Praxis & Klinik

Mit diesem Beitrag beginnen wir eine neue Reihe zur Digitalisierung des Gesundheitswesens. In lockerer Folge sollen darin folgende Themen behandelt werden:

  1. Elektronische Patientenakte: Übergreifende Dokumentation der Krankheitsgeschichte
  2. Elektronisches Rezept und eArztbrief
  3. Elektronischer Medikationsplan und Notfalldatenmanagement
  4. Videosprechstunden und Telekonsile
  5. Datenschutz: Sind sensible Datenwirklich sicher?

Seit dem 1. Juli 2019 sind alle niedergelassenen Urologen gesetzlich dazu verpflichtet, die Versichertenstammdaten jedes Patienten mithilfe der Telematikinfrastruktur (TI) digital abzugleichen. Dieser offizielle Startschuss zur Digitalisierung des Gesundheitswesens ist Anlass für den Beginn einer neuen UroForum-Serie, in der die neuen digitalen Instrumente erklärt werden sollen. Derzeit ist die elektronische Umrüstung noch im Gang, weil nicht alle Urologen die Umstellung bis 1. Juli geschafft haben. Startpunkt der Reihe ist der Daten-Highway, die TI.

In seinem Kabinettsentwurf für das Digitale-Versorgung-Gesetz hat das Bundesgesundheitsministerium die Zeitpläne für die anderen Akteure des deutschen Gesundheitswesens konkretisiert. Demnach müssen sich auch vertragsärztliche Praxen ohne Arzt-Patienten-Kontakt an die TI anschließen – bis zum30. Juni 2020. Dies betrifft etwa Labore, wie die KBV mitteilte. Bis Ende September 2020 werden dann die Apotheken folgen, die unter anderem wegen des elektronischen Medikationsplans an die TI angeschlossen werden müssen. Die Kliniken werden bis 1. Januar 2021 TI-pflichtig. Die Krankenkassen werden ebenfalls an die TI angebunden, unter anderem, um Daten in die elektronische Patientenakte (ePA) aufzunehmen oder die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu empfangen. „Medizinische Daten können Krankenkassen dagegen nicht aus der ePA auslesen“, stellt die KBV klar.

Der Konnektor – eine Art DSL-Router für die TI

Welche IT-Voraussetzungen müssen die urologischen Praxen erfüllen und welche Hardware ist erforderlich? Herzstück der TI ist der Konnektor, eine Art DSL-Router mit höherem Sicherheitsniveau. Dieser Konnektor knüpft ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) mit der TI, sodass eine Kommunikation unter Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologien völlig abgeschirmt vom Internet möglich wird. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem Praxisverwaltungssystem verbunden. Pro Praxis finanziert die Gesetzliche Krankenversicherung einen Konnektor, mit dem die komplette Praxis an die TI angebunden wird. Auch Praxisgemeinschaften können einen Konnektor gemeinsam verwenden. Ausgelagerte Praxisräume erhalten nach KBV-Informationen statt eines Konnektors ein mobiles Kartenlesegerät.

E-Health-Kartenterminals für die eGesundheitskarten

Die neuen E-Health-Kartenterminals sind notwendig, um Online- Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) nutzen zu können. Zunächst betrifft dies das Versichertenstammdaten-Management (VSDM). Über die Geräte meldet sich die Praxis auch an die TI an. Pro Kartenterminal stehen 435 Euro Förderung zur Verfügung. Je nach Zulassungsumfang sind drei Geräte möglich. Urologische Praxen, die Anspruch auf mehrere Kartenterminals haben, erhalten einen sogenannten Komplexitätszuschlag. Urologen, die Haus- und Pflegeheimbesuche anbieten, erhalten dafür ein mobiles Kartenterminal. Diese Geräte arbeiten im Offline- Betrieb: Eine Aktualisierung der Daten ist damit nichtmöglich, diese erfolgt ausschließlich in der Praxis mithilfe des Konnektors. Die Geräte werden mit 350 Euro finanziert, zuzüglich der Kostenerstattung für den Praxisausweis. Anspruch haben alle Vertragsärzte mit mindestens hälftiger Zulassung, die im vergangenen oder aktuellen Quartal mindestens drei Hausbesuche (GOP 01410, 01411, 01412, 01413, 01415, 01418, 01721 und 05230) nachweisen können oder einen Kooperationsvertrag zur Pflegeheimversorgung nach § 119b SGB V Absatz 1 abgeschlossen haben.

