Klaus-Peter Dieckmann gehörte nie zu den Lauten in der Urologie. In seinen jungen Jahren half er medizinisch in Entwicklungsländern, dann machte er in der Urologie Karriere. Sein Spezialgebiet ist der Hodentumor, für dessen Diagnostik und Therapie er international anerkannte Expertise erreicht hat. Für die Entdeckung des Tumormarkers M371 verlieh ihm nun die DGU in Hamburg den Maximilian-Nitze-Preis.

Viele Jahre Forschungsarbeit investierte das  Team  um Prof. Klaus-Peter Dieckmann in den neuen Tumormarker M371. Als Ärztlicher Leiter des Hodentumorzentrums Hamburg in der Asklepios Klinik Altona kooperierte Dieckmann dabei mit Biologen der Universität Bremen. „Die Diagnostik und Therapie der Keimzelltumoren des Hodens sind in nationalen und internationalen Leitlinien festgelegt“, schrieb Dieckmann in einem Forschungsbericht für Asklepios. Die Anwendung der Serum-Tumormarker Alpha-Fetoprotein (AFP), Beta-Humangonadotropin (bHCG) und Laktatdehydrogenase (LDH) ist fest verankert und die Keimzelltumoren des Hodens gelten als ein Paradigma für die Nützlichkeit von Serum-Biomarkern.

Als großer Nachteil hat sich laut Dieckmann allerdings erwiesen, dass nur etwa 50–60 % aller Keimzelltumoren eine solche Markerexpression aufweisen, sodass etwa die Hälfte der Hodentumor-Patienten ohne Markermessungen behandelt werden muss. Dieses Dilemma habe zu einer langjährigen Suche nach besseren Tumormarkern geführt. Seit 2011 gelten Serumspiegel der microRNAs (miRs) des Clusters miR-371-3 und 302/367 als potenziell geeignete neue Marker. Die hier gefundene Halbwertszeit des neuen Markers der Keimzelltumoren sei wesentlich kürzer als die entsprechenden Zeiten der klassischen Marker bHCG (36 Stunden), AFP (5 bis  7 Tage) und LDH (variabel, mehr als 3 Tage). „Prinzipiell ist eine kurze Halbwertszeit ein günstiges Kennzeichen eines Tumormarkers, weil hiermit sehr zeitnah ein Ansprechen auf eine Therapie beurteilt werden kann“, unterstreicht Dieckmann.

Die Zahl der Hodentumoren steigt seit Jahren anDer Hodenkrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren. Rund 4.000 Männer erkranken jährlich deutschlandweit. Das Problem: Die Zahl der Erkrankungen steigt seit Jahren an. Der Grund dafür ist nicht bekannt, vermutet werden aber Umwelteinflüsse. Die Urologen um Dieckmann konnten jetzt zeigen, dass bereits sehr kleine Tumoren von weniger als 1 cm Durchmesser den Signalstoff M371 abgeben.

„Dies ist ein großer Fortschritt“, so Dieckmann, „denn der M371-Test ist bei mehr als 90 % aller Hodentumoren anwendbar. Die bisherigen Markerstoffe sind nur bei etwa 50 % aller Patienten ausgeprägt. Der neue Test hilft bei der Früherkennung, bei der Ausbreitungsdiagnostik, bei der Überprüfung des Therapieerfolgs und vor allem bei der Früherkennung von Rückfällen. Wir denken auch, dass bei der Nachsorge viele der schädlichen, belastenden und teuren Röntgenuntersuchungen mit dem Test nicht mehr nötig sind.“ „Labor-Kit“ für die praktische Anwendung folgt 2020In der Urologie der Asklepios Klinik Altona behandeln Dieckmann und das Team des Hodentumorzentrums jährlich etwa 80 bis 100 Patienten in allen Hodenkrebs-Stadien, wobei alle Chemotherapien und alle operativen Eingriffe hier durchgeführt werden. Nach dem Erfolg, über den auch das amerikanische Journal of Clinical Oncology ausführlich berichtet hat, arbeitet das Forschungsteam zusammen mit Biologen der Universität Bremen nun daran, für die praktische Anwendung bis 2020 ein sogenanntes „Labor-Kit“ zu erstellen.   Mit der Gründung des Hodentumorzentrums West bündelten Hamburger Spezialisten unter dem Dach der Asklepios Klinik Altona ihre Expertise, um moderne Diagnostik, Therapie und Nachsorge an einem Ort anbieten zu können.

Franz-Günter Runkel

Chefreporter UroForum

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