Die deutschen Reproduktionsmediziner haben allen Grund, stolz auf ihre Erfolge bei der Behandlung der ungewollten Kinderlosigkeit zu sein: Über 340.000 Kinder sind seit 1982 mit Hilfe der assistierten Reproduktion (künstliche Befruchtung) zur Welt gekommen. „Dies entspricht in etwa der Einwohnerzahl von Wuppertal oder Bielefeld“, erklärt Dr. Ute Czeromin aus Gelsenkirchen.

Zu sehen sind vier Kinder in einer Schulklasse. In jeder Schulklasse gibt es im Durchschnitt ein IVF-Kind. (Foto
© Christian Schwier - adobestock)
In jeder Schulklasse gibt es im Durchschnitt ein IVF-Kind. (Foto
© Christian Schwier – adobestock)

Diese aktuellen Ergebnisse der 134 deutschen Zentren weist das Deutsche IVF-Register aus, das beim 9. Kongress des Dachverbandes Reproduktionsbiologie und –medizin (DVR) vorgestellt wird. Über 21.000 Kinder wurden allein im dafür jüngsten Berichtszeitraum (2019) nach assistierter Reproduktion geboren. „Das sind fast drei Prozent aller geborenen Kinder im Jahr 2019“, verdeutlicht Czeromin als Vorstandsvorsitzende des Registers. „Anders ausgedrückt: In jeder Schulklasse sitzt mindestens ein Kind, das mit Hilfe dieser Methoden entstanden ist.“

Ähnlich wie im „richtigen Leben“ klappt es auch mit medizinischer Unterstützung nicht immer beim ersten Versuch, eine Schwangerschaft zu erzielen. Bei ca. 116.000 Behandlungszyklen im Jahr 2019 resultierte bei den Frischzyklen in jedem dritten Fall (32,7 %) eine Schwangerschaft, wenn ein Embryo entstand und auf die Frau übertragen wurde. In jedem fünften Fall (19,0 %) kam es bei der Übertragung dieser „frischen“ Embryonen zur Geburt.

Auf Eis gelegt – im positiven Sinn und mit viel Erfolg

Eine zusätzliche Chance bietet der Transfer in Auftau-Zyklen: Wenn viele Eizellen herangereift sind, können „Präembryonen“ (Eizellen, in die eine Samenzelle eingedrungen ist, die aber noch nicht befruchtet sind) eingefroren und in einem späteren Zyklus aufgetaut eingesetzt werden. Hier liegt die Geburtenrate pro Transfer mittlerweile auf dem Niveau der Frischzyklen (19,2 %).

Der Vorteil für die Patientin: Sie erspart sich eine erneute Hormonbehandlung samt Gewinnung von Eizellen und hat bereits nach kurzer Zeit wieder die Chance, mit den aufgetauten Embryonen schwanger zu werden.

Die stetig wachsende Anzahl dieser Auftauzyklen geht auch auf das Bestreben der Reproduktionsmediziner zurück, pro Zyklus möglichst nur einen Embryo zu übertragen und so die Mehrlingsrate zu senken. Mehrlinge bergen nicht unerhebliche Risiken für Mutter und Kind: schwierigere Schwangerschaften und Geburten sowie höhere Frühgeburtlichkeit.

Insgesamt sinken die Mehrlingsraten sinken langsam aber sicher, von 21,3 % im Jahr 2017 auf jetzt 17,8 % in Frischzyklen (Auftauzyklen 13 %). Das Ziel der Reproduktionsmediziner ist eine weitere Reduktion durch den gezielten Transfer eines einzigen Embryos (Single Embryo Transfer) mit hohem Entwicklungspotenzial.

Quelle: Deutsches IVF-Register e. V. (>>zur Pressemiteilung)