Aus UroForum Heft 7/20

Im berufspolitischen Interview kommentiert BvDU-Präsident Dr. Axel Schroeder die IQWiG-Ablehnung des PSA-Antrags. Hauptgrund der negativen Bewertung sei die Antragsformulierung durch den Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS), weil die Datenlage für die GKV-Leistung PSA-Massenscreening zu dünn sei. Weitere Themen sind die Hygienekosten der Zystoskopie und die ambulante Weiterbildung in den Praxen.

Wie kommentieren Sie die negative Bewertung des PSA-Tests durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen?
Schroeder: Es steht und fällt mit der Fragestellung. Wenn man sich die Formulierung ansieht, die der BPS für seinen Antrag gewählt hat, bezieht sie sich auf ein undifferenziertes Massen-Screening. In der Praxis bedeutete der Antragstext, dass jeder Mann ab einem gewissen Alter Anspruch auf eine regelmäßige, GKV-finanzierte PSA-Bestimmung hätte. Für ein solches allgemeines PSA-Screening ist die Datenlage nach wie vor widersprüchlich. Die Urologen bieten die PSA-Bestimmung als individuelle Leistung an, weil es keinen Anspruch nach SGB V gibt. Es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Zudem hat sich im Laufe der Zeit eine urologische Erfahrung gebildet, auf deren Grundlage die Männer individuell beraten werden können. Die durch einen PSA-Test gestützte Krebsfrüherkennung muss risikoadaptiert, individuell und nach fachlicher Beratung durch den Urologen erfolgen.

Kam die IQWiG-Ablehnung des PSA-Werts also zwangsläufig?
Schroeder: Mit dieser Fragestellung einer generellen PSA-Bestimmung musste der Antrag einfach durch das IQWiG abgelehnt werden. Die Selbsthilfegruppen haben sich wohl keinen Gefallen getan, ihren Antrag in dieser Weise zu formulieren. Ich hätte mir eine vorhergehende Absprache gewünscht. Wenn der BPS diese generelle Formulierung wählt, kann man nichts anderes erwarten als eine Ablehnung.

Warum gab es vor allem zu Beginn Bewertungsunterschiede zwischen DGU und BvDU?
Schroeder: Es gibt keine Unterschiede in der Bewertung des PSA-Werts zwischen BvDU und DGU. In unserer Stellungnahme an das IQWiG haben wir vor allem den Aspekt der Beratung in den Vordergrund geschoben, weil uns Prof. Jürgen Windeler (Leiter des IQWiG, Anm. d. Red.) oft unterstellt, den Patienten einfach einen PSA-Test ohne Beratung unterzuschieben. Wie die DGU haben wir uns eindeutig gegen ein generelles PSA-Screening ausgesprochen. Seit der Zeit des DGU-Generalsekretärs Prof. Oliver Hakenberg ist diese Haltung Konsens zwischen den beiden Fachverbänden. Der Schwerpunkt unserer Stellungnahme lag jedoch mehr auf dem Aspekt der Aufklärung und Beratung in der Versorgung, während die DGU für die wissenschaftliche Bewertung des PSA Werts zuständig ist.

Wie sieht denn das PSA-Konzept des BvDU aus?
Schroeder: Es macht keinen Sinn, einfach den PSA-Wert zu bestimmen, so wie man die Blutzuckerwerte bestimmt. Das gehört in urologische Hände und dazu gehört eine fachärztliche Beratung beim Urologen. Bei der Früherkennung kolorektaler Karzinome ist die Beratung zum Beispiel im EBM integriert und wird honoriert. Falls sich der G-BA noch für das Konzept eines risikoadaptierten individuellen PSA-Screenings entscheidet, müssen wir die EBM-Honorierung der Aufklärung und Beratung mit der KBV besprechen. Das fordert der Berufsverband für die PSA-gestützte Früherkennung des Prostatakarzinoms. Die Urologen haben kein Interesse an der PSA-Analytik, sondern an der Beratung. Das sollte nicht Dr. Google machen, sondern der Urologe.

Gab es denn eine Abstimmung zwischen BPS und DGU bzw. BvDU?
Schroeder: Nicht wirklich. Der BPS ist vorgeprescht und DGU und BvDU wurden im Nachhinein ohne eingehende Konsultation informiert. Wahrscheinlich wäre eine präzisere Antragsformulierung durch den BPS zielführender gewesen. Die Patientenvertreter haben sich mit diesem Antrag selbst keinen Gefallen getan. Die KBV wird uns im G-BA in der PSA-Frage vertreten. Die einzige Hoffnung besteht nun darin, dass der G-BA doch den Argumenten der Fachverbände folgt – aber das müssen wir abwarten.

War es schlechtes Timing bei der Antragsstellung, nicht valide Daten der PROBASE-Studie abzuwarten?
Schroeder: Das Timing des Antrags war schlecht, weil wir mit den Daten der abgeschlossenen PROBASE-Studie bessere Argumente gehabt hätten.

