Die DGU zeigt sich enttäuscht über die heutige Entscheidung des Bundestags gegen die Widerspruchslösung in der Organspende. DGU-Generalsekretär Prof. Maurice Stephan Michel: „Wir sind tief enttäuscht, dass der von uns geforderte Paradigmenwechsel ist. Der nun beschlossene Gesetzentwurf stellt lediglich eine gewisse Modifizierung der bisherigen Entscheidungslösung dar, die wenig bewirkt hat. Das ist keine gute Nachricht für unsere schwerkranken Patienten, die dringend ein Spenderorgan benötigen, aber wegen des Mangels an Organen durchweg viel zu lange darauf warten müssen."

Der Bundestag hat am 16. Januar mit einer Änderung des Transplantationsgesetzes die Weichen für die Zukunft der Organspende in Deutschland gestellt: Der Gesetzentwurf zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende wurde mehrheitlich angenommen. In der dritten Lesung stimmten 432 Abgeordnete dafür, 200 dagegen, 37 enthielten sich. Zuvor hatten die Abgeordneten mehrheitlich gegen den konkurrierenden Gesetzentwurf zur Regelung einer doppelten Widerspruchslösung gestimmt. Dieser hatte in der ersten Abstimmungsrunde 292 Zustimmungen erhalten, bei 379 Gegenstimmen. „EU-Länder, in denen die Widerspruchslösung gilt, haben überwiegend wesentlich höhere postmortale Spendenquoten pro eine Million Einwohner als Deutschland“, so Michel. In Deutschland gilt seit 2012 eine Entscheidungslösung, nach der eine Organentnahme nur nach aktiv bekundeter Bereitschaft zu Lebzeiten zulässig ist. Angesichts der prekären Organspende-Situation im Land war seit Anfang 2018 von der DGU und kurze Zeit später auch von anderen Fachgesellschaften und der Bundesärztekammer ein Systemwechsel gefordert worden.

Der jetzt beschlossene Gesetzentwurf zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft, der von  Annalena Baerbock, Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und Abgeordneten verschiedener Fraktionen stammt, soll Voraussetzungen dafür schaffen, dass mehr Menschen sich mit der Organ- und Gewebespende auseinandersetzen und dazu eine informierte Entscheidung treffen. Er baut auf dem bislang praktizierten Weg auf und sieht eine Reihe von Ergänzungen vor. So soll die Dokumentation der persönlichen Entscheidung neben der im Organspendeausweis künftig auch in einem geplanten bundesweiten Online-Register beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information erfolgen können. Zudem solle die Aufklärung über Organspenden forciert werden, so etwa auch durch Hausärzte, die ihre Patienten aktiv alle zwei Jahre zum Thema beraten und zur Eintragung in das Online-Register ermuntern sollen. Nach den bisherigen Erfahrungen wird dieses modifizierte „Weiter so“ nach Einschätzung der DGU wenig bewegen. Obwohl mehr als Dreiviertel der Bevölkerung laut Umfragen der Organ- und Gewebespende positiv gegenüberstehen, ist die Zahl der postmortalen Organspenden extrem niedrig und der Prozentsatz der Krankenversicherten, die einen Organspendeausweis ausgefüllt haben, nimmt nur schleppend zu.  

Der im Bundestag unterlegene Konkurrenzentwurf mit doppelter Widerspruchslösung war von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach mit Unterstützung einer fraktionsübergreifenden Abgeordnetengruppe initiiert worden. Er sah vor, dass jeder Bürger als möglicher Organspender gilt, sofern er nicht zu Lebzeiten seinen Widerspruch in einem noch zu schaffenden Register eingetragen hat. Sei dies nicht geschehen, erfolge eine mögliche Organspende jedoch nicht automatisch. Zunächst wären die nächsten Angehörigen zu befragen gewesen, ob ihnen ein entgegenstehender Wille des potentiellen Spenders bekannt sei.

„Mit der Einführung der Widerspruchslösung hätte Deutschland seinen Status als Importland von Spendenorgan sicher nicht sofort überwunden, aber der Ansatz hätte die Auseinandersetzung mit der Organspende und damit die Dokumentation des Patientenwillens vermutlich stärker gefördert als die Entscheidungslösung. Nun ist zu befürchten, dass es weiterhin bei einer Verwaltung des Mangels bleibt“, so Prof. Paolo Fornara. In seinem DGU-Präsidentschaftsjahr 2017/2018 hatte er sich besonders für eine Reform des Transplantationsgesetzes stark gemacht und dem bislang praktizierten System attestiert, dass es wenig bewirke. Als Urologe, Transplantationsmediziner und Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation sowie der Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer sieht er in der Widerspruchslösung die wahre Entscheidungslösung, die jedem die volle persönliche Entscheidungsfreiheit lasse. Dass sich jeder Einzelne nach der gesetzlich geregelten Aufklärung mit der Problematik auseinandersetze und im Falle einer Ablehnung sein NEIN zur Organspende formuliere, könne von jedem Bürger erwartet werden.

Im Jahr 2019 ist die Zahl der Organspender hierzulande nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) im Vergleich zum Vorjahr wieder leicht auf 932 gesunken, teilt die DGU mit. Dem stehen rund 9.400 Patienten gegenüber, die auf ein Spenderorgan warten. Mit nur 11,2 Spendern pro eine Million Einwohner gehört Deutschland im internationalen Vergleich laut DSO damit weiterhin zu den absoluten Schlusslichtern. Selbst im tief katholischen Spanien mit seiner Widerspruchslösung wird seit Langem eine vier bis fünf Mal höhere Quote postmortaler Spender pro einer Million Einwohner verzeichnet. Auch bei Eurotransplant, einer Vermittlungsstelle für Organspenden, der acht EU-Staaten angeschlossen sind, hält Deutschland die Schlusslaterne und bezieht von dort mehr Spenderorgane, als es vermitteln kann.

Quelle: DGU

Die DGU hat den Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum Prostatakarzinomscreening mittels PSA-Test scharf kritisiert.

In einem Vorbericht des Gutachtens zur Nutzenbewertung des Prostatakarzinom-Screenings mittels PSA-Test durch das IQWiG wird geschlussfolgert, dass die Nachteile die Vorteile eines PSA-Screenings deutlich überwiegen. „Die vom IQWiG präsentierten Ergebnisse und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind nicht kongruent und werden von der Datenlage nicht unterstützt”, so die DGU. „Zudem werden weitere alltäglich diagnostische Verfahren in der Interpretation vernachlässigt, die in Deutschland routinemäßig für eine optimierte Diagnosestellung zum Einsatz kommen.”

 

Hier das Positionspapier der DGU:

„Posititionspapier der Deutschen Gesellschaft für Urologie zum Vorbericht: Prostatakrebsscreening mittels PSA-Test (S19-01) des IQWiG

 
In einem Vorbericht des Gutachtens zur Nutzenbewertung des Prostatakarzinomscreenings mittels PSA-Test durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wird geschlussfolgert, dass die Nachteile die Vorteile eines PSA-Screenings deutlich überwiegen.

Zur Bewertung der o.g. Fragestellung wurden eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse basierend auf randomisiert-kontrollierten Studien durch das IQWiG durchgeführt. Als Endpunkte wurden die Gesamtmortalität (4 Studien), die prostatakarzinomspezifische Mortalität (10 Studien), die Diagnose metastasierter Prostatakarzinome (4 Studien), unerwünschte Ereignisse (0 Studien), Konsequenzen der Überdiagnosen (10 Studien), Konsequenzen der falsch positiven Diagnosen (6 Studien), Konsequenzen der falsch negativen Diagnosen (0 Studien) sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität (0 Studien) berücksichtigt.

Verwendbare Daten standen für drei randomisierte kontrollierte Studien zur Verfügung, namentlich die ERSPC- (unter separater Berücksichtigung der Länderspezifischen Einzelstudien), die PLCO- und die Stockholm-Studie. Für die Quebec-Studie wurden zwar Daten zur prostatakarzinomspezifischen Mortalität berichtet, diese waren aber nicht im Rahmen der quantitativen Analyse verwertbar. 

Ergebnisse

Hinsichtlich der Gesamtmortalität zeigten sich keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (PSA-Screening vs. kein Screening). 

In Bezug auf das prostatakarzinomspezifische Überleben als auch auf die Diagnosen metastasierter Prostatakarzinome (IDQ [KI]: 0,67 [0,58; 0,78]) zeigte sich ein Vorteil für das PSA-Screening. Genau dieses ist aber für den Patienten von großer Bedeutung. Ein Leben mit symptomatischen Metastasen und dauerhafter Systemtherapie auch mit Chemotherapien wird von den meisten Männern nicht angestrebt.

Das Überdiagnoserisiko wurde für einen PSA Cut-off von unter 4 ng/ml mit 3,5% (KI:1,3-5,6%) bis 6% (KI:5,4-6,6%) bzw. für einen PSA Cut-off über 4 ng/ml (sowie in Deutschland) oder höher mit 0,7% (KI:0,3-1,2%) bis 1,6% (KI:1,1-2,2%) beziffert.

Weiterhin hatten 4-9% der Screeningteilnehmer einen falsch-positiven Screeningbefund bei einem PSA Cut-off von über 4 ng/ml. Im Rahmen einer Biopsie ergab sich eine Gesamtkomplikationsrate von 2%, wobei die Mortalität bei 0% lag. 

Keine Aussage war bzgl. der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, unerwünschten Ereignissen oder den Konsequenzen von falsch-negativen Screeningbefunden möglich, da hierzu überhaupt keine Daten zur Verfügung stehen.

Kritische Bewertung

Da bzgl. des Gesamtüberlebens kein Effekt in eine Richtung nachweisbar war, sich jedoch Vorteile des PSA-Screenings hinsichtlich des prostatakarzinomspezifischen Überlebens und der Diagnose metastasierter Erkrankungen gezeigt haben, spiegelt die Schlussfolgerung des Vorberichts („das PSA-Screening schadet mehr als das es nützt“) die Datenlage nicht adäquat wieder. 

Das Risiko von Überdiagnosen betrifft in Deutschland bei einem PSA-Cut Off Wert von 4ng/einen geringen Anteil der Patienten von 0,7-1,6%. Potentiell negative Folgen wie Ängste oder zusätzliche Untersuchungen werden in der Diskussion des IQWiG genannt, aber nicht mithilfe von Daten quantifiziert bzw. objektiviert. So gibt es bspw. für den Endpunkt gesundheitsbezogene Lebensqualität überhaupt keine randomisierten zur Verfügung stehenden Daten. Dennoch wird die vermeintlich eingeschränkte Lebensqualität mehrfach als Argument gegen ein PSA-Screening angeführt. Außerdem werden die Daten der ERSPC-Studie aus Finnland nicht berücksichtigt, die gezeigt haben, dass psychische Belastung sowie Lebensqualität nach einer Biopsie ohne Krebsnachweis gleich sind wie bei den Patienten ohne Gewebeprobe. 

