Im Vorfeld der Bundestagswahl nutzte der Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Heinrich den Fachärztetag des Spitzenverbands Fachärzte (SpiFa) dazu, den Erhalt der ärztlichen Freiberuflichkeit zu postulieren. Die freie Arztwahl sei nur möglich, wenn dieses Wahlrecht des Patienten durch die Freiberuflichkeit abgesichert werde. Eine akute Gefahr der Freiberuflichkeit sah Heinrich interessanterweise nicht vorrangig in politischen Bestrebungen, sondern im wirtschaftlichen Strukturwandel des Gesundheitssystems. So bedrohten heute vor allem private Kapitalgesellschaften die Unabhängigkeit ärztlicher Tätigkeit, weil immer mehr Krankenhäuser und Medizinische Versorgungszentren von nicht ärztlichen Kapitalgesellschaften geführt würden.

Das Bild zeigt den Screenshot einer blonden Frau mit hellen Augen und einer Brille mit einem ausgeprägten Rahmen. Es zeigt Dr. Kirsten Kappert-Gonther. In der Einführung der Bürgerversicherung sag die Grüne-Bundestagsabgeordnete Dr. Kirsten Kappert-Gonther eine Frage der Gerechtigkeit. (Screenshot: Runkel)
Abb.: In der Einführung der Bürgerversicherung sag die Grüne-Bundestagsabgeordnete Dr. Kirsten Kappert-Gonther eine Frage der Gerechtigkeit. (Screenshot: Runkel)

Das Thema der Freiberuflichkeit spielte auch in der gesundheitspolitischen Diskussion von vier Bundestagsabgeordneten eine wichtige Rolle. Trotz der COVID-19-Pandemie wurde auf dem Fachärztetag deutlich, dass der Bundestagswahlkampf begonnen hat. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß bekannte sich erwartungsgemäß zur Freiberuflichkeit und betrachtete sie als Basis einer „ordentlichen Versorgung in der Fläche“. Einer Bürgerversicherung erteilte Krauß ebenso eine Absage wie die FDP-MdB Christine Aschenberg-Dugnus. Therapiefreiheit ohne Budgetierung, Digitalisierung und ein Bekenntnis zur privaten Krankenversicherung waren ihre Kernpositionen.

Für Bündnis 90/Die Grünen identifizierte Dr. Kirsten Kappert-Gonther eine großen Reformbedarf im Gesundheitssystem. „Das ist eine Frage der Gerechtigkeit“, kommentierte die Grüne ihre Forderung nach der Bürgerversicherung. Zudem verwies Kappert-Gonther auf eine Reform des DRG-Systems im Krankenhaus, eine Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie eine Überwindung der sektoralen Versorgungsgrenzen.

Die AfD hatte in der Wahl-Debatte wenig Originelles zu bieten. Der MdB Dr. Robby Schlund sprach sich für eine Abschaffung der Budgetierung, eine Stärkung der ländlichen Versorgung, die Abschaffung des DRG-Systems sowie den Übergang in eine transsektorale Versorgung mit einer Misch-Gebührenordnung aus EBM und stationären Fallpauschalen aus. SpiFa-Chef Dr. Dirk Heinrich hielt diese Idee einer Misch-Gebührenordnung offenbar für Unsinn. Schließlich sei das eine ein Leistungskatalog und das andere eine Gebührenordnung. Das würde Jahrzehnte dauern und womöglich niemals umsetzbar sein.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare