Der 65. deutsche Kongress für sexuell übertragbare Infektionen (STI) hatte den klangvollen Namen „Liebe in Zeiten von COVID-19“. PD Dr. Martin Hartmann berichtete in einem Videobeitrag von dem Kongress (>>zum Beitrag). Hier finden Sie einige Highlights:

Zu sehen sind zwei Schutzmasken auf einem Bett. Während der Pandemie werden weniger Kondome verwendet.
Abb.: Während der Pandemie werden weniger Kondome verwendet. (Foto: Adobe/Stock)

Weniger Kondome – mehr STIs

Während der Pandemie hat der Gebrauch von Kondomen abgenommen. Dieser Trend ist besonders ausgeprägt bei Menschen, die sich nicht in festen Partnerschaften befinden. Etwas weniger ausgeprägt ist diese Entwicklung bei stabilen Paaren. Auch unter Präexpositionsprophylaxe (PreP) wird häufig auf die Verwendung eines Kondoms verzichtet. Es kam insgesamt zu einem Anstieg der bakteriellen STIs. Den größten Anteil an den STIs machten folgende Infektionen mit folgenden Erregern aus:

  1. Syphilis (Treponema pallidum)
  2. Chlamydien (Chlamydiaceae)
  3. Mykoplasmen (Mycoplasma genitalium)

Mehr Resistenzen bei Mycoplasma genitalium

Am Ende des letzten Jahres gab es eine starke Erhöhung der Syphilis-Fälle in Deutschland. Die Zunahme war besonders in Ballungsgebieten zu beobachten. Momentan ist die Zahl der Syphilis-Infektionen laut Dr. Hartmanns Bericht aber stabil.

Infektionen mit M. genitalium haben sich auf Platz drei der häufigsten STI in Deutschland geschoben. Das ist besonders problematisch, weil hier häufig Resistenzen gegen Doxycyclin auftreten. Dieses Antibiotikum wurde früher in der Erstlinientherapie eingesetzt. Inzwischen gibt es aber auch gegenüber Azithromycin Resistenzen. Diese Resistenzen treten vor allem in Gebieten, wo für die einmalige Gabe von 1 g Azithromycin geworben wird. Die Resistenz ist etwas weniger ausgeprägt, wenn an 5 Tagen therapiert wird. Leider zeigten sich auch gegen die Fluorchinolone, vor allem gegen Moxifloxacin, immer wieder Resistenzen. Pristinamycin ist momentan das einzige Reserve-Antibiotikum, das noch Wirkung zeigt.

In Anbetracht der vielen Resistenzen sollte der Therapieerfolg auf jeden Fall kontrolliert werden. Aber am besten wäre es, noch vor Therapiebeginn die Resistenz des Stammes genau zu bestimmen, um gezielt zu behandeln.

Schützen Kondome wirklich vor STIs?

Kondome schützen vor sexuell übertragbaren Erkrankungen unterschiedlich gut. So schützen sie nach Dr. Hartmann in bis zu 80 % vor einer HIV-Infektion. Sie helfen aber schlechter gegen Neisserien, Chlamydien oder Mykoplasmen. Das gilt besonders, wenn extragenitale Läsionen vorliegen. Bei Herpes genitalis und humanen Papillomviren (HPV) kann man sich ebenfalls trotz Kondomnutzung anstecken. Vor allem wenn man mit Jemanden Kontakt hat, der keine Läsion aufweist und deshalb nicht ahnt, dass er infiziert ist.

Quelle: Medscape (>>zum Beitrag)

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