Der Wechsel auf eine gesunde Ernährung hat Männer mit einem Prostatakarzinom in einer der seltenen randomisierten Ernährungsstudien nicht vor dem Fortschreiten des Tumorleidens bewahrt. Die abschließenden Ergebnisse der Studie „Men’s Eating and Living“ (MEAL), die bereits vor 2 Jahren vorgestellt wurden, sind jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; 323: 140-148) publiziert worden.

Die Epidemiologie des Prostatakarzinoms legt einen Einfluss der Ernährung nahe. Der Tumor tritt in Ländern mit einem westlichen Lebensstil deutlich häufiger auf als in anderen Regionen. Die altersstandardisierte Inzidenzrate ist in Nordamerika und Europa mit 73,7 und 62,1 auf 100.000 Einwohner um ein Vielfaches höher als in Afrika oder Asien (26,6 und 11,5/100.000). Dass dies nicht auf genetische Faktoren zurückzuführen ist, zeigt sich darin, dass chinesische Männer in den USA 16-mal häufiger erkranken als in China. Die Ansicht, dass eine gesunde Ernährung vor einem Prostatakrebs schützt, ist deshalb weit verbreitet. Auch medizinische Fachgesellschaften wie die American Society of Clinical Oncology (ASCO) raten den Patienten dazu, ihre Ernährungsgewohnheiten zu ändern.

Die Leitlinien konnten ihre Empfehlungen jedoch nur auf Expertenmeinungen, epidemio­logische Untersuchungen und kleinere präklinische Studien stützen, deren Evidenz begrenzt ist. Die „Men’s Eating and Living“ oder MEAL-Studie sollte klinisch beweisen, dass eine Ernährungsumstellung den Tumor aufhalten kann.

An der Studie nahmen zwischen 2011 und 2015 an 91 US-Zentren 478 Patienten im Alter von 50 bis 80 Jahren teil, bei denen ein Prostatafrühkarzinom (Stadium bis cT2a) diagnostiziert worden war. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip auf 2 Gruppen randomisiert. Eine Gruppe erhielt eine telefonische Ernährungsberatung, die anderen Patienten erhielten keine Empfehlungen. Die Teilnehmer im Interventionsarm wurden motiviert, 7 Mal am Tag eine Portion Gemüse (2 Kreuzblütler, 2 Tomatenprodukte, 3 andere Gemüsesorten) zu verzehren. Hinzu kamen 2 Portionen Vollkornprodukte, 1 Portion Bohnen oder andere Hülsenfrüchte und 2 Portionen Obst. Gemüsesäfte wurden zur Steigerung der pflanzlichen Nährstoffe empfohlen. Obstsäfte, Eisbergsalat und Kartoffeln zählten nicht zu den empfohlenen Gemüsesorten. Kreuzblütler wie Rosenkohl oder Brokkoli wurden als „Antikrebs-Gemüse“ empfohlen, ebenso Zwiebeln und Knoblauch.

Die Telefonberatung beruhte auf Prinzipien der sozial-kognitiven Lerntheorie. Die Patienten wurden im ersten Monat sechsmal angerufen, um sie für die Ernährungs­umstellung zu gewinnen. In den folgenden beiden Monaten erfolgten 4 Anrufe zur Konsolidierung der neuen Diät. Die nächsten 4 Anrufe in den folgenden 4 Monaten sollten einen Rückfall in frühere Ernährungsgewohnheiten verhindern. Schließlich wurden die Teilnehmer über 16 Monate noch achtmal angerufen, um Auskünfte über die Ernährung einzuholen. Die Beratung hat die Ernährung der Patienten tatsächlich verändert. Vor Beginn der Studie hatten die Teilnehmer im Durchschnitt 3,38 Portionen Gemüse am Tag verzehrt, nach 12 Monaten hatten sie die Zahl um 2,43 Portionen erhöht. Am Ende der Inter­vention waren es noch 2,01 Portionen mehr als vor der Studie. Die Teilnehmer der Kontroll­gruppe hatten nur 0,45 und 0,37 Portionen mehr verzehrt. Die Interventions­gruppe steigerte alle empfohlenen Gemüsearten und die Zufuhr von Carotinoiden und Lycopenen. Die Zufuhr von rotem Fleisch, Fetten und Gesamtkalorien war tendenziell niedriger als in der Kontrollgruppe.

Doch der erhoffte Erfolg stellte sich nicht ein. Primärer Endpunkt der Studie war eine erneute Tumorprogression definiert als ein PSA-Wert von mindestens 10 ng/ml oder eine PSA-Verdopplungszeit von weniger als 3 Jahren oder eine Zunahme des Tumorvolumens oder des Tumorgrades. Eines dieser Ereignisse trat im Interventionsarm bei 124 Patienten ein gegenüber 121 Patienten in der Kontrollgruppe.

J. Kellogg Parsons vom Moores Comprehensive Cancer Center und Mitarbeiter ermittelten eine adjustierte Hazard Ratio von 0,97, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,76 bis 1,25 nicht signifikant war. In der Kaplan-Meier-Analyse waren in der Interventions­gruppe nach 24 Monaten 43,5 % der Patienten ohne Progress gegenüber 41,4 % in der Kontrollgruppe. Die mittlere Differenz von 2,1 %-Punkten (-8,1 bis 12,2 %-Punkte) war ebenfalls nicht signifikant. Warum die Studie ihr Ziel nicht erreichte, ist unklar. An der fehlenden Adhärenz der Patienten kann es nach Ansicht von Parsons nicht gelegen haben.

Quelle: JAMA 2020; 323: 140–148
Bild: Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com

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