Der Urologe Prof. Thomas Steiner ist seit 1. November 2019 neuer Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Erfurt. Er folgt auf Prof. Dirk Eßer, der das Klinikum und das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt.

Steiner ist seit 2010 Chefarzt im Helios Klinikum Erfurt und hat in dieser Zeit die Urologie und insbesondere auch die onkologische Urologie auf ein international hohes Niveau geführt. Zuletzt wurde das durch Steiner geleitete Uroonkologische Zentrum von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Derzeit ist der 54-Jährige federführend verantwortlich für die fachübergreifende Implementierung des Operationsroboters da Vinci Xi im Helios Klinikum Erfurt.

Quelle: Helios Klinikum Erfurt

Das New England Journal of Medicine veröffentlicht Daten mit Nachweis eines Überlebensvorteils durch Cabazitaxel im Vergleich zu einem zweiten auf den Androgenrezeptor gerichteten Wirkstoff beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC).

CARD ist eine Behandlungssequenzstudie, welche die Wirksamkeit und Sicherheit von Cabazitaxel im Vergleich zu Abirateron oder Enzalutamid nach Krankheitsprogression unter anfänglicher auf den Androgenrezeptor gerichteter Therapie und Docetaxel erforscht. Mit Cabazitaxel stieg das radiologisch progressionsfreie Überleben (primärer Endpunkt) um mehr als das Doppelte und das Mortalitätsrisiko (wichtiger sekundärer Endpunkt) reduzierte sich signifikant um 36 %. Die Studienergebnisse wurden im Rahmen des Presidental Symposiums auf der Jahrestagung der European Society of Medical Oncology 2019 vorgestellt.

„In dieser Studie verbesserte die Behandlung mit Cabazitaxel das radiologisch progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben im Vergleich zu Enzalutamid oder Abirateron signifikant“, so Prof. Ronald de Wit vom Erasmus-MC-Universitätsklinikum in Rotterdam in den Niederlanden und Studienleiter der CARD-Studie. „Diese Ergebnisse sind spannend, da sie Auswirkungen auf die Behandlungsleitlinien für das metastasierte Prostatakarzinom und die derzeitige klinische Praxis haben können.“

CARD ist eine randomisierte, unverblindete klinische Behandlungssequenzstudie unter Beteiligung von 62 Prüfzentren in 13 europäischen Ländern, in die 255 Patienten (medianes Alter 70 Jahre, 31 % über 75 Jahre) mit mCRPC aufgenommen wurden, welche vorab mit Docetaxel behandelt waren und die innerhalb von 12 Monaten unter einem AR-gerichteten Wirkstoff eine Progression erlitten, unabhängig von der Reihenfolge der Behandlungen. Diese Patienten wurden 1:1 auf Cabazitaxel (25 mg/m2 intravenös alle drei Wochen, Prednison täglich und Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor) oder zum Vergleich auf Abirateron (1.000 mg plus Prednison, täglich) bzw. Enzalutamid (160 mg täglich) randomisiert (Abirateron bei Vorbehandlung mit Enzalutamid bzw. Enzalutamid bei Vorbehandlung mit Abirateron).

Der primäre Endpunkt der Studie war das rPFS, das unter Behandlung mit Cabazitaxel (N = 129) im Vergleich zu Abirateron oder Enzalutamid um das mehr als Zweifache länger ausfiel (N = 126; Median 8,0 vs. 3,7 Monate; HR = 0,54; 95%-KI: 0,40–0,73; p < 0,0001). Mit Cabazitaxel behandelte Patienten erlebten eine Verbesserung des rPFS in allen vorab festgelegten Subgruppen, unabhängig vom Zeitpunkt des vorherigen alternativen AR-gerichteten Wirkstoffs vor oder nach Docetaxel. Cabazitaxel verbesserte zudem signifikant einen wichtigen sekundären Endpunkt, das OS (Median 13,6 vs. 11,0 Monate; HR = 0,64; 95%-KI: 0,46–0,89; p = 0,0078) und reduzierte das Gesamtmortalitätsrisiko im Vergleich zu Abirateron oder Enzalutamid um 36 %.