In diesem Zusammenhang ist der im Bericht verwendete Begriff „falsch-positiv“ insbesondere für Patienten irreführend, da ein PSA-Wert größer 4ng/ml kein Beweis für ein Prostatakarzinom ist. Die PSA-Werte und deren Bedeutung müssen ohnehin mit dem behandelnden Urologen ausführlich diskutiert und durch weitere Untersuchungen wie die digital-rektale-Untersuchung und ggf. mit einem multiparametrischen MRT der Prostata ergänzt werden. Weiterhin wird vernachlässigt, dass nicht die absolute Betrachtung des PSA-Wertes im klinischen Alltag von Bedeutung ist, sondern Parameter wie die PSA-Geschwindigkeit oder verschiede PSA-Quotienten weitere nützliche Hinweise auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms geben können. Dies findet sich entsprechend auch in der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom wieder. „Diejenigen Männer, die von sich aus nach einer Früherkennung fragen, sollen ergebnisoffen über die Vor- und Nachteile aufgeklärt werden. Dabei sollen der mögliche Nutzen wie auch die Risiken (Überdiagnose und Übertherapie) in natürlichen Zahlen und auch grafisch dargestellt werden.“ Weiterhin wird für ältere Patientengruppen (>70 Jahre), die einen niedrigen PSA-Wert aufweisen ohnehin keine weitere PSA-Testung empfohlen.

Vergleichend zu anderen Meta-Analysen ist in dem Bericht v.a. die Zahl der Überdiagnosen erhöht. Dies wird zum einem damit begründet, das die ERSPC-Studien separat nach Land aufgeschlüsselt berücksichtigt werden, zum anderen durch das Ausschließen der CAP-Studie. Hier muss hinterfragt werden, ob das Ausschließen dieser aktuellen und größten verfügbaren Studie adäquat ist.

Fazit

Die vom IQWiG präsentierten Ergebnisse und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind nicht kongruent und werden von der Datenlage nicht unterstützt. Zudem werden weitere alltäglich diagnostische Verfahren in der Interpretation vernachlässigt, die in Deutschland routinemäßig für eine optimierte Diagnosestellung zum Einsatz kommen. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie nimmt diesen Vorentwurf des IQWiG und die daraus resultierte Vermengung von individualisierter Früherkennung und populationsbasiertem PSA-Screening in der Presse mit Bedauern zu Kenntnis. Hierdurch besteht die Gefahr, dass Männer Früherkennungsuntersuchungen vermeiden und in der Konsequenz langjährige Belastungen durch Metastasen, lokale Symptome und Behandlungsfolgen durch Chemotherapien sowie die Mortalität zukünftig stark zunehmen. 

Im Rahmen des Stellungnahmeverfahrens wird die DGU eine ausführliche Stellungnahme beim IQWiG einreichen, verbunden mit der Erwartung, dass in dem Abschlussbericht des IQWiG eine klare Darstellung des Nutzens einer individualisierten Prostatakarzinomfrüherkennung insbesondere in Hinblick auf die Reduktion des prostatakarzinomspezifischen Sterbens und die Reduktion des Auftretens von Metastasen und schwerwiegender Systemtherapien als Schlussfolgerung enthalten sein wird.“

 

Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Jens Rassweiler, Präsident der DGU                      

Univ-Prof. Dr. med. Maurice-Stephan Michel, Generalsekretär der DGU

 

Quelle: DGU

„Urologie 2020 – es ist Zeit“: Mit seinem Motto für den 72. DGU-Kongress vom 23. bis 26. September 2020 in Leipzig drückt der amtierende Präsident der Fachgesellschaft aufs Tempo. Vor allem die Stärkung der Digitalisierung in der Urologie, der KI-unterstützten Chirurgie und der urologischen Krebsfrüherkennung sind für Prof. Jens Rassweiler drängende Anliegen seiner Präsidentschaft.

 „Natürlich müssen wir uns zeitnah auf die Digitalisierung der Medizin einstellen, aber es ist nicht ‚Fünf vor Zwölf’. Das reale Tempo bei der Einführung neuer Technologien ist deutlich langsamer. Deshalb ist es Zeit, sich Zeit zu nehmen, um zu würdigen, was die Urologie zum Beispiel als Vorreiter bei Laparoskopie und robotor-assistierten Operationstechniken erreicht hat. Dann sehen wir, dass sich unser Fach bereits erfolgreich mitten im Digitalisierungsprozess befindet. Gerade deshalb sollten wir uns von der Zukunft nicht ängstigen lassen. Es gibt keinen Grund angesichts neuer Herausforderungen im Selbstmitleid zu verharren und in der Tat auch keine Zeit dafür“, sagt der Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie an den SLK-Kliniken Heilbronn. 