Wie ist Ihre Prognose für die Kassenleistung „PSA-Bestimmung“?
Schroeder: Ich könnte mir vorstellen, dass wir ein risikoadaptiertes PSA Screening bis 2022 noch im GKV Leistungskatalog unterbringen können – Sinn macht es auf alle Fälle.

Wie ist das Ergebnis der Hygienebefragung des Instituts des Bewertungsausschusses (InBa) im Hinblick auf die Zystoskopie?
Schroeder: Rund 250 Urologen haben an der Hygiene-Befragung teilgenommen und es wird repräsentative Aussagen im Zusammenhang mit der Zystoskopie geben. Die Auswertung ist aber noch im Gange. Im Gespräch mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung habe ich kürzlich nochmals deutlich gemacht, dass das Thema Hygiene für die Urologen ein zentraler Punkt ist. Die Hygienekosten im fachärztlichen Bereich sind deutlich gestiegen. Ich habe mit der KBV vereinbart, diese Frage nicht an die Honorarvereinbarung und die Morbidität im Orientierungspunktwert zu koppeln, sondern extrabudgetär zu verhandeln. Die Honorarverhandlung für 2021 wird ohnehin eine Nullrunde. Das muss also energisch verhandelt werden.

Warum kommt bei den Urologen kein Geld für die ambulante fachärztliche Weiterbildung an?
Schroeder: Der Deutsche Ärztetag hat ja beschlossen, dass die fachärztliche Weiterbildung auch ambulant möglich sein muss. Derzeit gibt es aber bundesweit nur 2.000 Förderstellen, sodass die ambulante Weiterbildung noch in den Kinderschuhen steckt. Das ist zu wenig! Die Fachärzte brauchen mindestens die zwei- bis dreifache Anzahl an Förderstellen in der ambulanten Weiterbildung. Im Moment fördert die ärztliche Selbstverwaltung sporadisch solche Weiterbildungsstellen. Im Unterschied zu den 7.500 Stellen der Hausärzte nach § 75a SGB V beteiligen sich die Krankenkassen bislang überhaupt nicht an der fachärztlichen Weiterbildung in der Praxis. Das muss sich ändern. Die Finanzierung der Facharztweiterbildung muss extrabudgetär unterstützt werden und darf nicht aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) erfolgen.

Warum ist das so schwierig?
Schroeder: Im Gegensatz zu anderen Facharztgruppen sind die Urologen insgesamt immer noch überversorgt, sodass zusätzliche Weiterbildungsstellen nur schwer zu begründen sind. Der demografische Wandel wird sich bis 2030 jedoch auch in der urologischen Versorgung auswirken, sodass der Facharztmangel auch durch genügend ambulante Weiterbildung gedeckt werden kann.

Was ist das Weiterbildungs-Curriculum von DGU und BvDU?
Schroeder: Das Ziel ist es, die Inhalte der urologischen Verbund-Weiterbildung in Klinik und Praxis zu definieren. Das Curriculum ist eine gemeinsame Initiative von Fachgesellschaft und Berufsverband. Das interne Curriculum soll bis 2021 fertiggestellt sein.

Wie bewerten Sie das gerade vom Bundestag verabschiedete Patientendatenschutzgesetz?
Schroeder: Die digitale Vernetzung der Versorgung liegt im Interesse der Urologen. Allerdings wird die Digitalisierung im Moment vom Bundesgesundheitsministerium um jeden Preis vorangetrieben und die Brechstange wird zum politischen Werkzeug. Wenn die Facharztpraxis ab 1. Januar 2021 zum Experimentierfeld für die elektronische Patientenakte (ePA) und das elektronische Rezept wird, ist z. B. die Frage der digitalen Schulung der Patienten ungelöst. Der Urologe ist nicht der Digitalisierungsassistent des Patienten. Wenn die gesetzlichen Krankenkassen Digitalisierung wollen, müssen sie ihre Patienten vorbereiten.

Wie sind Sie mit dem Datenschutz zufrieden?
Schroeder: Der Patient darf entscheiden, wer in welchem Maß Zugang zu seiner ePA haben soll. Aus Sicht des BvDU sind die Gesundheitsdaten der Patienten jedoch gesellschaftliches Allgemeingut und damit transparent. Die Daten müssen zum Beispiel auch für eine validierte Versorgungsforschung zur Verfügung stehen.

Was ist mit den Kosten der Digitalisierung?
Schroeder: Wir haben Zuschüsse für die Anschaffung der Konnektoren erhalten, aber sie sind technisch längst überholt. In der Zukunft werden KVSafe und KVConnect einfach abgeschaltet; das alles sind keine vertrauensbildenden Maßnahmen. Gleichzeitig sind wir Urologen für die Kosten der zukünftigen digitalen Innovationen in unseren Praxen selbst zuständig. Es kann nicht sein, dass wir permanent für Mängel und Investitionen in die Digitalisierung verantwortlich sind und auch haften müssen. Die Forderung der KV Baden-Württemberg nach dem Rücktritt des KBV-Vorstands aufgrund des Telematik-Störfalls ist ein deutliches Zeichen.

Bild: BvDU

Franz-Günter Runkel

Autor

Franz-Günter Runkel

Chefreporter UroForum

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