Welche Entwicklungen bezüglich künstlicher Intelligenz und Big Data auch im Bereich Medizin schon stattgefunden haben bzw. was möglicherweise noch zu erwarten ist, erläuterte Till Rasmus Schneider, Göttingen. So lag die Menge der Daten, die 2018 von allen Menschen weltweit produziert wurden, bei 33 Zetabyte. Zur Veranschaulichung: Mit den DVDs, die diese Datenmenge speichern, könnte die Strecke von der Erde bis zum Mond viermal hin und zurück gefüllt werden. Umso wichtiger sei es zu überlegen, welche Daten wie verarbeitet und genutzt werden sollten – vor allem in der Medizin, so Schneider.

Dass es diesbezüglich bereits zahlreiche mehr oder weniger sinnvolle Versuche gibt, machte Schneider anhand einiger Beispiele deutlich – angefangen von „schlauen“ Uhren, die nicht nur den Puls messen, sondern sogar eine EKG-Messung durchführen könnten, über Smart-Home-Systeme, die beim Husten eines Bewohners umgehend entsprechende Medikamente bestellten, bis hin zu Apps fürs Mobiltelefon, die Bewegungen, Sprache, die Dynamik von Tastenanschlägen und sogar Gesichtsausdrücke analysieren und anhand dieser Daten eine potenzielle Parkinsondiagnose stellen könnten.

Darüber hinaus sind Schneider zufolge unter Big Data aber insbesondere Projekte zu verstehen, im Rahmen derer bestenfalls Millionen von Patientendaten für nationale Datenbanken gesammelt würden, um sie dann wiederum zur Diagnose- sowie zur optimalen Therapiefindung verwenden zu können. Solche Projekte liefen bereits weltweit, auch in Deutschland. Ein weiteres Beispiel zum möglichen Wert großer Datenmengen sei auch der Supercomputer K.I. Watson. Dieser könne bis zu 20 Millionen Studien aus aller Welt innerhalb von zehn Minuten auswerten und den Arzt so bei der Diagnosefindung unterstützen.

Ob und in welchem Ausmaß solche Szenarien in naher Zukunft zum medizinischen Standard gehörten bzw. wohin die Entwicklung noch gehe, bliebe zwar fraglich, jedoch sei dies – so das Fazit des Vortrags – keine Gefahr, sondern ein Auftrag an die Medizin, sich damit auseinanderzusetzen und die Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen.

 Quelle: F12 – Künstliche Intelligenz in der Medizin / Big Data – wie die Medizin sich verändern wird, DGU-Kongress, 19. September 2019

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