Praxis & Klinik

Telemedizinische Leistungen sind rechtlich erlaubt, werden regulär nach EBM vergütet und bieten digitale Lösungen für die Versorgungsprobleme des kommenden Jahrzehnts. Die Videosprechstunde hilft Patienten in ländlichen oder unterversorgten Gebieten und unterstützt im Kampf gegen den Facharztmangel. In der fachärztlichen Kommunikation sind Telekonsile digitale Hilfsmittel für die Befunderörterung. Aber was muss der Urologe beachten, wenn er auf Telemedizin setzen möchte?

Wenn der nächste Urologe weit und Anfahrtswege lang sind, bieten sich Videosprechstunden gerade für ältere Patienten an. Aufgrund des demografischen Wandels rechnet die DGU in diesem Jahrzehnt mit einer Zunahme der urologischen Fallzahlen um 20 %. Der Urologe kann dem Patienten die weitere Therapie online am Bildschirm erläutern oder den Heilungsprozess einer Operationswunde begutachten. So muss der Patient nicht extra für jeden Termin in die urologische Praxis kommen.

Der Urologe wählt zunächst einen zertifizierten Videodienstanbieter aus, der für einen reibungslosen und sicheren technischen Ablauf der Videosprechstunde sorgt. Die KBV hält eine Liste der Anbieter auf ihrer Website bereit. Eine zusätzliche Software ist nicht erforderlich.

Checkliste Videosprechstunde
  • Hat der Patient in die Videosprechstunde eingewilligt?
  • Ist der Videodienstanbieter von der KBV zertifiziert?
  • Erlaubt die Qualität der Datenübertragung eine gute Kommunikation?
  • Erlauben die Räume, in denen die Videosprechstunde stattfindet, eine vertrauliche Kommunikation?
  • Wurde der Klarname des Patienten eindeutig geklärt? Findet keine Aufzeichnung statt?

Technische und rechtliche Regeln der Videosprechstunde

Die technischen Anforderungen für den Videodienst – insbesondere zur technischen Sicherheit und zum Datenschutz – sind nach Informationen der KBV in der Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte geregelt. Hierauf muss der Urologe achten:

  • Der Patient muss in die Videosprechstunde einwilligen.
  • Die Videosprechstunde muss in Räumen stattfinden, die Privatsphäre bieten.
  • Technik und elektronische Datenübertragung müssen eine angemessene Kommunikation gewährleisten.
  • Die Videosprechstunde muss vertraulich und störungsfrei verlaufen – wie eine normale Sprechstunde auch.
  • Die Aufzeichnung von Videosprechstunden ist nicht gestattet.
  • Der Klarname des Patienten muss für die Praxis erkennbar sein.
  • Die Videosprechstunde muss frei von Werbung sein.
  • Der Videodienstanbieter muss zertifiziert sein und dazu eine Selbstauskunft bei der KBV sowie beim GKV-Spitzenverband eingereicht haben.

Seit 1. April 2017 werden Telekonsile als zeitversetzte Zweitbefundungen zwischen Ärzten bei der Befundbeurteilung von Röntgen- und CT-Aufnahmen vergütet. Dazu haben KBV und GKV-Spitzenverband in der „Vereinbarung über die Anforderungen an die technischen Verfahren zur telemedizinischen Erbringung der konsiliarischen Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen in der vertragsärztlichen Versorgung gemäß § 291g Abs. 1 Satz 1 SGB V“ (Anlage 31a BMV-Ä) die technischen Voraussetzungen festgelegt.

Telekonsile dienen der Zweiterörterung von Befunden

Für Hardware und Software hat die KBV technische Anforderungen formuliert und auf ihrer Website dokumentiert. Erstbefunder und Konsiliararzt (Zweitbefunder) müssen die folgenden Vorgaben erfüllen:

  • Die apparative Ausstattung der Bildaufnahme- und Bildwiedergabeeinrichtungen muss die diagnostische Aussagekraft gewährleisten.
  • Zur Sicherstellung datenschutzkonformer Transportwege muss für die Kommunikation ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) verwendet werden.
  • Der digitale Überweisungsschein (Muster 6) ist zwingend zu verwenden.
  • Die Beauftragung muss elektronisch erfolgen, da auch die Röntgenbilder elektronisch übermittelt werden.
  • Eine Nutzung des digitalen Musters 6 ist nur zulässig, wenn das eingesetzte Praxisverwaltungssystem eine entsprechende KBV-Zertifizierung besitzt.
  • Elektronische Beauftragung und Zweitbefundung eines Telekonsils müssen mit dem elektronischen Heilberufsausweis (QES) qualifiziert elektronisch signiert werden.

Die Datenverarbeitung hat im Hinblick auf die Datensicherheit entsprechend den technischen und organisatorischen Vorgaben nach § 9 BDSG (Bundesdatenschutzgesetz) zu erfolgen. Die Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis der BÄK und KBV sind zu beachten. Der Kommunikationsdienst muss laut KBV-Informationen gewährleisten, dass Anforderungen und Qualitätsstandards bei der digitalen Bildaufzeichnung auch nach der Übermittlung erfüllt werden.

Der DICOM-Standard (Digital Imaging and Communications in Medicine) muss dabei gewährleistet sein. Sowohl der Absender als auch der Empfänger müssen eindeutig identifizierbar, die digitale Nachricht einschließlich personenbezogener Dateien (Bild, Befund) entsprechend den Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik Ende-zu-Ende-verschlüsselt sein.

Checkliste für digitale Telekonsile
  • Steht ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) für die Kommunikation bereit?
  • Wird der digitale Überweisungsschein (Muster 6) verwendet?
  • Wurden Auftrag und Zweitbefundung mithilfe eines elektronischen Heilberufsausweises signiert?
  • Kann der DICOM-Standard gewährleistet werden?
  • Findet eine End-zu-End-Verschlüsselung statt? Werden kryptografische Vorschriften eingehalten?

Kryptografische Vorschriften müssen beachtet werden

Die Technische Richtlinie 3116-1 definiert kryptografische Vorschriften für die Kommunikation im Rahmen der Telematikinfrastruktur (TI) und muss beachtet werden. Um Telekonsile abrechnen zu können, muss eine untersuchungsbezogene medizinische Fragestellung vorliegen, die außerhalb des Fachgebiets des behandelnden Urologen liegt. Das kann auch Wissensunterschiede zwischen Teilgebieten der Urologie betreffen. Auch eine besonders komplexe medizinische Fragestellung kann die Befundung eines zweiten Urologen erfordern. Der Konsiliararzt ist verpflichtet, seinen Befund spätestens drei Tage nach Eingang des Auftrags an den behandelnden Arzt zu senden.

Digitale Überweisungsscheine für Telekonsile Telekonsile sind die erste Leistung in der vertragsärztlichen Versorgung, die Urologen mit einem digitalen Überweisungsschein beauftragen können. Sobald ein Dienst in der Telematikinfrastruktur zur Verfügung steht, darf die Bild- und Befundübermittlung nur noch darüber erfolgen, aber nicht mehr über andere Dienstanbieter.

(Bild: Patientus GmbH, Berlin)

Franz-Günter Runkel

Chefreporter UroForum

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