeit nichtmöglich. Berufspolitisch brauchen wir eigene Daten für die Auseinandersetzung und Verhandlungen mit den Kassen, unbedingt. Ich bin von Urogister begeistert, weil es sehr gut funktioniert. Mit diesem Tool kann man zeitsparend die Pflicht der Meldung an das Krebsregister erfüllen und gleichzeitig Daten für den BvDU sammeln. In NRW zahlt das Landeskrebsregister jetzt auch innerhalb von acht Wochen. Urogister ist ein gutes Argument für die Mitgliederwerbung und für den Eintritt in den Berufsverband.

Soll sich der Berufsverband unabhängiger vom Spitzenverband Fachärzte machen?
Schulze:
Der BvDU muss sich mehr vom SpiFa emanzipieren und den Spitzenverband als Instrument der urologischen Berufspolitik nutzen. Wir müssen als urologischer Berufsverband genug Rückgrat haben, um eine unabhängige berufspolitische Interessenvertretung für die Urologie auf die Beine zu stellen.

Lossin: Wir Urologen brauchen eigene Positionen. Auf der anderen Seite ist der SpiFa eine notwendige Institution, um fachärztliche Interessen gegenüber den Krankenkassen und der Politik zu vertreten. Im Team der Fachärzte geht es besser, weil mit einer Stimme gesprochen wird. Nur gemeinsam sind wir stark, aber nie auf Kosten urologischer Positionen.

Schöne: Themen wie Hygiene, Digitalisierung oder die Diskrepanz zwischen KBV-Vorstand und Vertreterversammlung beim Thema KIM – Kommunikation im Medizinwesen – zeigen die Notwendigkeit einer vereinten fachärztlichen Interessenvertretung. Deshalb sollte der SpiFa nicht weniger Einfluss haben, aber die Kommunikation und Transparenz müssen besser werden und urologische Standpunkte müssen klar erkennbar bleiben.

Bild: BvDU

Franz-Günter Runkel

Autor

Franz-Günter Runkel

Chefreporter UroForum


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