Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com

Die Trefferrate bei der Diagnose des Prostatakarzinoms kann verbessert werden, wenn die systematische Stanzbiopsie um eine gezielte Biopsie von Arealen ergänzt wird, die in der Magnetresonanztomografie (MRT) als suspekt erscheinen. Dies zeigen die Ergebnisse einer Kohortenstudie im New England Journal of Medicine.

Anders als bei den meisten anderen Krebsarten, wo gezielt die verdächtigen Knoten oder Tumoren biopsiert werden, ist beim Prostatakarzinom eine systematische Biopsie des gesamten Organs der Standard. Unter Ultraschallkontrolle werden aus 10 bis 12 Bereichen der Prostata Gewebeproben entnommen in der Hoffnung, den etwaigen Krebs in wenigstens einer Probe zu finden. Die Ergebnisse der Biopsie haben einen Einfluss auf die Therapieentscheidungen, die beim Prostatakarzinom unterschiedlicher ausfallen als bei den meisten anderen Krebserkrankungen.

Die Bandbreite reicht von einem indolenten Tumor, der die Lebenserwartung der zumeist älteren Männer nicht verkürzt, bis zu einem hoch-aggressiven Tumor, der frühzeitig metastasiert und unbehandelt innerhalb weniger Jahre zum Tod führen würde.

Vor diesem Hintergrund wäre eine gezieltere Biopsie der Tumoren wünschenswert. An vielen Zentren wird neben der systematischen 12-Stanzbiopsie eine MRT-geführte Biopsie angeboten. Am Clinical Center der US-National Institutes of Health in Bethesda/Maryland haben sich in den letzten Jahren 2.103 Männer, bei denen zunächst Gewebeproben aus Arealen entnommen wurden, die im MRT verdächtig erschienen, anschließend einer systematischen 12-Stanzbiopsie unter Ultraschallkontrolle unter­zogen.

Wie ein Team um Peter Pinto vom Clinical Center berichtet, wurde bei 1.312 Patienten die Diagnose eines Prostatakarzinoms gestellt. Nur 1.104 dieser Karzinome wurden mit der Stanzbiopsie erkannt. Die zusätzliche Durchführung der MRT-geführten Biopsie hatte die Zahl der erkannten Krebserkrankungen demnach um 208 oder 9,9 % erhöht. Die MRT-geführte Biopsie kann die ungezielte Stanzbiopsie jedoch nicht ersetzen. Mit ihr allein wären nur 1.084 Diagnosen gestellt worden. Es wären also etliche Tumore übersehen worden.

Die Kombination mit der MRT-geführten Biopsie erhöhte nicht nur die Zahl der Diagnosen. Sie veränderte auch die Einschätzung der Aggressivität. In einer Einteilung von 1 bis 5 wird ab einem Grad von 3 zu einer sofortigen Behandlung geraten, weil vermutlich ein aggressiver Tumor vorliegt. Nach der alleinigen Stanzbiopsie lag der Anteil der Patienten mit einem Tumor vom Grad 3 oder höher bei 13,8 %. Nach der MRT-geführten Biopsie waren es 20,2 % und bei einer kombinierten Biopsie 22,2 %. Dies ist ein deutlicher Anstieg der Patienten, denen zu einer Operation (oder Strahlentherapie) geraten wird.

Dass dieser Ratschlag häufig richtig war, zeigt der Vergleich der Biopsien mit der histologischen Untersuchung der (bei 404 Patienten) operativ entfernten Karzinome. Ein Upgrading, also eine ungünstigere Einstufung des Tumors, war nach einer kombinierten Biopsie nur bei 14,4 % der Patienten notwendig gegenüber 41,6 % der Diagnosen, die nur aufgrund einer Stanzbiopsie gestellt wurden. Gegenüber einer alleinigen MRT-geführten Biopsie erfolgte ein Upgrading immerhin bei 30,9 % der Patienten. Auch dies ist für Pinto ein Grund, warum nicht auf die Stanzbiopsie verzichtet werden sollte.

Ein Upgrading der Tumore auf einen Grad 3 oder höher erfolgte nach alleiniger Stanz­biopsie bei 16,8 % der Patienten, nach der alleinigen MRT-geführten Biopsie bei 8,7 % gegenüber nur 3,5 % der Patienten nach kombinierter Biopsie. Die kombinierte Biopsie erhöht damit die Chance, dass aggressive Tumore entdeckt und rechtzeitig operiert werden. Bei den Ärzten könnte das Vertrauen in die Treffsicherheit steigen und sie könnten seltener aus Vorsicht Patienten mit wenig aggressiven Tumoren vorsorglich zu einer letztlich unnötigen Operation raten, so Pinto.

Quelle: New England Journal of Medicine
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