Bei Patienten mit Blasenkrebs trägt die körpereigene Bekämpfung des Tumors durch das Immunsystem zur Wirksamkeit einer Chemotherapie bei. Das berichtet ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Berlin Institute of Health (BIH) jetzt im Fachmagazin Science Translational Medicine. Diese Erkenntnis lässt sich für eine Vorhersage des Therapieerfolgs nutzen und könnte die Überlebenschancen von Betroffenen in Zukunft erhöhen.

Ein internationales Forschungsteam um Dr. Michael Schmück-Henneresse, Wissenschaftler am Berlin Institute of Health Centrum für Regenerative Therapien (BCRT), am Institut für Medizinische Immunologie und am Berlin Center for Advanced Therapies (BeCAT) der Charité, hat nun einen Weg gefunden, die Patienten, die von einer Chemotherapie profitieren, von denen, die es nicht tun, zu unterscheiden. Der Schlüssel dazu fand sich im Immunsystem der Betroffenen noch vor Beginn der Behandlung: Nur wenn das Tumorgewebe zwei spezifische immunologische Komponenten, CXCL11 und CXCR3alt, in großen Mengen aufwies, zeigte die anschließende Chemotherapie Wirkung. „Diese beiden Komponenten lassen sich im Labor vergleichsweise unkompliziert messen, als Probe reicht die Biopsie aus, die für die Diagnostik des Tumors entnommen wird“, sagt Dr. Schmück-Henneresse.

„Mit dieser technisch einfachen Methode ist es grundsätzlich also bereits zum Zeitpunkt der Diagnose möglich, den Erfolg einer Chemotherapie bei dem oder der Betroffenen abzuschätzen. Ist es unwahrscheinlich, dass die Vorbehandlung anschlägt, könnte man auf die Chemotherapie verzichten und den Blasenkrebs direkt operativ entfernen. Ein solches personalisiertes Vorgehen würde den Patientinnen und Patienten nicht nur die Nebenwirkungen einer unwirksamen Behandlung ersparen, sondern voraussichtlich auch ihre Überlebenschancen erhöhen. Bevor der Nachweis von CXCL11 und CXCR3alt bei Patientinnen und Patienten mit Blasenkrebs routinemäßig eingesetzt werden kann, sind aber noch weitere Studien nötig, die unsere Ergebnisse unabhängig bestätigen.”

Für die Studie untersuchten die Forschenden nach Abschluss der Chemotherapie Tumorproben von 20 Patientinnen und Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs, die an der schwedischen Umeå University in Behandlung waren. Die Biopsien hatte das Team um Dr. Amir Sherif schon vor der Therapie im Rahmen einer Blasenspiegelung für die Diagnose entnommen. Die Forschungsgruppe analysierte, welche immunologischen Botenstoffe sich in dem Gewebe fanden und welche Rezeptoren, also „Empfänger“ für diese Botenstoffe, die Immunzellen in dem Tumor produzierten. Für alle gefundenen Komponenten prüfte sie anschließend, ob deren Menge mit dem Therapieerfolg zusammenhing. Das war sowohl für den Botenstoff CXCL11 als auch den Rezeptor CXCR3alt der Fall: Nur wenn sich im Tumorgewebe besonders viel CXCL11, ein Lockstoff für Immunzellen, fand und bestimmte Zellen des Immunsystems, die T-Zellen, den dafür passenden Rezeptor CXCR3alt herstellten, zeigte die Chemotherapie Wirkung. Das Team überprüfte seine Beobachtungen anschließend anhand bereits existierender Daten aus dem „The Cancer Genome Atlas“. Auch hier zeigte sich, dass von 68 Blasenkrebs-Patienten, die eine Chemotherapie erhielten, diejenigen mit großen Mengen CXCL11 im Tumorgewebe häufiger überlebt hatten.

Das Forschungsteam wird jetzt für Blasenkrebs und andere Tumorerkrankungen untersuchen, ob sich das Immunsystem der Betroffenen mit einem zelltherapeutischen Ansatz gegen den Krebs aktivieren lässt. (Foto: Jacqueline Hirscher, Charité)

Quelle: Vollmer T et al. The intratumoral CXCR3 chemokine system is predictive of chemotherapy response in human bladder cancer. Sci Transl Med 2021 Jan 13. doi: 10.1126/scitranslmed.abb3735

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