Franz-Günter Runkel

Runkels UroSkop

22.01.2020


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Liebe Urologinnen und Urologen,

die Scheinheiligkeit des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wird nur noch durch die Unverfrorenheit übertroffen, mit der das Institut mit voller Absicht Begriffe vermengt und Falsches unterstellt. Nein, es geht natürlich nicht darum, Millionen deutscher Männer ab 40 jedes Jahr eine PSA-Wertbestimmung zu verpassen und die von falsch-positiven Werten geschockten Patienten kalten Herzens auf die Straße zu jagen. Es geht allenfalls um eine risikoadaptierte, individuelle Früherkennung mit genau definierten Wiederholungszyklen. IQWiG-Chef Prof. Jürgen Windeler gibt sich hier begriffsstutziger, als er in Wahrheit ist (>>> zum Beitrag). Die Kaltschnäuzigkeit des Staatsinstituts hat Methode und propagiert die Rotstift-Politik.

DGU-Präsident Prof. Jens Rassweiler warnt denn auch vor den Folgen der IQWiG-Bewertung:

Hierdurch besteht die Gefahr, dass Männer Früherkennungsuntersuchungen vermeiden und in der Konsequenz langjährige Belastungen durch Metastasen, lokale Symptome und Behandlungsfolgen durch Chemotherapien sowie die Mortalität zukünftig stark zunehmen.“

Rassweiler und DGU-Generalsekretär Prof. Maurice Stephan Michel qualifizieren die IQWiG-Bewertung als „nicht kongruent“. Die Schlussfolgerungen des Instituts hätten nichts mit der wissenschaftlichen Datenlage zu tun (>>> zum Beitrag). Weniger diplomatisch heißt das: Unwissenschaftliche Schauermärchen sollen „begründen“, warum die GKV nicht für den PSA-Test aufkommen will. Durchsichtige Sparpolitik wird hier an die Stelle verantwortungsbewusster Gesundheitspolitik gesetzt. Um das Leid zu spät behandelter Prostatakarzinompatienten kümmert sich dabei niemand. Es ist einfach zynisch!

Vor zukünftigen Nachteilen für Prostatakarzinompatienten warnte DGU-Präsident Prof. Jens Rassweiler. (Bild: privat)

„Dicke Bretter“ mussten BvDU-Vize Dr. Holger Uhthoff und der hessische Landesvorsitzende Dr. Peter Kollenbach in den Verbandsgremien und an der Basis bohren, um zumindest etwas Solidarität und Engagement für die Zystoskopie-Kampagne zu erzeugen. Am Ende bewegte die Zystoskopie-Kampagne (>>> zum Beitrag) die Krankenkassen im gemeinsamen Bewertungsausschuss (G-BA) zumindest dazu, die flexible Zystoskopie des Mannes ab April mit 80 Euro um 33 Euro besser zu bezahlen. Wenn die Trägheit der Urologen in den BvDU-Gremien und an der Basis ein umgekehrt proportionaler Gradmesser für materielle Bedürftigkeit ist, dann scheint es vielen Urologen verdammt gut zu gehen.

Die Querschüsse des ehemaligen BvDU-Verbandspolitikers Dr. Wolfgang Bühmann, der politisch aktiven Urologen in seiner DGU-Kolumne vorgeworfen hatte, das Vertrauen von Patienten durch den befristeten Zystoskopie-Verzicht zu gefährden, waren allerdings auch nicht hilfreich. Ist das wirklich „Echt Bühmann“?

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Pflichttext


Was sich ein wissenschaftlicher Arbeitskreis unter hilfreicher Öffentlichkeitsarbeit vorstellt, zeigen die Vorgänge rund um den sogenannten „Mesh Ban“ der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA). Der Bannspruch aus Amerika hat die suburethralen Bänder (TVT, TOT) mit in den Sumpf des Netz-Fiaskos gezogen. Die Stellungnahme des Arbeitskreises Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau präsentiert den kleinsten gemeinsamen Nenner einer Expertengruppe (>>> zum Beitrag) und soll wie üblich die Harmonie der Wissenschaft spiegeln. Die Wahrheit sieht anders aus: Die Befürworter nicht autologer dauerhafter Materialien im Arbeitskreis diskutieren kontrovers mit Vertretern der reinen Chirurgie-Lehre (Kolposuspension etc.) um den besten Weg, allerdings bekommt die urologische Öffentlichkeit hiervon nur wenig mit. So unterstreicht die Bonner Urogynäkologin Prof. Ruth Kirschner-Hermanns:

Das A und O der Entscheidung für oder gegen Bänder ist die korrekte und präzise Indikation.