Weitere wichtige sekundäre Endpunkte fielen ausnahmslos zugunsten von Cabazitaxel aus: das progressionsfreie Überleben (PFS) (Median 4,4 vs. 2,7 Monate; p < 0,0001), das bestätigte PSA-Ansprechen (35,7 vs. 13,5 %; p = 0,0002) und das Tumoransprechen (36,5 vs. 11,5 %; p = 0,004). Auch das Schmerzansprechen (45,0 vs. 19,3 %; p < 0,0001) und die Zeit bis zu symptomatischen skelettalen Ereignissen (nicht erreicht vs. 16,7 Monate, p = 0,0499) verbesserten sich unter Behandlung mit Cabazitaxel signifikant.

Die Inzidenz unerwünschter Ereignisse von Grad ≥ 3 betrug 56,3 % unter Cabazitaxel vs. 52,4 % unter AR-gerichteten Wirkstoffen. Die für Cabazitaxel wichtigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen von Grad ≥ 3 im Vergleich zu AR-gerichteten Wirkstoffen umfassten Erkrankungen der Niere (3,2 vs. 8,1 %), Infektionen (7,9 vs. 7,3 %), Muskel-/Skelett-Schmerzen/Beschwerden (1,6 vs. 5,6 %), Herzerkrankungen (0,8 vs. 4,8 %), asthenische Störungen (4,0 vs. 2,4 %), Diarrhö (3,2 vs. 0 %), periphere Neuropathie (3,2 vs. 0 %) und febrile Neutropenie (3,2 vs. 0 %). Die Raten schwerwiegender unerwünschter Ereignisse jeden Grads waren für die Behandlung mit Cabazitaxel (38,9 %) ähnlich wie bei Behandlung mit AR-gerichteten Wirkstoffen (38,7 %). Unerwünschte Ereignisse führten bei Cabazitaxel zum Tod von 7 Patienten, verglichen mit 14 Patienten bei AR-gerichteten Wirkstoffen (5,6 vs. 11,3 %). Es wurden keine neuen Sicherheitssignale beobachtet.

Quelle: Sanofi

Prof. Klaus-Peter Dieckmann, Ärztlicher Leiter des Hodentumorzentrums Hamburg in der Asklepios Klinik Altona, erhielt mit dem Maximilian-Nitze-Preis die Auszeichnung für den wichtigsten wissenschaftlichen Beitrag des diesjährigen DGU-Kongresses.

Damit wurde Dieckmann für seine langjährige Forschungsarbeit und die Entdeckung des Tumormarkers M371 für Hodenkrebs geehrt. Mit seinem Forschungsteam entwickelte er unter anderem einen neuen Test zur Früherkennung von Hodentumoren.

Die DGU setzt sich mit Nachdruck für Patientenorientierung und Digitalisierung ein: In den letzten drei Jahren haben über 8.000 neu betroffene Männer die Online-Entscheidungshilfe Prostatakrebs der DGU genutzt und pro Woche kommen 60 neue hinzu. Durch das interaktive Online-Tool lässt sich das Beratungsgespräch beim nicht metastasierten Prostatakarzinom für den Patienten und seinen Urologen standardisiert vorbereiten und erleichtern (www.entscheidungshilfe-prostatakrebs.info).

„Mit diesem kostenlosen Angebot sind die deutschen Urologinnen und Urologen Vorreiter bei der patientenorientierten Behandlungsentscheidung. Entsprechend wurde dieses Projekt der Patienten-Akademie vor wenigen Wochen auf unserem Jahreskongress mit dem 1. klinischen Vortragspreis ausgezeichnet. Die laufende randomisierte Evaluationsstudie ist der konsequente nächste Schritt, den unsere Fachgesellschaft nach Kräften unterstützt“, so DGU-Pressesprecher Prof. Christian Wülfing.


