Vor einem übertriebenen Einsatz von Insulin, Schilddrüsenhormon und Testosteron im Alter warnt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). „Hormone sind als Anti-Aging-Methode nicht effektiv“, sagte der DGE-Experte Cornelius Bollheimer von der Uniklinik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen im Vorfeld des 63. Deutschen Kongresses für Endokrinologie vom 4. bis 6. März in Gießen.

Laut der DGE herrschte in der Vergangenheit oft die Meinung vor, der Rückgang der Hor­monproduktion im Alter sei nicht nur eine Folge, sondern mitverantwortlich für das Al­tern per se. „Unter dem Schlagwort ‚Endokrinoseneszenz‘ galt es, Hormondefizite norm­nah auszugleichen“, so Bollheimer. Doch alle Versuche, durch Geschlechtshormone, Wachstumshormone, Melatonin oder Tes­tosteron das Altern aufzuhalten, sind nach Einschätzung des Lehrstuhlinhabers für Altersmedizin gescheitert. Studien hätten vielmehr gezeigt, dass gerade bei alten Men­schen mit Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion oder Männern mit niedrigem Testosteron Hormongaben mit Bedacht verordnet werden müssen.

Die größten Missverständnisse bestehen laut der Fachgesellschaft bei der Testosteronbe­hand­lung des alten Mannes. In Analogie zu den Wechseljahren der Frau wurde von einer Andropause des Mannes gesprochen. „Das ist falsch. Männer haben keine Wechseljahre“, so Bollheimer. Richtig sei, dass die Testosteronbildung mit dem Alter nachlasse. Das geschehe aber nicht abrupt, sondern gleichmäßig und von Mann zu Mann höchst unterschiedlich. Ein gesunder 30-jähriger Mann könne einen niedrigeren Testosteronwert aufweisen als ein gesunder 80-Jähriger. Auch sei noch nicht hinreichend geklärt, ob das Risiko für Herz­infarkt oder Schlaganfall durch eine zu liberale Testosterongabe erhöht werde. „Testos­teron ist kein Medikament für die Geriatrie“, lautet daher sein Fazit.

Dies bedeutet laut der DGE allerdings nicht, dass ältere Menschen nicht auf Blutzucker, Testosteron und weitere Hormone achten sollten. Diese sollten kontrolliert und in den spezifischen biologischen und medizinischen Kontext des jeweiligen Patienten gesetzt werden, empfiehlt der DGE-Kongresspräsident Andreas Schäffler vom Universitätsklini­kum Gießen und Marburg.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
Bild: Zerbor – stock.adobe.com

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