Ein PSMA-PET/CT, das Metastasen mit einem Tracer für ein Oberflächenprotein von Epithelzellen der Prostata erkennt, hat in einer randomisierten Studie in Lancet das Staging von Hoch-Risiko-Patienten mit neu diagnostiziertem Prostatakarzinom gegenüber einem konventionellen Staging mit CT und SPECT verbessert und häufig die therapeutischen Entscheidungen beeinflusst.

PSMA PET-CT ist eine Variante der Positronenemissionstomografie, mit der ein Oberflächenprotein auf Prostatakrebszellen nachgewiesen werden kann. Wie Michael Hofman und Kollegen feststellten, wurde die Ausbreitung der Krankheit mit PSMA PET/CT genauer erfasst im Vergleich zur konventionellen Bildgebung mit CT und Skelettszintigrafie, was ein besseres Staging ermöglichte und bei einem Viertel der Patienten auch klinische Konsequenzen nach sich zog.

An 10 Kliniken in Australien wurden beide Staging-Methoden miteinander verglichen. Die 302 Teilnehmer mit den genannten Hochrisiko-Merkmalen, bei denen eine kurative Behandlung (Prostatektomie oder Radiotherapie) geplant war, wurden auf 2 Gruppen randomisiert. Bei der Hälfte der Patienten wurde zunächst ein PSMA-PET/CT durchgeführt. Wenn dabei nicht eindeutig eine metastasierte Erkrankung gefunden wurde, folgte die Standarduntersuchung mit CT und SPECT. In der anderen Gruppe war die Reihenfolge umgekehrt.
Primärer Endpunkt war die Treffsicherheit der Erstuntersuchung bezüglich dem Auftreten von Metastasen. Dazu wurden alle Hinweise genutzt, die in den folgenden 6 Monaten auf Metastasen hinwiesen, einschließlich weiterer bildgebender Verfahren.

Wie Michael Hofman vom Peter MacCallum Cancer Centre in Melbourne und Mitarbeiter berichten, erwies sich die PSMA-PET/CT bei Staging als zuverlässiger. Die Genauigkeit (in einer AUC-Analyse) betrug 92 % gegenüber nur 65 % nach der konventionellen Unter­suchung mit CT und SPECT. Der Vorteil von 27 %-punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 23 bis 31 %-punkten signifikant.

Die Ergebnisse des PSMA-PET/CT-Staging haben laut Hofman bei 28 % der Patienten die Behandlungsstrategien beeinflusst („medium/high management impact“). Nach der konventionellen CT und SPECT war dies nur bei 15 % der Patienten der Fall.

Insgesamt 42 % der Patienten unterzogen sich einer Operation, 41 % einer Strahlen­therapie. Bei den anderen Patienten wurde (nach der Diagnose von Metastasen) eine Androgendeprivation entweder allein (9 %) oder in Kombination mit einer Chemo­therapie (6 %) durchgeführt. Die Strahlenbelastung wurde laut Hofman von 19,2 auf 8,4 Millisievert gesenkt.

Wie sich die Therapieänderungen auf die Lebensqualität und die Überlebenszeiten der Patienten ausgewirkt haben, wurde in der Studie nicht untersucht. Offen ist auch die Frage der Kosten-Effektivität. Die PSMA-PET/CT erhöht die Therapiekosten. Durch die Vermeidung einer unnötigen Operation oder Radiotherapie könnten aber auch Kosten eingespart werden.

Quelle: Lancet (2020; doi: 10.1016/S0140-6736(20)30314-7)
Bild: Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com

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