Die Grundfrage der Abwägung zwischen Kosten und Nutzen der roboterassistierten radikalen Prostatektomie kann auch 2021 nicht beantwortet werden. Prof. Johannes Huber aus der urologischen Universitätsklinik Dresden hat am frühen Nachmittag ein Akademie-Forum unter der Fragestellung „Mensch und Roboter im Spannungsfeld von Qualität und Ökonomie“ moderiert. Im Pro-und-Kontra-Diskurs trafen der Gonauer „Robotik-Papst“ PD Dr. Jörn Witt sowie der Münchner LMU-Ordinarius Prof. Christian Stief aufeinander.

Die Gronauer Klinik für Urologie, Kinderurologie und Urologische Onkologie gehört zu den größten robotischen Zentren Europas. Pro Fall beziffert Dr. Witt Kosten von 2.187,50 Euro für Investition und Verbrauchskosten. „Die roboterassistierte radikale Prostatektomie ist auch in Deutschland das dominierende Verfahren. Im Hinblick auf Kontinenz und Komplikationen schneidet die Robotik besser ab als die offene Operation“, so Witt. Die Vergütung habe sich verbessert und Eingriffe würden nun angemessener bezahlt. Seine Forderung ist klar: „Entweder werden die Zusatzkosten der RARP bezahlt oder die Überbezahlung der offenen Chirurgie muss beendet werden.“

Prof. Christian Stief hatte einen spitzen Bleistift mitgebracht und kalkulierte scharf. Der robotische Eingriff verursacht in der Ludwig-Maximilians-Universität München Mehrkosten in Höhe von rund 4.214 Euro pro Patient. Für das Fazit versprach Stief realistische Zahlen und Fakten. Für ihn unterscheiden sich die Verfahren in den medizinischen Kriterien kaum. So bezeichnete Stief Transfusionsrate, Erektionserhalt und onkologische Ergebnisse als identisch. Die Frage der Bewertung bleibt also bis auf Weiteres strittig. (fgr)

Quelle: Vortrag auf dem DGU

PD Dr. Jörn Witt stellte bessere Kontinenz- und Nebenwirkungsergebnisse fest. (Foto ©  Runkel)
Prof. Christian Stief stellte kaum handfeste medizinische Vorteile fest, dafür aber deutlich höhere Kosten. (Foto © Runkel)