Drei Anwendungsgebiete sieht der DGU-Präsident im Zentrum der digitalen Transformation: Die Telemedizin, die KI-unterstützte Diagnostik und die KI-unterstützte operative Therapie. „Die Telemedizin ist ja inzwischen schon im EBM angekommen, wo entsprechende Qualitätsanforderungen zur Durchführung und Abrechnung der Videosprechstunde festgelegt sind. Primär geht es sicher darum, Videosprechstunden für entsprechend selektionierte Patientengruppen anzubieten. Hier konnte das Johns-Hopkins-Institut bei der Nachsorge nach radikaler Prostatektomie viele Vorteile für die Online-Konsultation belegen. In Zweifelsfällen kann der Patient dann zur entsprechenden Untersuchung einbestellt werden.“ Beim Inhalt digitaler Informationsplattformen wie dem Urologenportal hätten die Fachgesellschaften die Aufgabe, sich qualitativ von Dr. Google abzuheben. Auch mit der Online-Entscheidungshilfe Prostatakrebs und dem Zweitmeinungsportal zu Hodenkrebs sowie demnächst auch zum Peniskarzinom sei die DGU auf einem sehr guten Weg. „Wir sind dabei, wertvolle Daten zu kreieren, die wir mithilfe von KI weiter nutzen bzw. deren Nutzen wir optimieren können. Aber künstliche Intelligenz kann nur so gut sein, wie die Qualität der eingegebenen Daten ist. Wirtschaftliche Modelle gilt es, vonseiten der Fachgesellschaften zu unterbinden. Gerade die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Forschung in der Medizin ist eine ihrer größten Stärken“, betont Rassweiler. 

In der KI-gestützten Diagnostik dominiere die Radiologie. Aber auch die Urologie hat nach Worten des DGU-Präsidenten bei der Prostatadiagnostik mittels transrektalem Ultraschall bereits Erfahrungen mit neuronalen Netzwerken gesammelt. „Unsere Kenntnisse bei der Beurteilung des multiparametrischen MRT werden immer wichtiger. Entsprechende Kurse im wissenschaftlichen Programm des 72. DGU-Kongresses tragen dem Rechnung. Es wird spannend werden, wie viel Radiologie wir zukünftig zur Interpretation eines MRT der Prostata benötigen werden. Auf jeden Fall werden diese KI-Entwicklungen mit hochqualitativen Daten gefüttert.“ 

Die KI-unterstützte Chirurgie, die Surgery 4.0 analog zur Industry 4.0, ist für Rassweiler das spektakulärste Feld des digitalen Wandels. „Hier geht es um die generelle Nutzung von ‚Big Data’ im Rahmen von Surgical Data Science – einem neuen Forschungsfeld, das alle bei einer Operation anfallenden Daten erfassen und koordinieren soll. ‚Kabelsalat’ im OP wird sich erübrigen, da die Geräte über WLAN kommunizieren werden. Jedes Gerät wird mit optischen Markern ausgerüstet werden, womit seine Position im OP-Saal, aber auch bezüglich des Patienten definiert und aktualisiert werden kann. Chirurgische Checklisten wie Team-time-out werden im Hintergrund automatisch ablaufen“, so Rassweiler. Virtuelle Realität und Navigationstechniken sollen zur Optimierung der OP-Techniken genutzt werden, meist minimal-invasiver video-basierter Techniken wie Endourologie oder Laparoskopie. „Dabei stellt die Weichteilnavigationstechnologie in der Urologie derzeit noch eine große Herausforderung dar“, so der international renommierte Pionier der robotischen Chirurgie in der Urologie. 

