Auch nach der chirurgischen Entfernung von Tumoren in der Harnblase treten immer wieder neue Tumoren an anderen Stellen auf. Forscher des Universitätsklinikum Düsseldorf konnten nun einen Zusammenhang mit der Expansion veränderter Stammzellen feststellen.

Fast alle Harnblasenkarzinome weisen Mutationen auf, die epigenetische Regulatorproteine inaktivieren, am häufigsten die Proteine UTX und MLL2. Wie eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Wolfgang A. Schulz vom Forschungslabor Urologie der Urologischen Klinik am Universitätsklinikum Düsseldorf am 21. April 2020 in der Zeitschrift Cancers zeigen konnten, führt diese Inaktivierung von UTX zum Untergang differenzierterer Urothelzellen und mithin zur Anreicherung von Stammzellen, die sich über den Stammzellmarker Zytokeratin 14 (KRT 14) spezifisch nachweisen lässt.

Die Ergebnisse der Düsseldorfer Forscher legen ein neues Modell zur Entstehung von Harnblasenkarzinomen nahe. Demnach führt die Inaktivierung epigenetischer Regulatorproteine wie UTX zur Expansion von Stammzellen mit verändertem epigenetischem Zustand in der Harnblase. Kommen weitere genetische Veränderungen hinzu – beispielsweise im Tumorsuppressor p53, der eine der wichtigsten Kontrollinstanzen für das Zellwachstum darstellt – können sich daraus Tumoren entwickeln.

Eine Expansion veränderter Stammzellen in der Harnblase würde insbesondere erklären, warum nach einer chirurgischen Entfernung immer wieder neue Tumoren an anderen Stellen auftreten.

Quelle: Lang et al. Cancers 12(4): 1023, 2020
Bild: IDW

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare