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FRANZ-GÜNTER RUNKEL
Runkels UroSkop
04.12.2019
 
 
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Liebe Urologinnen und Urologen,
das Unberechenbare der deutschen Gesundheitspolitik zeigt sich am traurigen Schicksal der Belegärzte. Der Musterknabe der intersektoralen Versorgung bezieht nichts als Prügel, von der Politik ebenso wie von den Krankenkassen.

Am Wochenende gingen in Lüneburg die 23. Salzhäuser Gespräche der urologischen Belegärzte zu Ende. Insgesamt ist kaum Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Der Anteil belegärztlicher Behandlungen im Krankenhaus hat sich seit 2017 fast halbiert (>>> zum Beitrag). Die Fallpauschalen bei belegärztlichen Leistungen fallen um 20% geringer aus als die für identische Leistungen der Hauptabteilungen. Dr. Andreas W. Schneider, Vorsitzenden des Bundesverbands der Belegärzte, formulierte auf dem Gesundheitskongress des Westens im Frühjahr in Köln folgende ebenso klare wie hoffnungslose Prognose:
Ohne Zäsur wird es bald keine Belegärzte mehr geben.“
 
Kaum besser sieht es im Krankenhaus aus. Wie ein Haufen aufgeregter Hühner eilten die Spitzenfunktionäre der deutschen Krankenhäuser bei der Eröffnung des 42. Krankenhaustags umher. Von 2017 bis heute schlossen bundesweit gut 500 Krankenhäuser für immer ihre Türen. Aktuell sind gerade noch 1.400 Kliniken am Netz. Kein Geld, kein Personal, kein Plan – so könnte man die Lage einer krisengeschüttelten Branche des Gesundheitswesens zusammenfassen (>>> zum Beitrag).

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Die Relevanz des progressionsfreien Überlebens 2 (PFS2) ist gestiegen, so der Experte Prof. Dr. Axel S. Merseburger, Direktor der Klinik für Urologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Mehr im Video-Interview.

Fachinformation
Pflichttext

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft scheint den politischen Wandel der Zeit zu verschlafen, denn die stationäre Lobbyorganisation ist derzeit selbst reif für die Intensivstation. Warum bekam man nicht mit, dass das MDK-Reformgesetz in letzter Minute so umgedreht wurde, dass die Rechnungsprüfungen des MDK in Zukunft eher mehr als weniger werden? Eine Blamage der Extraklasse!
Die Systemsanierer der Kliniken blasen derweil zur Attacke, belegen ihre Klinikpläne mit harten Zahlen (Bundesrechnungshof, Bertelsmann Stiftung, Prof. Reinhard Busse etc.) und stutzen das Netz in ihren Plänen auf bundesweit 400 bis 600 Häuser zurecht – qualitätsorientiert versteht sich. „Patienten werden auch in kleinen Krankenhäusern gut behandelt“, verblüffte DKG-Präsident Dr. Gerald Gaß das Publikum. Wo aber sind die DKG-Zahlen, die diese These durch harte Fakten stützen? Fehlanzeige!
Bild Dr. Gerald Gaß
DKG-Präsident Dr. Gerald Gaß vermochte nicht die Skepsis von Stefanie Stoff-Ahnis aus dem Vorstand des GKV-Spitzenverbands zu brechen: Das Krankenhaus-Sterben wird weitergehen. (Bild: fgr)
An die Stelle eines überzeugenden Konzepts trat in Düsseldorf eine lauwarme Protest-Resolution der DKG sowie die Forderung nach einem Krankenhausgipfel, um den Strukturwandel homöopathisch abzufedern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wollte sich das offenbar gar nicht erst anhören, denn er suchte und fand anderswo Termine, die ihm wichtiger schienen. CDU-Ersatzmann Karl-Josef Laumann reagierte auf die Gipfel-Idee der DKG gelangweilt bis desinteressiert:
Ich hab’ keine Zeit mehr zum Schwafeln.“
 
Karl-Josef Laumann
An Taten statt Worten zeigte sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in Düsseldorf interessiert. (Bild: fgr)
Wenn die These stimmt, dass der ökonomische Druck der DRGs zur Leistungsausweitung im Krankenhaus führt, dann nennt eine aktuelle Schätzung des Robert Koch-Instituts die tödlichen Folgen. Die in der neuen Studie geschätzte Zahl der nosokomialen Infektionen in Deutschland liegt bei 400.000 bis 600.000 pro Jahr. Die Zahl der Todesfälle kann durch die weiterentwickelte Methodik verlässlicher erfasst werden und liegt jetzt bei 10.000 bis 20.000.