Gefördert aus dem Innovationsfonds des G-BA, wird die "Entscheidungshilfe Prostatakrebs" aktuell in der randomisierten EvEnt-PCA-Studie mit der gedruckten Broschüre aus dem Leitlinienprogramm Onkologie als aktuellem Standard verglichen. Weitere Unterstützer sind der BvDU, die AOK Baden-Württemberg und die Techniker Krankenkasse. Bislang konnten 86 Studienzentren deutschlandweit 445 Patienten rekrutieren. Das entspricht 37% der geplanten 1200 Patienten. Das Studiendesign ist bewusst einfach gehalten und der Studienablauf fügt sich problemlos in die Routineversorgung ein. Nach dem Einschluss werden die Patienten zufällig zur Nutzung der "Entscheidungshilfe Prostatakrebs" zugewiesen oder sie erhalten die gedruckte Broschüre. Für die Studienärzte umfasst der Arbeitsumfang zwei Erhebungszeitpunkte. Auf Patientenseite sind drei Erhebungszeitpunkte vorgesehen. Primärer Endpunkt ist der leitliniengerechte Einsatz eines zuwartenden Vorgehens. Ziel der Studie ist, den möglichen Nutzen der multimedialen Patienteninformation mit Level I-Evidenz zu belegen. Darauf könnte eine Leitlinienempfehlung aufbauen und so diesen modernen Standard in der künftigen Versorgung fest verankern.


Erste Zwischenergebnisse zeigen vielversprechende Effekte der Online-Entscheidungshilfe Prostatakrebs: Nach Nutzung der "Entscheidungshilfe Prostatakrebs" wurden der eigene Gesundheitszustand und die Lebensqualität besser bewertet. Außerdem sucht ein höherer Anteil der Nutzer der "Entscheidungshilfe Prostatakrebs" eine zweite Meinung. Bei den Behandlungsentscheidungen zeichnet sich eine leichte Tendenz zum stärkeren Einsatz der aktiven Überwachung ab. Ausführlicher präsentiert Projekt- und Studienleiter Prof. Johannes Huber diese Ergebnisse in einem Webinar am 27. November 2019 von 18:00–19:15 Uhr auf www.uro-tube.de mit dem Titel „Entscheidungshilfe Prostatakrebs und weitere praxisrelevante Themen aus der Versorgungsforschung“.


Prof. Huber freut sich über den bisherigen Verlauf der Studie, wünscht sich aber noch mehr aktive Studienzentren: „Wenn wir die Rekrutierung noch weiter steigern können, erscheint das ambitionierte Ziel von 1200 Patienten in den verbleibenden acht Monaten Rekrutierungszeit erreichbar. Hierzu brauchen wir aber noch einige weitere motivierte Urologinnen und Urologen in Praxis oder Klinik. Der Mehraufwand wird dem Studienarzt mit 120 Euro pro Patient erstattet. Bis Ende des Jahres können wir noch neue Studienzentren eröffnen.“


An der Studienteilnahme interessierte Urologinnen und Urologen können sich beim Studienbüro melden (Elke.Hempel(at)smgf.de; Telefon: +49 30 284 450 00). Für fachliche Rückfragen steht auch Studienleiter Prof. Johannes Huber zur Verfügung (Johannes.Huber(at)uniklinikum-dresden.de). Die aktuellen Studienzentren sowie weitere Informationen finden sich auf der Studienhomepage www.uniklinikum-dresden.de/event-pca.

Quelle: DGU

 

Das Prostatakarzinom ist bei Männern die häufigste Krebserkrankung. Wenn der Tumor metastasiert, ist das Prostatakarzinom bisher nicht heilbar. Im November startet im Deutschen Krebskonsortium (DKTK) eine klinische Phase-I-Studie, die einen bispezifischen Antikörper testet, mit dem Ziel, diese Erkrankung effektiv zu behandeln und langfristig eine deutliche Verbesserung für die Patienten zu erreichen. Der bispezifische Antikörper wurde in Tübingen entwickelt. Die Studie wird durch finanzielle Unterstützung des Helmholtz-Validierungsfonds und durch das DKTK(1) ermöglicht.

