Männer, deren Kinder mit Hilfe der assistierten Reproduktion gezeugt wurden, hatten in einer bevölkerungsbasierten Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 366: l5214) im Alter ein erhöhtes Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken.

Schätzungsweise einer von 10 Männern ist infertil und 8 % erkranken im Verlauf ihres Lebens an einem Prostatakarzinom. Da beide Störungen die Zeugungsorgane betreffen, ist bereits in früheren Untersuchungen nach einem Zusammenhang gesucht worden, allerdings mit unklarem Ergebnis. Ein Team um Yvonne Lundberg Giwercman von der Universität Lund hat jetzt die Daten verschiedener schwedischer Personen- und Patientenregister abgeglichen, was aufgrund der einheitlichen Identifikationsnummer der Einwohner in Schweden leicht möglich ist.

Die Studie umfasst etwa 1,18 Millionen Kinder, die in den Jahren 1994 bis 2004 geboren wurden. Darunter waren 20.618 (1,7 %) Kinder, die nach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) und 14.882 Kinder (1,3 %), die nach einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) zur Welt kamen. Die Forscher konnten nicht klären, ob die Behandlungen wegen einer Infertilität des Mannes oder der Frau durchgeführt wurden. Die ICSI wird allerdings erfahrungsgemäß häufiger bei einer männlichen Infertilität vorgenommen.

Der Vergleich mit 1.145.990 (97 %) Kindern, die auf natürliche Weise gezeugt wurden, ergab, dass die Väter von mit IVF und ISCI gezeugten Kindern ein erhöhtes Risiko auf ein Prostata­karzinom hatten. Lundberg Giwercman ermittelt für die Väter von ICSI-Kindern eine adjustierte Hazard Ratio von 1,64, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,25 bis 2,15 signifikant war. Bei den Vätern von IVF-Kindern betrug die adjustierte Hazard Ratio 1,33 (1,06 bis 1,66). Das höhere Risiko nach ICSI liefert einen gewissen Hinweis auf eine Kausalität, die die Untersuchung allerdings nicht zweifelsfrei klären kann.

Das Risiko auf ein Prostatakarzinom in einem jüngeren Alter (vor dem 55. Lebensjahr) war ebenfalls erhöht mit einer adjustierten Hazard Ratio von 1,86 (1,25 bis 2,77) für ICSI-Väter und von 1,51 (1,09 bis 2,08) für IVF-Väter. Eine frühe Erkrankung ist beim Prostatakarzinom ein Hinweis auf genetische Ursachen. Dies lässt vermuten, dass Infertilität und Prostatakarzinom eventuell dieselben Ursachen haben könnten. Konkrete Hinweise auf die verantwortlichen Gene gibt es nicht. Es liegt nahe, sie auf dem Y-Chromosom zu vermuten.

Zu den Einschränkungen gehört, dass die Studie nur Männer umfasst, bei denen IVF oder ICSI erfolgreich waren. Wenn die Ergebnisse kausal sind, könnten Männer, bei denen die Behandlung keine Früchte getragen hatte, ein noch höheres Risiko haben. Das Durch­schnittsalter der Männer lag mit 45 Jahren deutlich unter dem durchschnittlichen Erkrankungsalter für das Prostatakarzinom. Die Ergebnisse können deshalb nicht repräsentativ für alle Erkrankungsformen sein.

Als mögliche Konsequenz könnte ungewollt kinderlosen Männern häufiger und früher zum PSA-Screening geraten werden. Die Häufigkeit des Prostatakarzinoms war (bis zum Alter von 45 Jahren) mit 0,42 % bei den ICSI-Vätern und mit 0,37 bei den IVF-Vätern jedoch relativ gering, so dass Väter mit Problemen beim Kinderwunsch sich zunächst keine allzu großen Sorgen machen müssen.

Quelle: dpa

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