Die Münsteraner Andrologie-Chefärztin Prof. Sabine Kliesch (CeRA) hat auf dem 72. DGU-Kongress darauf aufmerksam gemacht, dass die GKV-Erstattung für die Kosten der Kryokonservierung männlicher Samenzellen für alle keimzellschädigenden Therapien gilt und nicht nur für onkologische Erkrankungen.

Als Konsequenz aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz der Bundesregierung von Mai 2019 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 16. Juli 2020 eine Richtlinie zur Kryokonservierung erlassen. „Zu den medizinischen Indikationen zählen alle geplanten Behandlungen, die nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis keimzellschädigend sein können. Dazu zählen insbesondere die operative Entfernung der Keimdrüsen, eine Strahlentherapie und der Einsatz potenziell fertilitätsschädigender Medikationen“, stellte Kliesch im Checkpoint Andrologie heute Morgen fest.

Aufklärung und Beratung durch einen andrologisch qualifizierten Facharzt

Voraussetzung der GKV-Leistung sind Aufklärung und Beratung durch einen andrologisch qualifizierten Facharzt mit entsprechender Weiterbildung. Kliesch bezog sich auf die S2k-Leitlinie „Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen“ und hob hervor, dass die Kryokonservierung von Spermien allen Erwachsenen und Adoleszenten vor einer potenziell gonadentoxischen Therapie oder einer fertilitätsgefährdenden Operation angeboten werden soll.

„Bei Azoospermie oder Aspermie sowie Ejakulationsstörungen sollte die testikuläre Spermienextraktion TESE angeboten werden. Wenn es um einen Hodentumor geht, sollte sie idealerweise simultan zur Ablatio erfolgen“, riet die Münsteraner Andrologin. Kliesch erläuterte die neue Richtlinie des G-BA im Rahmen eines Überblicks über aktuelle andrologische Leitlinien in Deutschland.

Über andrologische Leitlinien in der klinischen Praxis referierte Prof. Sabine Kliesch auf dem DGU-Kongress. (Foto: DGU/Solcher)

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