Bei jedem zehnten Erwachsenen in Europa ist die Nierenfunktion eingeschränkt. Fatal ist, dass viele Betroffene nichts von ihrer fortschreitenden Nierenschwäche ahnen. Um das Bewusstsein für die Bedeutung unserer Nieren zu schärfen und der Bevölkerung zu zeigen, wie sie ihre Nieren schützen kann, hat Prof. Dr. Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Universitätsklinikum Würzburg, gemeinsam mit der Europäischen Gesellschaft für Nephrologie ERA-EDTA die European Kidney Health Awareness Days ins Leben gerufen. Vom 1. Mai bis zum Nierenkongress in Berlin (5.-8. Juni) finden in ganz Europa Aktionen rund um die Nieren statt.

Abb.: In einem zweieinhalb minütigen Videoclip wird die Funktion der Niere gezeigt, was sie gefährdet und wie man sie schützt. Der Animationsfilm wird in verschiedenen Sprachen produziert und in ganz Europa verbreitet. (Quelle: Click&Clever)

Im öffentlichen Bewusstsein liegen die Nieren oft im Schatten von Herz und Lunge. Dabei sollte den paarig angelegten bohnenförmigen Organen im oberen hinteren Bauchraum mindestens genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt werden. Sie leisten Schwerstarbeit: Sie reinigen nicht nur unser Blut von Giftstoffen und Abfallprodukten, sie sorgen auch für einen ausgeglichenen Wasser- und Salzhaushalt, regulieren unseren Blutdruck, erzeugen lebenswichtige Hormone und sorgen für gesunde Knochen. Selbst wenn es ihnen schlecht geht, bekommen sie kaum Aufmerksamkeit. Denn sie leiden leise. Symptome zeigen sich oftmals erst, wenn die Nierenerkrankung schon weit fortgeschritten ist und sich die Nieren nicht regenerieren können. Zudem sind die Symptome sehr unspezifisch. Wer denkt schon bei anhaltender Müdigkeit, geschwollenen Beinen und Augen, Muskelkrämpfen und Knochenschmerzen, juckender Haut und Appetitlosigkeit direkt an eine Nierenerkrankung?

Gesunder Lebensstil und regelmäßige Nieren-Check-ups

„Jeder sollte sich der Bedeutung unserer Nieren bewusst sein und regelmäßig prüfen, ob es ihnen gut geht,“ sagt Christoph Wanner, Leiter einer klinischen Forschungsgruppe am Universitätsklinikum Würzburg und Präsident der „Europäischen Gesellschaft für Nephrologie“ (ERA-EDTA – European Renal Association – European Dialysis and Transplant Association). „Mit unserer Kampagne Strong Kidneys möchten wir zeigen, wie faszinierend und wertvoll unsere Nieren sind, und wie man mit gesunder Ernährung, Bewegung und Achtsamkeit seine Gesundheit stärken kann. Wer ein erhöhtes Risiko für eine Nierenerkrankung hat – zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht oder eine Vorerkrankung – sollte unbedingt regelmäßig seine Nierenfunktion testen lassen.

Nierenprobleme frühzeitig entdecken, bevor es zu spät ist

„Die Früherkennung ist so einfach und kann von jedem Hausarzt durchgeführt werden“, appelliert Wanner. Der Nierentest beinhaltet zwei Untersuchungen, einen Urintest auf Eiweiß, das so genannte Albumin, und eine Blutabnahme zur Messung des Kreatinin-Wertes. Wird eine chronische Nierenerkrankung rechtzeitig erkannt und angemessen behandelt, kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt oder sogar gestoppt werden. „Warten Sie nicht, bis das Herz auch in Mitleidenschaft gezogen ist, die Knochen brüchig, das Blut weniger wird und Sie eine Dialyse oder eine Transplantation benötigen!“, warnt Wanner.

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) unterstützt die europäische Kampagne. Prof. Dr. Hermann Pavenstädt, Präsident der DGfN: „Wir sollten alles dafür tun, dass Nierenerkrankungen in einem frühen Stadium erkannt werden und dass unsere Nieren gesund bleiben. Der Hausarzt kann Anzeichen einer Nierenerkrankung frühzeitig an den Blut- und Urinwerten erkennen. Außerdem trägt ein gesunder Lebensstil entscheidend zur Nierengesundheit bei.“

Auch die Deutsche Nierenstiftung, die bereits mit zahlreichen Kampagnen die wichtigen Aspekte der Nierengesundheit beleuchtet, begrüßt die Initiative. Mit der neuen Webseite www.strongkidneys.eu bekommen auch bestehende nationale Initiativen in europäischen Ländern eine weitere Plattform, um ihre Botschaften zu präsentieren und sich zu vernetzen. „Ich freue mich, dass mit dieser Initiative das Projekt Nierenstark der Deutschen Nierenstiftung nach bisher erfolgreichen sechs Jahren eine europäische Plattform erhält“, sagt Professor Riegel, Präsident der Deutschen Nierenstiftung. „Bereits seit 1997 informiert die Deutsche Nierenstiftung als unabhängige Organisation die Öffentlichkeit über alle Medien, hilft Betroffenen, initiiert Projekte von Forschungstransfer bis zu Ernährungsratschlägen und schafft so Bewusstsein im Zusammenhang mit Nierengesundheit.“ Informationen zum Projekt Nierenstark finden Sie auf der Webseite www.nierenstiftung.de.

Aktionen im Rahmen der European Health Awareness Days

Angesichts der Corona-Pandemie müssen sich die Aktionen allerorts in diesem Jahr auf den virtuellen Raum beschränken. Es steht ein Animationsfilm (>>zum Video) in verschiedenen Sprachen zur Verfügung, ebenso wie die Webseite www.strongkidneys.eu. Außerdem werden Webinare für Laien, Betroffene und Ärzte mit verschiedenen Themen angeboten. Ferner gibt es für alle Länder eine Umfrage, in der das allgemeine Wissen über die Nieren in der Bevölkerung erhoben wird. Die Kampagne beginnt am 1. Mai und endet mit dem Nierenkongress der ERA-EDTA, der in diesem Jahr vom 5. bis 8. Juni in Berlin stattfindet.

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Würzburg. (>>zur Pressemitteilung)

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