Jens Eric Altwein verstorben

Am 26. Juni starb Prof. Jens-Eric Altwein in seiner Wahlheimat Naples im US-Bundesstaat Florida. „Unsere Zeit ist arm an schillernden Persönlichkeiten, insbesondere in der Urologie. Einer der letzten war Jens Eric Altwein. Wir trauern um einen der letzten großen Urologen aus der Welt von gestern“, schreiben D. Christmann, K. Dreikorn, Th. Ebert, R. Harzmann, G. Jacobi, K. Miller, J. Rassweiler, Chr. Rüssel, L. Weißbach, J.M. Wolff und M. Wirth in einem gemeinsamen Nachruf.

Jens Eric Altwein verstorben
Mit Prof. Jens Eric Altwein verliert die deutsche Urologie eine der letzten schillernden Persönlichkeiten aus der Nachkriegsepoche. Er starb 81-jährig in Naples, Florida. (Foto © privat)

Im Labor von Jean-Donald Wilson in Dallas konnte er mit Hilfe eines Stipendiums arbeiten und lernte viel über die Wirkung von Testosteron und Dihydrotestosteron. Wilson und Mitarbeiter identifizierten zahlreiche Störungen des Testosteron-Stoffwechsels und der Testosteron-Rezeptoren. „Mit dieser Grundausstattung schillerte Altwein von Anfang an durch die Urologie und erst recht, als er die Ausbildung in der Mainzer Talentschmiede genoss. Seine Sicherheit, sich auf dem akademischen Boden zu bewegen, zeigte sich in der Arbeit als Dekan, eine Position, die er bereits als Oberarzt einnahm. In Mainz war er als Oberarzt bei den Assistenten, die ihn nur AW nannten, hoch anerkannt, unterstützte er doch auch so manche Karriere. So hat Altwein in den 1970er Jahren die Urologie auf vielfältige Weise amerikanisiert, was in die ganze Republik überschwappte“, erinnern die Autorinnen und Autoren des Nachrufs.

Altwein wurde Chefarzt im Bundeswehr-Krankenhaus in Ulm und später bei den Barmherzigen Brüdern in München. Lange galt er als der „wissenschaftlich am besten informierte Urologe“, wie es im Nachruf steht. Das betraf nicht nur die Uro-Onkologie, sondern ebenso das missgebildete Kind oder die inkontinente Frau. Die Community zeichnete ihn 1999 mit dem Martin-Oberländer-Preis aus.

Unvergessen ist sein Husarenstück auf dem DGU-Kongress 2002 in Wiesbaden, als er den Präsidentschafts-Kandidaten des DGU-Vorstands in einer Kampfabstimmung um Längen schlug. „Dieser Vorgang in Wiesbaden ist bis heute einmalig geblieben“, schreiben die Autoren des Nachrufs. „Das war eine gute Wahl, denn mit seinen Verbindungen sorgte er für eine respektable finanzielle Ausstattung der wissenschaftlichen Fachgesellschaft. Die schillernde Persönlichkeit zeigte sich auch in seiner Vorliebe für schnelle Autos, für gut honorierte Operationen in Dubai, Jeddah, Beirut und anderswo und für die Nutzung schicker Hotels, gepaart mit gutem Essen und Trinken. Golf spielte er auch, wenn auch nicht so gut wie er operierte.“ (fgr)

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