Apps, die ohne persönlichen ärztlichen Kontakt zum Patienten eine Diagnose stellen, sind nicht zu empfehlen. Solche, die mit einem Kalender an Medikamente oder Termine erinnern, schon. Arztportale müssen Bewertungen löschen, die den Arzt beleidigen, schmähen oder falsche Tatsachen behaupten.

Gesundheits-Apps sind auf dem Vormarsch

Digitale Anwendungen sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken: 81 % der Deutschen Bevölkerung nutzen Smartphones. In den App-Stores gibt es zwischen 100.000 und 1.000.000 Gesundheits-Apps, und zwei von drei Smartphone-Nutzern nutzen eine solche, so Prof. Marion Kiechle, München. Sie unterscheidet drei App-Gruppen:

  • Lifestyle-Apps
  • Service-Apps
  • digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)
Medizin-Apps auf dem Smartphone.
Abb.: Medizin-Apps können unter umständen nützlich sein. (Bild: Adobe/Stock)

Lifestyle-Apps

Lifestyle-Apps bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu Angeboten, die Risikofaktoren reduzieren und die Gesundheit fördern sollen, indem sie das Bewusstsein für den eigenen Körper verbessern. Positive Effekte sind z. B. Gewichtsreduktion, gesteigerte körperliche Aktivität und gesündere Ernährung. Ein Beispiel sind Kalorienzähler.

Service-Apps

Service-Apps erinnern daran, Tabletten einzunehmen oder an den Arzttermin. Sie erleichtern die Kommunikation mit dem Arzt oder der Krankenkasse.

Digitale Gesundheitsanwendungen

Die dritte Gruppe, die DiGAs, unterstützen dabei Krankheiten zu erkennen und zu behandeln. Sie tragen ein CE-Kennzeichen, sind vom BfarM zugelassen, sind verordnungsfähig und erstattungspflichtig, wenn die entsprechende Diagnose vorliegt. Derzeit sind 10 DiGAs zugelassen, 22 Anträge werden noch bearbeitet (>>hier zur BfarM-Übersicht).

Kiechle findet Apps empfehlenswert, die es erlauben, mit einem Kalender Schmerzen zu dokumentieren, an Medikation oder Vorsorgeuntersuchungen erinnern und zu einer gesünderen Lebensweise motivieren. Sie rät von Diagnose-Apps ohne persönlichen Kontakt ab.

Gegen unerwünschte Online-Bewertungen wehren

Die Rechtsanwältin Dr. Iris Koller, München, sprach darüber, wie sich Ärzte gegen unerwünschte Bewertungen im Internet wehren können. Der BGH hat festgestellt, dass das Recht des Portals auf Kommunikationsfreiheit das Recht des Arztes auf informationelle Selbstbestimmung überwiegt. Daher muss sich ein Arzt bewerten lassen und der Betreiber muss das Profil nicht vollständig löschen. Auch darf das Portal die Daten des Bewertenden nicht preisgeben. Grundsätzlich sind subjektive Bewertungen durch die Meinungsfreiheit geschützt.

Verboten jedoch sind Beleidigungen, Schmähkritik und falsche Tatsachenbehauptungen. Solche Bewertungen müssen gelöscht werden, da sie rechtswidrig sind. Bei anderen schlechten Bewertungen muss abgewogen werden, ob sie zulässig sind oder nicht. Auch wenn der Arzt zivilrechtliche Ansprüche gegen den Bewertenden haben kann, ist der in der Regel anonym. Gegenüber dem Portal hat er den Anspruch, dass die Bewertung gelöscht wird, jedoch erst, nachdem er den Betreiber informiert hat. Daher ist es wichtig, die Einträge regelmäßig zu kontrollieren.

Quelle: Veranstaltung „3. Hauptthema: Digitalisierung/E-Health“ am 04.03.2021 zum FOKO 2021

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