PersonalienPraxis & Klinik

Sie ist das Gesicht der deutschen Andrologie und stete Streiterin für Frauenrechte in der Wissenschaft: Prof. Sabine Kliesch. Für ihre Leistungen in der Fort- und Weiterbildung der deutschen Urologen hat die DGU auf dem Jahreskongress in Hamburg Kliesch mit dem Felix-Martin-Oberländer-Preis der Fachgesellschaft ausgezeichnet. Die Preisträgerin gehört zu den besonders aktiven Mitgliedern des andrologischen Arbeitskreises der Akademie.

2008 entschloss sich das Universitätsklinikum Münster (UKM), das Mauerblümchendasein der Männergesundheit zu beenden und dieses Thema in den wissenschaftlichen Fokus zu stellen. Deshalb verwandelte das UKM das „Institut für Reproduktionsmedizin“ in das neue „Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie“ (CeRA). Das CeRA besteht aus dem Institut für Reproduktions- und Regenerationsbiologie, der Abteilung für Klinische und Operative Andrologie und dem Kinderwunschzentrum. Chefärztin der klinischen Andrologie in dem neuen Zentrum wurde die damals 43-jährige Prof. Sabine Kliesch. Zuvor arbeitete sie als leitende Oberärztin in der Urologie des UKM.

Erheblicher Nachholbedarf bei Prävention und Vorsorge

Die Münsteraner Andrologie widmet sich der Behandlung und Erforschung der Störungen der Zeugungsfähigkeit und der Hormonproduktion des Mannes und ist ein relativ junger medizinischer Bereich. Schwerpunkte sind die Infertilität des Mannes, die verzögerte Pubertätsentwicklung, der alternde Mann, die Produktion und Wirkung des Testosterons, die erektile Dysfunktion und die Kontrazeption auf Seiten des Mannes. Die CeRA-Andrologie kooperiert eng mit der Frauenklinik im Rahmen des Kinderwunschzentrums. Im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt betonte Kliesch 2008 die Bedeutung von Prävention und Vorsorge: „Hier besteht bei Männern sicherlich erheblicher Nachholbedarf.“

Das CeRA ist spezialisiert auf die Erforschung der Reproduktionsfunktion und die klinische Behandlung von Männern. Grundlagenforschung und klinische Studien helfen, neue Erkenntnisse zu den Fortpflanzungsfunktionen zu generieren und Patienten eine optimale Therapie zu gewähren, die auf aktuellen Forschungsergebnissen basiert. Naturwissenschaftler, Reproduktionsmediziner, Gynäkologen, Andrologen, Humangenetiker und Stammzellforscher ziehen an einem Strang, um die grundlegenden Prinzipien der Befruchtung in multidisziplinären Projektteams zu erforschen

Urologische Lehrjahre unter Prof. Lothar Hertle

Sabine Kliesch studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und wurde 1991 approbiert. Bereits früh stieg sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Reproduktionsmedizin ein und engagierte sich im WHO-Kollaborationszentrum zur Erforschung der menschlichen Fertilität. Die Andrologie hatte sie spätestens zu dieser Zeit gepackt und wird sie nicht mehr loslassen. Ihr urologisches Rüstzeug erhielt Kliesch an der Klinik und Poliklinik für Urologie im UKM unter der Leitung von Prof. Lothar Hertle.

Engagement für die Aus- und Fortbildung der Andrologen

Besonderes Augenmerk hat Kliesch immer auf die Definition von Wissensstandards und die Fortbildung der Andrologen bzw. der in der Andrologie tätigen Urologen gelegt. Darin wurzelt auch ihr Engagement in der Akademie der Deutschen Urologen. Ihr andrologisches „Glaubensbekenntnis“ hat die Preisträgerin mehr als einmal deutlich formuliert: „Nur durch die Ausbildung speziell weitergebildeter Andrologen wird man auch zukünftig eine weitere Verbesserung der Betreuung von Männern mit Störungen der reproduktiven Gesundheit in ihren unterschiedlichen Lebensabschnitten erreichen können.“ Den Felix-Martin-Oberländer-Preis nahm Kliesch auf dem DGU-Kongress 2019 in Hamburg entgegen.

Franz-Günter Runkel

Chefreporter UroForum

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