Aus UroForum Heft 8/20

Am 31. Oktober wird Catrin Steiniger, brandenburgische Landesvorsitzende und Sprecherin des Hauptausschusses, auf der Mitgliederversammlung in Berlin für das Amt des ersten BvDU-Vizepräsidenten kandidieren. Ihr Vorgänger Dr. Holger Uhthoff trat nach einem Streit im BvDU-Präsidium zurück und wird den Berufsverband auch aus Protest gegen den gegenwärtigen Zustand des Vereins zum Jahresende verlassen.

BvDU-Präsident Dr. Axel Schroeder bestätigte auf Nachfrage von Uro- Forum die Steiniger-Kandidatur sowie den Rücktritt Uhthoffs. „Frau Steiniger hatte bereits Ende Juni ihre Bereitschaft für die Kandidatur als 1. Vizepräsidentin – neben dem damaligen amtierenden 1. Vizepräsidenten Dr. Holger Uhthoff – signalisiert. Uhthoff hat im Juli auf eigenen Wunsch sein Ehrenamt im Berufsverband niedergelegt, was wir sehr bedauern. Er steht damit auch nicht zur Wiederwahl im Oktober zur Verfügung“, teilte Schroeder mit.

Mitgliederversammlung findet Ende Oktober in Berlin statt

Die Mitgliederversammlung des Berufsverbands wird Ende Oktober in der Hauptstadt stattfinden. „Traditionell wird die jährliche Mitgliederversammlung eigentlich im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. abgehalten. Da dieser Corona-bedingt in diesem Jahr allerdings nur online stattfindet, war der Berufsverband dazu gezwungen, einen alternativen Veranstaltungsort zu suchen: Die Wahl des Präsidiums fiel auf den Vereinssitz des BvDU in Berlin. Sie findet am 31.Oktober 2020 statt“, so der Präsident.

Hauptgrund für Uhthoffs Rücktritt war das zerrüttete Verhältnis zu BvDU-Präsident Schroeder. „Im März gewann ich den Eindruck, dass das Präsidium eher ein lästiger Appendix des Präsidenten als ein unabhängiges Entscheidungsgremium des Vereins ist. Das passt nicht zur Geschäftsordnung des Präsidiums“, unterstreicht Uhthoff gegenüber UroForum. Ein Dissens um den Veranstaltungsort der Mitgliederversammlung brachte das Fass dann zum Überlaufen. „Ich hatte im Januar 2020 meine erneute Kandidatur als erster Vizepräsident angemeldet. Sowohl die erfolgreiche Zystoskopie-Kampagne als auch die Rettung der Onkologie-Vereinbarung waren maßgeblich meine Verdienste“, so Uhthoff.

Ende Juni fanden dann Sitzungen des Präsidiums und des Hauptausschusses statt. Wegen seines MVZ-Umzugs schaltete sich Uhthoff online in die Sitzung des Präsidiums. „Ich habe dann zunächst dem Vorschlag einer Mitgliederversammlung am 31. Oktober 2020 in Berlin zugestimmt.“ Am Folgetag gab Catrin Steiniger, Sprecherin des Hauptausschusses und brandenburgische Landesvorsitzende, ihre Kandidatur für das Amt des ersten Vizepräsidenten bekannt. Am 31. Oktober würde es also jetzt in Berlin eine Kampfkandidatur zwischen Uhthoff und Steiniger geben.

Uhthoff vermutet offenbar eine Absicht: „Da Kandidaturen für Präsidiumspositionen immer vorher im Präsidium besprochen werden, müsste Steinigers Kandidatur nach der Sitzung des Präsidiums zum Zeitpunkt der vorhergehenden Abstimmung im Präsidium über den Ort der Mitgliederversammlung bekannt gewesen sein. Da meine Wiederwahl in Berlin wegen der örtlichen Nähe zu Brandenburg unwahrscheinlich gewesen wäre, habe ich mich zum Rücktritt entschieden, um den internen Ränkespielen ein Ende zubereiten.“ Schroeder wiederum hat die rechtlich korrekte Wahl des Veranstaltungsortes in seinem Statement betont.

Gleichzeitig hat Uhthoff seine Mitgliedschaft im BvDU zum Jahresende gekündigt, da er den Verband aktuell weder personell noch konzeptionell für zukunftsfähig hält. Der BvDU hat aufgrund der Überalterung derzeit laut Uhthoff nur noch rund 2.500 Mitglieder, „Tendenz: rückläufig“. Ohnehin blieben viele Ruheständler nur aus Gründen des Versicherungsschutzes Mitglieder. „Ruheständler zahlen aber viel weniger als Voll-Mitglieder, sodass die finanzielle Basis mehr und mehr schwindet“, betont Uhthoff.

Gleichzeitig sorgen Administration und Geschäftsführung für starken Kostendruck. „Eine Arbeitsgruppe befasst sich deshalb mit den Vereinsfinanzen, mit Vergütungen und Aufwandsentschädigungen“, so Uhthoff. Der Berufsverband braucht Mitglieder, aber Uhthoff kritisiert den Mangel an Attraktivität. „Der BvDU muss einen Mehrwert haben. Dann hat er Erfolg und erhält Zuwachs.“

Bild: Runkel

Franz-Günter Runkel

Autor

Franz-Günter Runkel

Chefreporter UroForum

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