Keine Beschlüsse gab es im Erweiterten Bewertungsausschuss (EBA) zu den Hygienekosten.

„Es hat sich leider in aller Deutlichkeit gezeigt, dass die Krankenkassen vollkommen unbeweglich sind und an einer angemessenen Erstattung der Aufwände in den Praxen kein Interesse haben. Doch abspeisen lassen wir uns nicht. Das haben wir heute deutlich gemacht“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), unmittelbar nach der Sitzung.

Zu sehen sind zwei Schutzmasken in einem kleinen Einkaufswagen.  In der Corona-Pandemie steigen die Hygienekosten.
Abb.: In der Corona-Pandemie steigen die Hygienekosten. (Foto: Adobe/Stock)

„Der Zorn der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen wäre sonst groß gewesen. Und das zu Recht!“,

kommentierte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV in einer ersten Reaktion.

KBV hält Angebot der Krankenkassen für zu gering

Das Verhandlungsangebot hätte ein Finanzvolumen von 90 Millionen Euro für Hygieneanforderungen vorgesehen, verknüpft mit genau 0 Euro für die Folgen der Digitalisierung in den Arztpraxen. Dagegen wehrte sich die KBV. „Das eine ist die an sich lächerlich geringe Summe – von Ausgleich will ich hier erst gar nicht sprechen – für die hohen Hygieneaufwendungen der Ärzte. Das allein ist schon äußerst ärgerlich. Der Gipfel aber ist die Unverfrorenheit, dies mit der nonchalanten Aussage zu verknüpfen, Mehrbelastungen der Digitalisierung seien durch wie auch immer geartete Einsparungen auszugleichen“, sagte KBV-Chef Gassen. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, kritisierte Hofmeister. „Zudem zeugt die Einstellung der Kassenseite, man könne Mehrbelastungen bei der Digitalisierung und dem Datenschutz durch angebliche Einsparungen ausgleichen, von vollkommener Unkenntnis der Situation in den Praxen“, fügte er hinzu.

Die Hygienekosten sind laut einer Umfrage des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung von 2018 ein hoher Kostenblock und betragen durchschnittlich 24.287 Euro. „Umgerechnet 900 Euro würde es nun im Schnitt für die 100.000 Praxen in Deutschland geben. Das ist die vermeintliche Wertschätzung der Krankenkassen dafür, dass die Hausärzte und Fachärzte akribisch gerade in Zeiten einer Pandemie die hohen Hygienestandards erfüllen, zum Schutze ihrer Patienten genauso wie für die Praxisteams und sich selbst“, so Gassen abschließend. Beide Vorstände forderten den EBA auf, „endlich eine sachgerechte Lösung für das wichtige Thema Hygienekosten zu finden und der Hängepartie ein Ende zu bereiten.“

BvDU fordert mehr Geld für Hygieneleistungen

Die Covid-19-Impfungen nutzt der Berufsverband für die Forderung nach mehr Geld für Hygiene-Leistungen in der urologischen Praxis. „In Corona-Zeiten sollte sowohl Politik als auch Krankenkassen klar sein, dass die Hygiene vorrangig behandelt werden muss – gerade im Hinblick darauf, dass Arztpraxen bald massenweise gegen Covid-19 impfen“, erklärt Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e. V. in Berlin. „Es ist absolut unverständlich, warum die Hinhaltetaktik der Krankenkassen in der Hygiene-Thematik von der Politik und den Standesvertretern toleriert wird.“ Schroeder kritisiert die bislang unangemessene Vergütung der Hygienekosten in urologischen Praxen. Ein allgemeiner Hygienezuschlag war bereits bei den Verhandlungen zur Reform des EBM (Einheitlichen Bewertungsmaßstabs) 2019 zugesagt und sollte im April 2020 eingeführt werden. Am 17. März 2021 will sich der Erweiterte Bewertungsausschuss (E-BA) erneut zum Thema beraten.

Zu sehen ist Dr. Axel Schröder der Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e. V.

Der BvDU fordert mehr Geld für Hygienekosten.
Abb.: Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e. V., kritisiert die gescheiterte Hygieneeinigung im Bewertungsausschuss. (Foto: BvDU)

Hygienekosten sind massiv gestiegen

Schon seit 2012 verursachen striktere Richtlinien für die Hygiene bei der Medizinproduktaufbereitung enorme Kosten.

„Unter Corona sind die Ausgaben für jegliche hygienische Artikel noch einmal massiv gestiegen – beispielsweise haben sterile Handschuhe Preissteigerungen von bis zu 200 Prozent“,

unterstreicht auch BvDU-Hygieneexperte Dr. Peter Kollenbach. „Zudem wird der erhebliche Mehraufwand für Hygiene-Fortbildungen von Ärzten und medizinischem Fachpersonal, Praxisbegehungen oder Validierungen aktuell weder im EBM abgebildet noch pauschal extra honoriert“, erläutert der Leiter des Sachausschusses Qualitätsmanagement und Hauptausschuss-Sprecher. Urologen fordern eine aufwandsgerechte Abbildung der Hygienekosten.

„Hygiene duldet keine Kompromisse, somit auch deren Gegenfinanzierung nicht“,

betont auch BvDU-Präsident Schroeder. „Wir Urologen stehen für eine hochwertige und hygienisch einwandfreie Patientenversorgung. Es darf nicht sein, dass dieses hohe Gut durch die fehlende Vergütung durch die Krankenkassen gefährdet wird.“

Quellen: KBV (>>zum Beitrag) und BvDU (>>zur Pressemitteilung)

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