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FRANZ-GÜNTER RUNKEL
Runkels UroSkop
18.12.2019
 
 
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Liebe Urologinnen und Urologen,
den großen Wurf haben KBV und GKV-Spitzenverband bei der Reform des EBM zum 1. April 2020 verpasst. Die durch permanente Gängelung arg geschwächten Arme der Selbstverwaltung brachten es nur zu einem Würfchen in den nächsten Graben. Und da liegen sie nun: die Hoffnungen und Forderungen der Urologen. Immerhin gibt’s ein paar Euro mehr für sprechende Medizin, wovon die Urologie als grundversorgende Facharztgruppe profitieren könnte. Ansonsten bleibt Ausgabenneutralität eisernes Gesetz. Und die Einführung des Arztgruppenfalls in den EBM könnte zu Verlusten in MVZs sorgen, wenn es um Neupatienten im Sinne des Terminservice- und Versorgungsgesetzes geht. Unter dem Strich: viel kalter Kaffee aus dem Bewertungsausschuss.
In der Zystoskopie-Vergütung hat der BvDU einen ersten Erfolg im Bewertungsausschuss erzielt. Nach der Kampagne (>>> zum Beitrag) wird die EBM-Punktzahl für die flexible Zystoskopie nun erhöht. Bei Männern (GOP 26310 Urethrozystoskopie) erhöht sich die Punktzahl zum 1. April 2020 um 306 Punkte von derzeit 444 auf 750 Punkte. Bei den weiblichen Patienten (GOP 26311 Urethrozystoskopie) steigt der Punktwert um 12 Punkte von 272 auf 284 Punkte. Hingegen konnte sich der BvDU in der Frage der Vergütung der Betriebskosten für den Mehraufwand in der Hygiene und Medizinprodukteaufbereitung nicht durchsetzen. Das Institut des Bewertungsausschusses (InBA) wird im Auftrag der KBV im ersten Halbjahr 2020 eine Umfrage zu den Hygienekosten organisieren. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Krankenkassen davon beeindrucken lassen werden.
77,8 % der Teilnehmer an der Frage des Monats auf uroforum.de haben sich gegen die Unabhängigkeit des BvDU von der DGU ausgesprochen, die BvDU-Präsident Dr. Axel Schroeder exklusiv in UroForum angekündigt hatte (>>> zum Beitrag). DGU-Generalsekretär Prof. Maurice Stephan Michel hat gemeinsam mit dem DGU-Vorstand in UroForum einen Appell zur Einheit der Verbände (>>> zum Beitrag) formuliert:
Die überwältigende Mehrheit der Urologen und der Vorstand der DGU würden sich freuen, wenn der BvDU die Bedeutung der gemeinsamen Sichtbarkeit und der gemeinsamen Arbeitsfelder wieder stärker betont.“
 
Prof. Maurice Stephan Michel
Wirbt für die enge Kooperation der urologischen Fachverbände: DGU-Generalsekretär Prof. Maurice Stephan Michel. (Bild: DGU)
Vereint im Leiden an der Spahn’schen Krankenhauspolitik klagten die Kliniken auf dem 42. Krankenhaustag (>>> zum Beitrag) über 300 Euro Strafgebühr pro MDK-Beanstandung. Nachdem die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die Modifizierung im MDK-Reformgesetz verpennt hat, eilen nun die Bundesländer zur Hilfe:
Mit der Ablehnung der pauschalierten Strafzahlung verdeutlichen die Länder, dass eine solche Strafmaßnahme gegen die Krankenhäuser unangemessen ist und, wie der Bundesrat formuliert, weit über das Ziel hinausgeht.“
 
Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG, begrüßt damit die Weisheit des Bundesrats. Da fallen zentnerschwere Steine vom Herzen des von der Politik düpierten DKG-Funktionärs.

Ganz andere Lasten quälen die Freie Ärzteschaft: Das Tempo der Digitalisierung des Gesundheitssystem nervt hörbar. FÄ-Vize Dr. Silke Lüder sprach auf der Mitgliederversammlung der FÄ in Düsseldorf von „systematischer Verantwortungslosigkeit“. Digitalisierung wird dabei pauschal als Ende des Arztgeheimnisses diffamiert. Ein Blick in den Alltag der Praxen und Krankenhäuser zeigt, dass die Kommunikation von Patientendaten per Zuruf, auf Notizblättern und per Fax erfolgt. Was aber haben Fax-Geräte, neuester Kommunikations-Schrei der späten 80er-Jahre, bitte mit dem Schutz sensibler Patientendaten zu tun? Die Wahrheit ist viel banaler: Bei aller berechtigten Sorge um den Datenschutz haben die Fax-Jünger schlicht Angst vor Wettbewerb, Vergleichbarkeit und Transparenz, intersektoral zumal.

Statt radikaler Prostatektomie steht aktives Monitoring beim lokal begrenzten Prostatakarzinom hoch im Kurs. In European Urology sind jetzt aktuelle Daten von Neal et al. publiziert, die eine andere Sprache sprechen. Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom zeigten bei Aktiver Überwachung (AS) mehr krebsspezifische Mortalität über zehn Jahre als solche Patienten, die eine radikale Behandlung erhielten. Die Evaluierung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses der PCa-Therapien bleibt auf der Agenda – vielleicht etwas professioneller als in der Prefere-Studie?