Eigentlich schade, dass Differenzierung selbst Fachleuten so schwerfällt, denn die Bänder sollten bei präziser Indikation ihre Chance behalten. Der „Mesh Ban“ hat jedenfalls sehr viel mit Prolaps-Netzen und ungeeigneten Operateuren und wenig mit den objektiven Möglichkeiten von TVT und TOT zu tun. So viel Fairness sollte sein.

Prof. Ruth Kirschner-Hermanns, Bonn, will TVT und TOT ihre Chance in der Therapie erhalten und plädiert für Differenzierung in der Indikation. (Bild: privat)

„Langfinger im Krankenhaus gehören zu den unappetitlichen Themen, von denen man am liebsten gar nichts wissen will. Dabei geht’s nicht nur um Uhren, Schmuck und Geld. Die Langfinger gehen der Klinik buchstäblich an die Wäsche. Zahlen eines Textil-Dienstleisters belegen, dass der jährliche Wäscheschwund der klinischen Kunden des Dienstleisters der Baumwoll-Anbaufläche von 15 km2 entspricht; das ist etwa die Fläche der Stadt Münster. Eigentlich unfassbar!

Durchaus fassbar und beeindruckend sind derweil die Forschungs-Neuigkeiten aus Bildgebung und Diagnostik: Maximilian Kriegmair und Christian Bolenz aus der Mannheimer Universitätsurologie werden gemeinsam mit Kollegen im Februar in European Urology die Perspektiven der Real-Time-Multispektralbildgebung in der Diagnostik von Blasenkarzinomen aufzeigen. In Kombination mit der bekannten Fluoreszenz-Bildgebung wird eine multiparametrische Zystoskopie möglich, mit deren Hilfe maligne Befunde besser und klarer identifiziert werden können.

Weitere Neuigkeiten zum Harnblasen- und Urothelkarzinom finden Sie in UroForum 12/2019. Prof. Maximilian Burger hat hier einen interessanten Beitrag zum Hochrisiko-NMIBC publiziert: BCG, Chemotherapie oder Zystektomie? (>>> zum Beitrag) Den Stellenwert der Lymphadenektomie für ein Urothelkarzinom des oberen Harntrakts erläuterte PD Dr. Alexander Winter aus Oldenburg (>>> zum Beitrag).

Neugierig geworden? – Dann lesen Sie mehr in der aktuellen UroForum-Ausgabe, die am 29. Januar erscheint.

In dem Sinn wünsche ich Ihnen eine positive Woche!

Es grüßt Sie herzlich Ihr

Franz-Günter Runkel
Chefreporter

Frage des Monats

Ist eine stationäre urologische Versorgung bei insgesamt 600 Schwerpunktkrankenhäusern bundesweit ohne Qualitätsverlust möglich? – Stimmen Sie ab!

Lesen Sie dazu auch in UroForum 12/2019: „42. Deutscher Krankenhaustag: DKG wehrt sich gegen kalten Strukturwandel durch Klinikpleiten“

Fortbildungen

23.–24.1.2020 | Leipzig
7th Meeting of the EAU Section of Uro-Technology

23.–24.1.2020 | Hamburg
Hamburger Endourologie Workshop

24.–25.1.2020 | Nauen OT Groß Behnitz
Nationales Blasenkarzinom Symposium

Vorschau

Das erwartet Sie in der nächsten Printausgabe

UroForum-Ausgabe 1/2020

  • „Mesh Ban“ in den USA: Streit um Netze und Bänder polarisiert auch die deutsche Urogynäkologie
  • Thema des Monats: Zystoskopie des Mannes – ab April 2020 zahlen die Kassen 80 Euro pro Fall
  • CME-Beitrag: Schwellkörperprothesen – Welcher Patient bekommt welche Prothese?

Weitere wissenschaftliche Beiträge zu den Schwerpunktthemen Kinderurologie und Nierenzellkarzinom

Erscheinungstermin: 29. Januar 2020


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