Dass die Arztpraxen in der Corona-Pandemie nicht erst durch das Impfen zum Gamechanger geworden sind, hat der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Stephan Hofmeister, verdeutlicht: „Vielmehr haben sie von Anfang an und im wahrsten Sinne des Wortes an vorderster Stelle dazu beigetragen, dass Deutschland der Pandemie bislang vergleichsweise gut die Stirn bieten konnte“, sagte er am Montag bei der digitalen KBV-Vertreterversammlung.

Abb. 1: KBV-Vize Dr. Stefan Hofmeister berichtete über 65.000 Artpraxen im Covid-19-Impfeinsatz. (Foto: KBV)

Als Beleg führte Hofmeister verschiedene Kennzahlen an: So seien bis heute 93 % der Covid-19-Infizierten ambulant behandelt worden und hätten nicht ins Krankenhaus gemusst. Auch etwa 90 % aller PCR-Tests seien in vertragsärztlichen Praxen durchgeführt worden. Von Februar bis Ende Dezember 2020 habe es insgesamt knapp 20 Millionen ambulante Behandlungen im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion gegeben. „Und nun folgen die Impfungen gegen Covid-19, bislang schon fünf Millionen allein in den Praxen.“

Mit Blick auf erste Ergebnisse der diesjährigen KBV-Versichertenbefragung speziell zur Corona-Thematik, verwies Hofmeister auf das Vertrauen der Patientinnen und Patienten in die Haus- und Fachärztinnen und -ärzte in der Pandemie. Drei Viertel der befragten Bürgerinnen und Bürger hätten sich dafür ausgesprochen, dass die Niedergelassenen früher in das Impfgeschehen hätten einbezogen werden sollen. „Ganz offensichtlich wissen die Menschen hierzulande, was sie an ihren Ärztinnen und Ärzten haben“, konstatierte Hofmeister. Nur die Politik, oder zumindest bestimmte Teile, zeigten sich hiervon unbeeindruckt.

Aktuell beteiligten sich rund 65.000 Praxen in ganz Deutschland an der Immunisierung der Bevölkerung gegen SARS-CoV-2. Hofmeister forderte die Einhaltung von Lieferzusagen der Impfstoffe an die Praxen, damit diese Planbarkeit für ihr Terminmanagement hätten: „Wenn die Zahl der verfügbaren Impfdosen allerdings nicht reicht, um die anstehenden Zweitimpfungen und weitere Erstimpfungen in den Praxen zugleich anzubieten, wonach es aktuell zumindest für einige Zeit aussieht, dann bringt das die Impfkampagne ins Stocken.“

Hofmeister warnte zudem vor der politisch geforderten Ausdehnung der Zweitimpfungsintervalle auf den letztmöglichen Termin: „Auch hier wird medizinisch und organisatorisch Sinnhaftes durch politisch Vordergründiges übersteuert.“ Die zugrundeliegende Ursache für diese Regelung sei am Anfang der Impfkampagne zu suchen, als nicht sichergestellt worden sei, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe. „Die Impfkampagne darf keine Achterbahnfahrt zu Lasten von Patienten und Praxen sein!“, appellierte Hofmeister. Hier bedürfe es Verlässlichkeit und der vollen Unterstützung der Praxen seitens der Politik, damit Deutschland beim Impfen nicht aus der Kurve fliege.

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), www.kbv.de

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