Bei der Digitalisierung muss die Versorgung im Fokus und am Anfang aller Überlegungen stehen – und nicht die Technik. Das hat Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), auf der KBV-Vertreterversammlung angemahnt. Deshalb forderte er eine entscheidende Stimme für die Vertragsärzteschaft in der Gesellschafterversammlung der gematik.

Ein älter Man mit weißen Haren und einer braunen runden Brille. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel lehnt die E-Evidence-Verordnung der EU ab. (Foto © Lopata, axentis.de)
KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel lehnt die E-Evidence-Verordnung der EU ab. (Foto © Lopata, axentis.de)

Mit ihrer eigenen IT-Strategie distanziere sich die KBV zudem klar von der aktuellen Strategie „TI 2.0“ der gematik. „Die gematik-Strategie stellt wieder vor allem die Technik-Perspektive an den Anfang aller Überlegungen. Mit seinen 51 % Stimmrecht will das Bundesgesundheitsministerium dieses Konzept noch schnell in der nächsten gematik-Gesellschafterversammlung am 29. September vor der Übergabe an eine neue Regierung fixieren“, sagt Kriedel. Mit dem Konzept wäre nach jetzigem Stand auch der sogenannte „Zero-Trust-Ansatz“ beschlossen, eine Abkehr vom jetzigen Hardware-Konnektor als Anschluss an die TI. Eine Software-Lösung sei zeitgemäß; jedoch müssten die Sicherheitsfunktionen der Konnektoren für die Praxen ersetzt werden.

„Deshalb stellen wir vier Bedingungen auf: 1. Die Betriebs- und Sicherheitsverantwortung der gematik im Zero-Trust-System muss eindeutig geregelt und eingerichtet sein. 2. Kein Abwälzen der Verantwortung sowie organisatorischer Maßnahmen auf die Praxen. 3. Ein bruchfreier Übergang, ohne Stören des Praxisablaufs. Und 4. Alle Kosten, die durch die neuen Vorgaben entstehen, sind durch den Gesetzgeber beziehungsweise durch die Krankenkassen zu finanzieren“, fordert Kriedel.

Eine Gefahr sieht das KBV-Vorstandsmitglied zudem in der sogenannten E-Evidence-Verordnung, die auf EU-Ebene kurz vor der Verabschiedung steht. Geplant ist, dass Ermittlungsbehörden anderer EU-Staaten bei Verdacht auf gewisse Straftaten auch die Herausgabe medizinischer Daten verlangen können. Kriedel: „Wir sehen hier nichts weniger in Gefahr, als das ärztliche Berufsgeheimnis. Das lehnen wir entschieden ab!“ Die KBV versucht über die Ärzteverbandsvertretung CPME in Brüssel positiv einzuwirken und hat auch das BMG kontaktiert.

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 17.09.21 (>>Berichte zur Veranstaltung)