Maximilian Brandt

Aus UroForum Heft 8/20

Bis zum DGU-Kongress sind die Preisträger in der Urologie aufgrund der Corona-Pandemie rar. Den Forschungspreis der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie teilen sich 2020 zwei Urologen. Einer der Preisträger ist Dr. Maximilian Brandt aus der Mainzer Universitätsklinik.

Brandts Thema war der „Einfluss des Cholesterin- und Lipidstoffwechsels auf die Docetaxelresistenz im fortgeschrittenen Prostatakarzinom unter Berücksichtigung des Glukokortikoidrezeptors“. Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen dazu dienen, den Stellenwert des Cholesterin- und Lipidstoffwechsels im Bereich fortgeschrittener Prostatakarzinome (PCa) genauer zu untersuchen und besser zu verstehen.

Sollten Statine zusätzlich zu Docetaxel gegeben werden?

Brandt beschreibt den praktischen Wert seiner ausgezeichneten Forschungsarbeit: „Sollte sich ein positiver Effekt auf die Wirksamkeit einer Docetaxel-basierten Chemotherapie unter pharmakologischer Inhibition des Cholesterin- und Lipistoffwechsels zeigen, wäre dies ein Ansatzpunkt, um klinische Studien durchzuführen, die darauf basieren, Statine zusätzlich zu Docetaxel zu geben. Das Ziel ist ein verbessertes Ansprechen auf eine Chemotherapie für Patienten mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom.“

Das Prostatakarzinom zählt in Deutschland mit einer Neuerkrankungsrate von ca. 60.000 Fällen pro Jahr zu den häufigsten Tumoren bei Männern und ist die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in westlichen Ländern. Trotz der Entwicklung neuartiger Medikamente wie Enzalutamid oder Abirateron und der Erweiterung der Indikation bereits etablierter Medikamente wie z. B. Docetaxel stellt die Ausbildung von Resistenzen eine Limitation in der erfolgreichen Behandlung des fortgeschrittenen PCa dar, so Brandt.

In den vergangenen Jahren hat der Glukokortikoidrezeptor (GR) nach Darstellung Brandts zunehmend an Bedeutung gewonnen, da in In-vitro- Versuchen beschrieben wurde, dass der GR im Rahmen der Entwicklung einer Androgen- und Docetaxelresistenz vermehrt exprimiert wird und darin ein „escape“ Mechanismus vermutet wird. „Aus eigenen Vorarbeiten mit Docetaxel-resistenten Zelllinien konnte nach pharmakologischer Inhibition des GR eine Resensitivierung gegenüber Docetaxel erreicht werden. Mittels RNA-Sequenzierung wurden Schlüsselenzyme aus dem Cholesterin- und Lipidstoffwechsel identifiziert, die hierfür verantwortlich sind.“

Eines dieser Enzyme sei das Sterol- Regulatory-Binding Protein, das sogenannte SREB. Im Forschungsprojekt beschäftigten sich Brandt und Kollegen mit den Docetaxel-resistenten Zelllinien wie dem SREB-Inhibitor Fatostatin, um herauszufinden, ob es zu einer Resensitivierung gegenüber Docetaxel kommt. „Es werden Apoptose, Zellzyklus und die Viabilität in den Zellmodellen untersucht. Da die Inhibition mittels Fatostatin in den Cholesterinstoffwechsel eingreift, werden auch andere Schlüsselenzyme des Cholesterinstoffwechsels, unter anderem die HMGCoA-Reduktase und die Fettsäuresynthase auf Proteinebene untersucht“, erläutert Brandt.

Da davon auszugehen sei, dass es trotz der Inhibition des Cholesterin- und Lipidstoffwechsels bei einem Teil der Zellen zu einer Proliferation kommt, soll in einer weiteren Versuchsreihe die Fettsäure-Oxidation, die aerobe und die anaerobe Glykolyse analysiert werden. Danach könne eine Aussage getroffen werden, ob es in den PCa-Zellmodellen zu einer gesteigerten Glykolyse komme und damit der Cholesterin- und Lipidstoffwechsel durch Hochregulation der Glykolyse umgangen werde.

Brandt ist 37 Jahre alt und arbeitet als Facharzt in der urologischen Universitätsklinik der Universitätsmedizin Mainz unter der Leitung von Prof. Axel Haferkamp. Im September 2018 erhielt er das Ferdinand- Eisenberger Forschungsstipendium der DGU. Brandt hat zwei Kinder und lebt in einer festen Partnerschaft.

Bild: Brandt

Franz-Günter Runkel

Autor

Franz-Günter Runkel

Chefreporter UroForum

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