Aus Public-Health-Sicht ergibt sich ein kritisches Bild. Bezogen auf die Bevölkerung liegt Deutschland bei der Zahl der Infektionen und Todesfälle sowie der Krankheitslast (DALY) über dem europäischen Schnitt. So erkranken hierzulande jährlich 500 bis 650 Patienten pro 100.000 Einwohner an einer nosokomialen Infektion, im EU-Durchschnitt sind es 450 bis 500 Erkrankte. Eine wesentliche Ursache für die höhere Krankheitslast in Deutschland ist die größere Zahl an stationär behandelten Patienten und Krankenhausbetten. Deutschland hat in Europa die höchste Anzahl an Krankenhausbetten und die zweithöchste Anzahl an Krankenhauspatienten pro 1.000 Einwohner und Jahr.
Eine Reduktion vermeidbarer Krankenhausaufenthalte sind daher  zusammen mit einer effektiven Infektionskontrolle und -prävention wichtige Schritte, um die Krankheitslast zu verringern.“
 
Das unterstreicht der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler. Die Wissenschaftler haben für die neue Studie fünf Infektionen betrachtet, die fast 80% der im Krankenhaus erworbenen Infektionen ausmachen: Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen, Clostridium-difficile-Infektionen und Blutstrominfektionen.

Verfahren der fokalen Therapie gehören zu den Hoffnungsträgern in der Behandlung des lokal begrenzten Prostatakarzinoms. Die Radikale Prostatektomie ist wirksam, aber auch oft folgenreich für Kontinenz und Potenz. Hier bietet die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) eine neue Therapiemethode an (>>> zum Beitrag). Mithilfe von Hitze, erzeugt durch Ultraschall, wird dabei ganz gezielt nur der Tumor zerstört, das umliegende Gewebe wird geschont, und die Prostata kann erhalten werden. Das Verfahren heißt TULSA-Pro (transurethale Ultraschall-Ablation der Prostata) und wird in Norddeutschland bisher nur von der Klinik für Urologie und Urologische Onkologie der MHH unter der Leitung von Prof. Markus Kuczyk angeboten.
Frank Wacker, Inga Peters, MHH
Prof. Dr. Frank Wacker (v.l.), PD Dr. Inga Peters, Oberärztin der Urologischen Universitätsklinik der MHH, Dr. Bennet Hensen und Ansgar Tiemeyer führen das neue Verfahren TURSA-Pro bei Prostatakarzinom-Patienten durch. (Bild: MHH/Kaiser)
Hilfe für Prostatakarzinompatienten bietet das Prostatakarzinom-Netzwerk progether, an dem unter anderem die Urologische Facharztpraxis Berlin-Spandau und die Berliner Charité beteiligt sind (>>> zum Beitrag). Die progether-Plattform erlaubt eine neue Form der uroonkologischen Interaktion zwischen Urologen und Patienten. Daraus entstehen ein onkologisches Daten-Ökosystem und eine Algorithmen-getriebene Netzwerkmedizin auf der Basis künstlicher Intelligenz. So kann digitale Medizin Sinn machen.

Der digitale Hype wird nicht den wichtigsten Grundstein der urologischen Praxis außer Kraft setzen: das Gespräch zwischen Arzt und Patient. Wie der Urologe die Vorstellungen, Befürchtungen und Erwartungen der Patienten in die Betrachtung der Symptome und Befunde einbezieht, erklärt der Düsseldorfer Sprachwissenschaftler Dr. Sascha Bechmann in seinem Beitrag zum ICE-Modell in der Kommunikation (>>> zum Beitrag). Im Idealfall ergibt sich daraus eine patientenorientierte Gesprächsführung. Was will man mehr!
Mit den besten Wünschen für eine stimmungsvolle Adventszeit grüßt Sie herzlich
Ihr
Franz-Günter Runkel
Chefreporter

Frage des Monats ___________________________________________________________________________________
 
Fortbildungen _______________________________________________________________________________________
 
6.–7.12.2019 | Nauen OT Groß Behnitz
AKO/AUO Intensivkurs Uro-Onkologie Teil 3

6.–7.12.2019 | Beelitz-Heilstätten
Urodynamische Untersuchungen in Theorie und Praxis – Grundkurs
Vorschau ________________________________________________________________________________________

Das erwartet Sie in der nächsten Printausgabe

UroForum-Ausgabe 12/2019
  • Krankenhaustag: Die Zukunft der Kliniken – kein Geld, kein Personal, kein Plan
  • Zur Krise urologischer Regionalkongresse: ohne Frischzellenkur droht der schnelle Tod
  • CME-Beitrag: Limitationen minimalinvasiver Therapien des BPS
  • Weitere wissenschaftliche Beiträge zu den Schwerpunktthemen Harninkontinenz und Harnblasen-/Urothelkarzinom
Erscheinungstermin: 11. Dezember 2019
 

Impressum – publimed Medizin und Medien GmbH

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03. Jul 2019 184

Testbeitrag ohne Teaserbild

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