Quelle: DGU

 

Prof. Peter Hammerer, Chefarzt der Klinik für Urologie und Uroonkologie am Städtischen Klinikum Braunschweig, ist zum neuen Vorsitzenden der World Urological Oncology Foundation (WUOF) gewählt worden. Er folgt damit Prof. Laurence Klotz von der Universität Toronto, Kanada, nach.

In seiner neuen Funktion vertritt Hammerer als Sprecher weltweit 22 uroonkologische Fachgesellschaften. Der Braunschweiger Mediziner ist seit 2003 Chefarzt im Städtischen Klinikum und Experte auf dem Gebiet der Diagnostik und Behandlung urologischer und urookonkologischer Krebserkrankungen.

Quelle: World Urological Oncology Foundation (WUOF)

Im Auftrag des G-BA untersucht das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) derzeit, ob Männern ohne Verdacht auf Prostatakrebs innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein Prostatakarzinomscreening mittels PSA-Test angeboten werden sollte. Nach Auswertung der Studienlage kommt das Institut in seinem Vorbericht zu dem Ergebnis, dass der Nutzen einer solchen Reihenuntersuchung den damit verbundenen Schaden nicht aufwiegt: Zwar nutzt das Screening einigen Männern, indem es ihnen eine Belastung durch eine metastasierte Krebserkrankung erspart oder verzögert. Im Gegenzug müssen aber deutlich mehr Männer wegen Überdiagnosen und Übertherapie mit dauerhafter Inkontinenz und dauerhafter Impotenz rechnen, und das in relativ jungem Alter.

Vom Screening des Prostatakarzinoms verspricht man sich die Entdeckung von Prostatakarzinomen mit einem hohen Progressionsrisiko in einem heilbaren Stadium, um die Morbidität (zum Beispiel Schmerzen wegen Knochenmetastasen) und die Sterblichkeit zu reduzieren. Derzeit kommen in Deutschland zwei Screening-Tests auf das Prostatakarzinom zum Einsatz: die digital-rektale Untersuchung und der Test auf das prostataspezifische Antigen (PSA). Die digital-rektale Untersuchung ist Teil des gesetzlichen Früherkennungsangebots für Männer ab dem 45. Lebensjahr und wird somit von den Krankenkassen erstattet – der PSA-Test hingegen nicht. Die digital-rektale Untersuchung war nicht Gegenstand der aktuellen Nutzenbewertung. Es gibt allerdings keinen Grund anzunehmen, dass diese besser in einer Bewertung abschneiden würde als der PSA-Test.

Die jetzt vorliegende IQWiG-Nutzenbewertung eines PSA-Screenings beruht auf der Auswertung von elf randomisierten kontrollierten Studien mit mehr als 400.000 eingeschlossenen Teilnehmern (in der Regel Männer zwischen 55 und 70 Jahren, Beobachtungszeitraum zwischen 13 und 20 Jahre). In allen Studien verglichen die Studienautoren ein Prostatakarzinomscreening mittels PSA-Test mit keinem Screening auf ein Prostatakarzinom.

Nach Auswertung der Studienlage halten die Wissenschaftler des IQWiG fest, dass ein Screening mittels PSA-Wert einigen Patienten nützt, indem es ihnen eine Belastung durch eine metastasierte Krebserkrankung erspart oder verzögert. Hiervon profitieren durchschnittlich etwa 3 von 1.000 Patienten innerhalb von 12 Jahren. Unklar bleibt, ob das Screening dabei zu einer nennenswerten Lebensverlängerung von Patienten führt. Denn zwar bewahrt ein PSA–Screening statistisch betrachtet 3 von 1.000 Patienten innerhalb von 16 Jahren vor dem Tod durch ein Prostatakarzinom, eine Änderung der Gesamtsterblichkeit ließ sich dagegen in den Studien nicht zeigen. Wie kann das sein? Da der Anteil der Prostatakarzinomtode an der Gesamtsterblichkeit gering ist, ist es einerseits statistisch schwierig, mit den Studien einen Unterschied in der Gesamtsterblichkeit zu zeigen. Andererseits ist es dadurch aber auch nicht unwahrscheinlich, dass die in der Regel älteren Männer, die durch ein PSA-Screening vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahrt werden, ohnehin zu einem vergleichbaren Zeitpunkt an einer anderen Ursache sterben.

