Heute gab das Statistische Bundesamt einen Überblick über die gesundheitlichen Folgen der Pandemie. Die Kernaussage: Die Corona-Pandemie hat zu einer Übersterblichkeit in Deutschland geführt.

Viele Gegner der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zweifeln an, dass die Sterbefälle in Deutschland durch Corona zugenommen haben. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes widersprechen dem.

Eine Person steht mit einer Maske in der Hand vor einem Grab. Bildunterschrift:  Übersterblichkeit: Während der Pandemie sind in Deutschland trotz Maßnahmen, wie dem Tragen von Masken, mehr Menschen gestorben, als in den Vorjahren.  (Foto © Lukassek – stock.adobe.com)
Übersterblichkeit: Während der Pandemie sind in Deutschland trotz Maßnahmen wie dem Tragen von Masken mehr Menschen gestorben als zu erwarten gewesen wäre. (Foto © Lukassek – stock.adobe.com)

Übersterblichkeit liegt nicht an alternder Bevölkerung

Für das Jahr 2020 sind die Sterbefallzahlen gegenüber 2019 um 46.000 Fälle oder 5 % gestiegen. Es wäre aber nur ein Anstieg um etwa 2 % oder ungefähr 20.000 Fälle aufgrund der Alterung der Bevölkerung zu erwarten gewesen.

Die Corona-Pandemie erreichte Deutschland erst im März 2020. Betrachtet man die ersten zwölf Monate der Pandemie von März 2020 bis Februar 2021, war der Anstieg der Sterbefallzahlen noch stärker: Es starben 7,5 % oder fast 71.000 Menschen mehr als in den zwölf Monaten vor diesem Zeitraum.

Am stärksten wichen die Sterbefallzahlen bislang am Scheitelpunkt der zweiten Welle von der erwartbaren Entwicklung ab. Das war von Dezember 2020 bis Januar 2021. „In dieser Zeit waren die zusätzlichen Todesfälle fast deckungsgleich mit den beim RKI gemeldeten COVID-19-Todesfällen“, sagte Dr. Felix zur Nieden, Referent für Demografische Analysen und Modellrechnungen.

Die Sterberaten waren hauptsächlich bei den Über-80-Jährigen erhöht. Das ist auch der Altersbereich, in dem auch die COVID-19-Todesfälle gehäuft auftraten. Diese Entwicklung vollzog sich trotz der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Welche Entwicklung sich ohne diese Maßnahmen ergeben hätte, kann auf laut Dr. zur Nieden auf Basis der Sterbefallzahlen nicht ermittelt werden.

Es gibt starke regionale Unterschiede

Der Anstieg der Sterbefallzahlen war regional verschieden. So starben von März 2020 bis Februar 2021 in Schleswig-Holstein 2 % mehr Menschen als in den 12 Monaten zuvor. Das liegt im Bereich einer erwartbaren Entwicklung. Dagegen waren in Sachsen die Abweichungen in diesem Zeitraum am stärksten: Es starben 19 % mehr Menschen.

Im internationalen Vergleich war die Auswirkung der Corona-Pandemie auf die Sterberaten in Deutschland gering. Dr. zur Nieden: „In den meisten anderen europäischen Ländern sowie in den USA und vielen südamerikanischen Ländern waren die Sterberaten stärker ausgeprägt.“

Die Zahl der Suizide ist 2020 nicht gestiegen

„Die Frage, ob durch die Corona-Maßnahmen das zweifellos entstandene individuelle psychische Leid mehr Menschen als in anderen Jahren dazu veranlasst hat, sich das Leben zu nehmen, wurde im gesamten Pandemieverlauf sehr häufig an das Statistische Bundesamt herangetragen“, sagte Dr. zur Nieden.

In 2020 konnte im Vergleich zu den Vorjahren kein auffälliger Anstieg der Zahl der Suizide festgestellt werden. 2020 beendeten 9.206 Menschen ihr Leben durch Suizid. Das ist der zweitniedrigste Wert seit 1980. Noch niedriger war der Wert bislang nur im Jahr 2019 mit 9.041 Fällen.

Die aktuelle Entwicklung

Im Moment gibt es wieder einen Anstieg der Übersterblichkeit und der Todesfälle mit COVID-19. „Ob es einen ähnlichen Verlauf wie inmitten der zweiten Corona-Welle zum Jahreswechsel 2020/2021 geben wird, lässt sich derzeit noch nicht absehen“, sagte abschließend Christoph Unger, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes.

Quelle: Pressekonferenz des Statistischen Bundesamtes (>>zur Pressekonferenz mit Grafiken)

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