Darmmikrobiome

Forscher haben einen signifikanten Unterschied im Darmmikrobiom von Männern mit Prostatakrebs im Vergleich zu Männern mit gutartigen Biopsien festgestellt. Die Studie wurde auf dem Jahreskongress der European Association of Urology (EAU22) in Amsterdam vorgestellt. Die Ergebnisse der Studie könnten den Zusammenhang zwischen Lebensstilauswirkungen und geografischen Unterschieden bei Prostatakrebs teilweise erklären.

Darmmikrobiome
Die Darmmikrobiome von Männern mit Prostatakrebs unterscheiden sich in der Zusammensetzung von den Mikrobiomen von Männern ohne Prostatakrebs, so eine Studie der Universität Turku. (Bild © adobestock – ovocheva)

Das Darmmikrobiom ist die Ansammlung aller Mikroorganismen im Magen-Darm-Trakt. Sie beeinflussen Prozesse und Mechanismen im Körper. Der Zustand des Darmmikrobioms wurde mit vielen Krankheiten in Verbindung gebracht, auch mit Organen, die weit vom Darm entfernt sind. Aber ihre Rolle bei Prostatakrebs ist nicht bekannt.

Studienaufbau

Professor Peter Boström und Kollegen von der Universität Turku (Finnland) verwendeten Proben von Patienten, die an einer prospektiven multizentrischen klinischen Studie (NCT02241122) teilnahmen. Sie sequenzierten das Darmmikrobiom von 181 Männern, bei denen ein Verdacht auf Prostatakrebs bestand und die sich einer Prostatakrebsdiagnostik unterzogen. Die Mikrobiom-Proben wurden zum Zeitpunkt der Prostatabiopsien nach MRT-Scans entnommen.

Ergebnisse: Wie unterscheiden sich die Darmmikrobiome?

Bei 60 % der Männer wurde Prostatakrebs diagnostiziert, und ihre Darmmikrobiom-Profile unterschieden sich deutlich von denen der Männer mit gutartigen Biopsien. Die Männer mit Krebs hatten erhöhte Werte von Prevotella 9 einem Mitglied der Familie der Erysipelotrichaceae, und von Erregern, die Durchfallerkrankungen verursachen Escherichia-Shigella. Außerdem wiesen sie niedrigere Werte von Jonquetella, Moryella, Anaeroglobus, Corynebacterium und Clostridium sp. CAG-352 auf als Männer ohne Prostatakrebs.

Professor Boström sagt: „Die Prostatakrebsraten schwanken weltweit erheblich, was auf genetische Faktoren oder Unterschiede in der Gesundheitspolitik, aber auch auf Unterschiede in der Lebensweise und Ernährung zurückzuführen sein könnte. Der Unterschied im Darmmikobiom zwischen Männern mit und ohne Prostatakrebs könnte einige dieser Unterschiede erklären. Es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um das Potenzial der Darmmikobiome sowohl für diagnostische als auch für präventive Strategien zu untersuchen.

Möglicher Zusammenhang mit Prostatakrebs

Prostatakrebs ist weltweit die häufigste Krebserkrankung bei Männern, aber die unterschiedlichen Raten in den verschiedenen Teilen der Welt sind kaum bekannt. In den meisten westlichen Ländern ist er weit verbreitet, während er in anderen Ländern seltener vorkommt. Obwohl bekannt ist, dass er vererbbar ist, gibt es Hinweise darauf, dass Männer, die aus Gebieten mit niedriger Inzidenz in Gebiete mit hoher Inzidenz auswandern, zu Lebzeiten ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs haben, und ihre Nachkommen haben das Risiko der Region mit hoher Inzidenz.

Fazit und Vorsicht vor Überinterpretation

Lars Dyrskjøt Andersen, Professor für Molekulare Medizin an der Universität Aarhus (DK) und Mitglied des wissenschaftlichen Kongresskomitees der EAU22 für Urologie, sagt: „Dies ist ein bemerkenswertes Ergebnis einer großen, gut durchgeführten Studie. Wir sollten mit beobachteten Assoziationen vorsichtig sein, wenn es um komplizierte epidemiologische Zusammenhänge geht, und auf dieser Grundlage können keine Ursache-Wirkungs-Maßnahmen bestimmt werden, aber sicherlich könnten die Darmmikrobiome ein wichtiger Bereich sein, der weiter untersucht werden sollte, um unser Verständnis des Prostatakrebsrisikos zu verbessern.“

Quelle: European Association of Urology (EAU22) (>>zur Pressemitteilung)

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