Die ausgewerteten Studien zeigen aber auch, dass ein PSA–Screening bei Männern ohne Verdacht auf Prostatakrebs häufig zu Überdiagnosen und falsch-positiven Befunden führt. Dabei stelle für die überdiagnostizierten Männer allein die Diagnose einer potenziell tödlichen Erkrankung einen Schaden dar, schreiben die IQWiG-Autoren. Hinzu kommen Belastungen durch eine unnötige Prostatabiopsie und eine eigentlich nicht erforderliche Therapie. Mögliche Komplikationen der Therapie wie Impotenz und Inkontinenz sind zudem in vielen Fällen nicht reversibel und wirken wegen des frühen Therapiezeitpunkts lange nach. Eine dauerhafte Inkontinenz durch ein PSA-Screening befürchten müssen nach einer Modellierung zusätzlich 3 von 1.000 Männern, zusätzlich 25 von 1.000 Männern droht eine dauerhafte Impotenz.

Auch Männer, denen der PSA-Test ein falsch-positives Ergebnis liefert, profitieren nicht vom Screening. Sie erfahren ausschließlich einen Schaden in Form eines besorgniserregenden Testergebnisses, das eine unnötige Prostatabiopsie nach sich zieht. Der Anteil der Screeningteilnehmer, bei denen im Studienverlauf trotz positivem PSA-Test letztlich kein Prostatakarzinom bestätigt wurde, lag zwischen 22 und 26 %. Nach Prostatabiopsien traten in den Studien dabei bei etwa 2 % der Männer Komplikationen auf.

In der Abwägung zwischen Nutzen und Schaden kommt das IQWiG zu dem Ergebnis, dass ein Prostatakarzinomscreening mittels PSA-Test wegen Überdiagnosen deutlich mehr Männern schadet als nützt. Damit befindet sich das Institut in guter Gesellschaft: Weltweit sprechen sich nahezu alle nationalen Gesundheitsbehörden und auch Fachgesellschaften gegen ein organisiertes populationsbasiertes PSA–Screening aus.

„Männern ohne Verdacht auf Prostatakrebs sollte deshalb gegenwärtig innerhalb der GKV kein organisiertes Prostatakarzinomscreening mittels PSA-Test angeboten werden“, wird IQWiG-Leiter Jürgen Windeler zitiert. Inwieweit ein risiko-adaptiertes Vorgehen, das aktuell diskutiert und auch in Deutschland evaluiert wird, zu einer Änderung der Bewertung führen könne, bleibe abzuwarten. Stellungnahmen zum Vorbericht (Projekt S19-01) nimmt das IQWiG bis zum 3. Februar 2020 entgegen.

Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

16. Januar 2020

DGU bedauert Entscheidung des Bundestags zur Organspende

Kategorie: News Autor: Anja Zimmermann
Die DGU zeigt sich enttäuscht über die heutige Entscheidung des Bundestags gegen die Widerspruchslösung in der Organspende. DGU-Generalsekretär Prof. Maurice Stephan Michel: „Wir sind tief enttäuscht, dass der von uns geforderte Paradigmenwechsel ist. Der nun…
14. Januar 2020

PCa-Screening mittels PSA-Test: DGU kritisiert die IQWiG-Einschätzung

Kategorie: News Autor: Anja Zimmermann
Die DGU hat den Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum Prostatakarzinomscreening mittels PSA-Test scharf kritisiert. In einem Vorbericht des Gutachtens zur Nutzenbewertung des Prostatakarzinom-Screenings…