Die Kernelemente der Telematikinfrastruktur einschließlich zukünftigerDigitalanwendungenwie der elektronischen Patientenakte
und desMedikationsplans. Schrittweisewerden allemedizinischen Leistungserbringer angeschlossen.

Der Praxisausweis SMC-B ist der Schlüssel zur TI

Den Praxisausweis benötigen urologische Praxen zur Registrierung als medizinische Einrichtung, damit der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen kann. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Security- Module-Card-Typ-B-Karte (SMC-B). Die Karte wird bei der Installation der TI-Technik in eines der Kartenterminals gesteckt und über eine PIN freigeschaltet. Eine erneute Eingabe der PIN ist erforderlich, wenn das Gerät dann imPraxisbetrieb neu eingeschaltet wird. Je Quartal werden für den Praxisausweis 23,25 Euro erstattet (einmal pro Praxis). Für ein mobiles Kartenterminal wird ein weiterer Praxisausweis finanziert. Die Praxisausweise sind fünf Jahre gültig. Auch das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss mithilfe eines Updates angepasst werden, um eine Verbindung zur TI zu ermöglichen und die Versichertendaten der eGK importieren zu können.

Der eHBAist für bestimmte Anwendungen notwendig

Der elektronische Heilberufeausweis (eHBA) ist für den Zugang zur TI keine Pflicht, wohl aber für bestimmte kommende Anwendungen der TI wie das Notfalldatenmanagement. Dafür und für den Einsatz in mobilen Kartenterminals ist ein eHBA ab der zweiten Generation notwendig. Bereits jetztwird der Ausweis für die qualifizierte elektronische Signatur benötigt, zum Beispiel für den eArztbrief, für Laborüberweisungen oder Anforderungen von Telekonsilen.

TI-Anbindung im Reihen- oder im Parallelbetrieb

Im Reihenbetrieb – auch als serieller Betrieb bezeichnet – sind Kartenterminals und Praxisrechner nach Informationen der KBV getrennt. Sie erhalten nur über den Konnektor Zugang zur TI. Beim Reihenbetrieb dient die im Konnektor integrierte Firewall als Schutzmechanismus, um das Praxisnetz optimal vor unautorisierten Zugriffen von außen zu schützen. Der Reihenbetrieb eignet sich vor allem für Praxen, die vorher noch keine Internetanbindung hatten oder die über keine komplexe IT-Vernetzung verfügen. Im Parallelbetrieb wird der Konnektor in das bestehende Praxisnetzwerk (LAN) und dessen Sicherheitsmaßnahmen integriert. Er ist dann ein gleichwertiger, aber eigenständiger Teil des LAN neben anderen Komponenten wie dem Praxis-PC und dem Kartenterminal. Im Parallelbetrieb kann die integrierte Firewall des Konnektors nicht genutzt werden. Das Praxisnetzwerk mit all seinen IT-Komponenten muss deshalb durch eine eigene Firewall geschützt werden. Der Parallelbetrieb eignet sich deshalb eher für Praxen, die bereits eine komplexere IT-Infrastruktur besitzen und auch aktuelle Datensicherungen vorhalten.

Datenschutz: Wann haftet der Urologe?

Unabhängig von der gewählten Anbindungsvariante muss jede Praxis technische und organisatorische Maßnahmen festlegen, um die Patientendaten zu schützen. In einem Informationsblatt zu Datenschutz und Haftung stellt die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik) klar, dass eine Haftung des Urologen ausscheidet, sofern die zugelassenen Konnektoren im Sinn der Datenschutz-Grundverordnung verwendet, aufgestellt und betrieben werden.

fgr

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare