Die Liegedauer eines Katheters beeinflusst maßgeblich die Entstehung von Harnwegsinfektionen. So lautet ein Ergebnis der Studie von Jennifer Kranz et al. an der RWTH Aachen, publiziert in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts.

Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten nosokomialen Infektionen in Deutschland und sind in über 60% der Fälle Katheter-assoziiert. Mit dem Ziel, Präventionsstrategien und Therapieoptionen aufzuzeigen, recherchierten die Wissenschaftler systematisch nach Publikationen aus dem Zeitraum 2000–2019, in denen symptomatische Katheter-assozi­ierte Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen untersucht worden waren. Sie konnten die Daten von 69 Studien auswerten. Neben dem Risiko, das eine längere Liegedauer des Katheters mit sich bringt, fanden die Autoren, dass eine routinemäßige Katheterisierung generell häufig eher mit Risiken als mit einem Nutzen verbunden ist.

Die Daten zur antibiotischen Prophylaxe wiesen auf einen leichten Vorteil für mit Antibi­o­tika imprägnierte Katheter oder eine systemisch antibiotische Prophylaxe. Keine Rolle spielte hingegen das Kathetermaterial. Zudem fanden die Autoren keine Evidenz für einen Unterschied zwischen den beiden Katheterisierungsrouten transurethral versus suprapubisch. Der Nutzen antiseptisch be­schichteter im Vergleich zu nichtbeschichteten Standardkathetern sei derzeit unklar.

Die Notwendigkeit einer Katheterisierung, schlussfolgern die Autoren, müsse immer kri­tisch geprüft werden und es sei auf eine möglichst kurze Verweildauer zu achten. Vor dem Hintergrund global steigender Antibiotikaresistenzen halten sie es darüber hi­naus für essenziell, zwischen einer nichtbehandlungsbedürftigen asymptomatischen Bak­teriurie und einer antimikrobiell zu behandelnden Harnwegsinfektion zu unter­scheiden. Zusätzliche Maßnahmen wie etwa Schulungen des Pflegepersonals könnten darüber hi­naus helfen, das Risiko für Katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen wirksam zu ver­ringern.

Quelle: Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 83-8
Bild: mitifoto – stock.adobe.com

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