Für das metastasierte Nierenzellkarzinom ergibt sich eine zusätzliche Option in der Spätphase der Behandlung. Es geht um Tivozanib. Wie Sunitinib, Sorafenib oder Pazopanib ein oraler Tyrosinkinase-Hemmer (TKI), richtet sich Tivozanib selektiv gegen die vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor-Rezeptoren 1 bis 3 (VEGFR-1 bis -3) sowie die Kinase c-KIT. Rini und Kollegen konnten jetzt in Lancet Oncology zeigen, dass Tivozanib als Dritt- oder Viertlinientherapie das progressionsfreie Überleben (PFS) bei Patienten mit einem refraktären metastasierenden Nierenzellkarzinom (RCC) im Vergleich zu Sorafenib verlängerte. Der PFS-Nutzen ergab sich auch bei Patienten, die zuvor mit Checkpoint-Inhibitoren behandelt worden waren. Zudem sprechen geringe Toxizitäten für Tivozanib.
Tyrosinkinase-Inhibitor Tivozanib
Der Tyrosinkinase-Inhibitor Tivozanib wirkt selektiv gegen die VEGFR-1 bis -3 sowie die Kinase c-KIT. (Bild: Aveo Oncology)
Prostatakarzinom und Nierenzellkarzinom werden auch auf der Agenda des Uro-Onkologischen Jahresauftakts am 10. und 11. Januar in der Messe Magdeburg stehen. Inwieweit das Magdeburger Kongresskonzept ein Anreiz für andere Kongressveranstalter sein kann, beschreibt Markus Liebold, Geschäftsführer von Think Wired (>>> zum Beitrag):
Die Fachgesellschaften müssen ihren Kongress als Produkt begreifen.“
 
Markus Liebold
Eine unternehmerische Frischzellenkur empfiehlt Markus Liebold, Geschäftsführer von Think Wired, den urologischen Regionalkongressen. (Bild: privat)
Frische Ideen kommen aus Großbritannien. Nein, es gibt keinen Brexit in der Urologie. Aber Gesundheitsforschung muss sich von der Finanzierung durch die Industrie unabhängig machen, fordern jedenfalls Experten im British Medical Journal. Es sei höchste Zeit, die finanzielle Verstrickung der Medizin mit der Industrie zu beenden. Die Experten präsentieren Vorschläge für eine finanzielle Unabhängigkeit von der Industrie über die gesamte Gesundheitsversorgung hinweg. Das Ziel sei es, eine vertrauenswürdigere Beweisgrundlage als Entscheidungshilfe für die Gesundheitsversorgung aufzubauen.

Nur noch unabhängige, steuerfinanzierte Prüfungen sollen demnach die Autorität besitzen, neue Behandlungsmethoden, Medikamente, Technologien sowie wissenschaftliche Leitlinien und berufliche Akkreditierungen begründen zu dürfen. Klinische Leitlinien sollen nur dann als autorisiert gelten können, wenn sie von Gruppen erstellt werden, die in keiner finanziellen Beziehung zur Industrie stehen. Das wird schwierig!

Zum Schluss ein Tipp für die Praxis: Einen Datenschutzbeauftragten laut DSGVO müssen urologische Praxen ab sofort erst ab 20 Mitarbeitern benennen, die personenbezogene Daten verarbeiten. Nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger ist das zweite Datenschutz-Anpassungs- und Umsetzungsgesetz in Kraft getreten.
Jetzt seien Sie aber mal still!“,
 
appellierte Alt-Bundeskanzler Konrad Adenauer einst in Richtung seiner politischen Gegner. Wird gemacht, kann ich da nur kleinlaut antworten und auf die Weihnachtspause des UroSkops hinweisen. Ab dem 15. Januar 2020 sind wir wieder wöchentlich online für Sie da.

Bis dahin wünscht Ihnen das gesamte Team von UroForum ein gesegnetes Weihnachtsfest, ein paar ruhige und erholsame Tage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Ihr
Franz-Günter Runkel
Chefreporter


Frage des Monats ___________________________________________________________________________________
 
Fortbildungen _______________________________________________________________________________________
 
08.01.2020 | online
UROLOGIE onLINE: Andrologie
Vorschau ________________________________________________________________________________________

Das erwartet Sie in der nächsten Printausgabe

UroForum-Ausgabe 1/2020
  • Beruf & Politik: Zystoskopie-Kosten im Bewertungsausschuss
  • Mesh Ban – der Krieg um Netze und Bänder
  • CME-Beitrag: Schwellkörperprothesen – Welcher Patient bekommt welche Prothese?
  • Weitere wissenschaftliche Beiträge zu den Schwerpunktthemen Kinderurologie und Nierenzellkarzinom
Erscheinungstermin: 29. Januar 2020
 

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03. Jul 2019 224

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