G-BA verweigert Kryokonservierung

In der Sitzung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) haben Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung die Finanzierung der Eierstockgewebekonservierung bei Mädchen mit Krebs vor der Pubertät verhindert. An ihrer Stimmenmehrheit ist die Befürwortung durch die unparteiischen Mitglieder, die Patientenvertretung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Fachgesellschaften gescheitert. Jetzt hat noch das Gesund­heitsministerium die Möglichkeit einzugreifen.

G-BA verweigert Kryokonservierung
In einer Sitzung der G-BA haben diese die Finanzierung der Eierstockgewebekonservierung bei Mädchen mit Krebs vor der Pubertät verweigert (Foto © adobestock – Alena)

Im Mai 2019 hatte der Gesetzgeber mit der Änderung des § 27a SGB V die Fruchtbarkeitserhaltung vor keimzellschädigender Therapie durch Kryokonservierung von Keimzellen oder Keimzellgewebe zur Kassenleistung erhoben. Zur Umsetzung des Gesetzes ist jedoch eine Richtlinie des G-BA notwendig.
 
Die Kryokonservierung von Eierstockgewebe ist für einen Teil der jungen Frauen mit Krebs eine Methode zur Fruchtbarkeitserhaltung. Für Mädchen vor der Pubertät wäre das die einzig mögliche medizinische Maßnahme auf diesem Gebiet, berichtet die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Durch spätere Wiederein­setzung des konservierten Gewebes könne der natürliche Zyklus hergestellt werden, und es ist eine Empfängnis auf natürliche Weise möglich.

Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung vereint im Widerstand

In der Plenumssitzung des G-BA scheiterte die Finanzierung dieser medizinischen Maßnahme an den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesver­einigung. Die unparteiischen Mitglieder des G-BA, die Patientenvertretung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatten sich ebenso wie die medizinischen Fachgesellschaften für eine Finanzierung ausgesprochen, berichtet die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.
 
Die Stiftung hält in Ihrer Pressemitteilung fest „Für die betroffenen jungen Mädchen bisher relativ wenig Erfah­rungen mit der Eierstockgewebekonservierung gibt. Festzustellen ist jedoch auch, dass für diese Mädchen keine Alternativen zur Verfügung stehen, um die Aussicht auf eigene Kinder nach der Heilung zu erhalten.“

Pro-Argumente aus der Plenumssitzung

In einem Schreiben hatten die Fachgesellschaften die Finanzierung der Kryokonservierung für die Mädchen vor der Pubertät noch einmal befürwortet wird. Das Schreiben wurde von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), der Gesell­schaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie von der Deutschen Stiftung für junge Erwach­sene mit Krebs unterzeichnet.

Kürzlich veröffentlichte Leitlinien aus Frankreich und Japan empfehlen ebenfalls die Konservierung von Eierstockgewebe bei Mädchen vor der Pubertät bei bevorstehender keimzellschädigender Therapie.

Gegenposition der Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung

Die japanische Leitlinie befürworte zwar die Kryokonservierung für die Mädchen vor der Pubertät, stufe sie jedoch als experimentell ein.

Durch eine Stimmenmehrheit von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung wurde anschließend die Richtlinie ohne die Kryokonservierung von Ovarialgewebe für die Mädchen beschlossen.

Wie geht es weiter?

Die Richtlinie muss noch vom Gesundheitsministerium genehmigt werden und wird erst danach im Bundesanzeiger veröffentlicht. Das Gesundheitsministerium hätte laut der Stiftungalso die Möglichkeit einzugreifen und die nicht im Gesetz vorgesehene Einschränkung auf ein unteres Alter abzulehnen.
 
„Wir hoffen sehr, dass man sich doch noch eines Besseren besinnt und den Mädchen vor der Pubertät diese Chance auf eine eigene Familie nach Heilung ihrer Krebserkrankung nicht nimmt“, sagt Prof. Dr. med. Mathias Freund, Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Er fährt fort: „Leider wissen die Beteiligten im G-BA, dass die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit durch die langwierigen und schwer zu durchblicken­den Prozesse im G-BA Grenzen hat. Wir sind daher für eine Verkürzung der Fristen auf maximal ein Jahr, die Stärkung der Patientenvertretung und eine Veröffentlichungspflicht der Entwürfe von Richtlinien. Mehr Transparenz ist die Voraussetzung für eine dringend notwendige intensivere öffentliche Diskussion!“
 
Eine gute Nachricht sieht die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs darin, dass die Kryokonservierung von Eierstockgewebe für Mädchen und Frauen nach der Pubertät nun die Richtlinie für die Finanzierung aufgenommen worden ist.

Hier ist für die Frauen ab 18 Jahren aber noch die Formulierung der Abrechnungsziffern erforderlich. Hierfür hat der Ausschuss Ärzte/Krankenkassen nach der Veröffentlichung der Richtlinie im Bundesanzeiger noch einmal sechs Monate Zeit. Eine Finanzierung durch die Kassen ist daher vor dem 1.1.2023 nicht zu erwarten.

Quelle: Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs (>>zur Pressemitteilung)

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