Bispezifische Antikörper sind Eiweißmoleküle mit zwei verschiedenen Bindungsstellen. Im Falle des bispezifischen PSMAxCD3 Antikörpers CC-1 richtet sich eine Bindungsstelle gegen das Prostata-spezifische Membranantigen (PSMA), das auf der Oberfläche bösartiger Zellen des Prostatakrebses präsentiert wird. Mit dem anderen Arm heften sie sich an ein Protein, das für die Aktivierung von Abwehrzellen zuständig ist, den sogenannten T-Zellen. Durch Bindung des Antikörpers an beide Bindungsstellen kommt es zu einer Aktivierung der Immunabwehr. Darüber hinaus weist CC-1 die Besonderheit auf, auch an die Blutgefäße des Tumors zu binden und vermittelt dadurch eine zweifache Antitumorwirkung.

Eine ernsthafte Nebenwirkung bislang verfügbarer bispezifischer Antikörper ist eine überschießende Aktivierung des Immunsystems: Diese verursacht das so genannte Zytokin-Freisetzungs-Syndrom (CRS). Bei einem CRS können verschiedenste Beschwerden auftreten, hierzu gehören insbesondere Fieber und Kreislaufstörungen. Tritt ein CRS auf, erfolgt üblicherweise eine Behandlung mit Tocilizumab, einem Antikörper, der die überschießende Reaktion des Immunsystems abschwächt.

„Wir haben CC-1 in vielerlei Hinsicht optimiert, um eine unerwünschte Immunaktivierung möglichst zu vermeiden. Zudem werden wir in unserer Studie Tocilizumab erstmals bereits vorbeugend geben, um zu verhindern, dass ein CRS überhaupt auftritt. Durch diese Maßnahmen werden die Nebenwirkungen für die Patienten verringert, sodass wirklich effiziente Dosen verabreicht werden können“, sagt Prof. Gundram Jung, dessen wissenschaftlicher Schwerpunkt seit mehr als 30 Jahren die Entwicklung optimierter bispezifischer Antikörper ist.

Möglich wird dies durch die enge Zusammenarbeit der im Department Innere Medizin des Universitätsklinikums Tübingen angesiedelten „Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie“ des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) mit der Abteilung Immunologie der Universität Tübingen.

Die innovative Phase-I-Studie, die erstmals den bispezifischen Antikörper CC-1 im Menschen untersucht, wird durch Mittel des Helmholtz Validierungsfonds sowie des DKTK ermöglicht. Als erstes Zentrum wird Tübingen den Antikörper verabreichen, im Verlauf werden zahlreiche weitere DKTK Standorte an der Studie teilnehmen. „Wir freuen uns, diesen Patienten in schwieriger Therapiesituation eine neue Behandlungsoption anbieten und einen so innovativen Immuntherapieansatz in die Klinik bringen zu können. Nun wollen wir prüfen, ob es uns gelingt, das Immunsystem des Patienten gegen die Tumorzellen des Prostatakarzinoms so gezielt zu aktivieren, dass die Erkrankung effektiv behandelt werden kann“, so Prof. Helmut Salih, Leiter der klinischen Prüfung, „wir freuen uns aber auch, dass mit dieser Studie das Feld der Medikamentenentwicklung ein wenig für öffentliche Institutionen zurückerobert wird.“

Quelle: DKTK

06. November 2019

Thomas Steiner ist neuer Ärztlicher Direktor am Helios Klinikum Erfurt

Kategorie: News Autor: Anja Zimmermann
Der Urologe Prof. Thomas Steiner ist seit 1. November 2019 neuer Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Erfurt. Er folgt auf Prof. Dirk Eßer, der das Klinikum und das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt. Steiner ist seit 2010 Chefarzt im Helios Klinikum…
30. Oktober 2019

mCRPC: Ergebnisse der CARD-Studie zeigen Überlebensvorteil durch Cabazitaxel

Kategorie: News Autor: Anja Zimmermann
Das New England Journal of Medicine veröffentlicht Daten mit Nachweis eines Überlebensvorteils durch Cabazitaxel im Vergleich zu einem zweiten auf den Androgenrezeptor gerichteten Wirkstoff beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC).…