PD Dr. Désirée Dräger

Die Sexualität der Frau rückt PD Dr. Désirée Dräger in den Fokus des Interesses. Auf der DGU-Pressekonferenz stellte sie ein Randgebiet der Urologie mit drängendem Handlungsbedarf vor. „Obwohl sexuelle Funktionsstörungen bei einer Mehrzahl an uroonkologischen Patientinnen vorhanden sind, wird dieser Problematik aus therapeutischer Sicht kaum Aufmerksamkeit geschenkt und die Betroffenen bekommen nicht die notwendigen Informationen zu Unterstützungsangeboten“, betonte Dr. Dräger. Über die Störungen der weiblichen Sexualität durch uroonkologischen Erkrankungen und deren Behandlung sei nur sehr wenig bekannt, im Gegensatz zu denen des Mannes.

PD Dr. Désirée Dräger rückte die Sexualität der Frau bei Krebs in den Mittelpunkt ihres Vortrags. (Foto © Runkel)
PD Dr. Désirée Dräger rückte die Sexualität der Frau bei Krebs in den Mittelpunkt ihres Vortrags. (Foto © Runkel)

„Es herrscht in allen Bereichen – partnerschaftlich und auch professionell – eine gewisse Sprachlosigkeit“, so Dräger. 91 % der Krebspatienten trauen sich nicht mit ihrem Arzt über sexuelle Probleme zu sprechen, dabei wünschen sich 80 % mehr Informationen über die Beeinflussung ihrer Sexualität durch den Krebs. Aber auch Ärzte sprechen das Thema nur selten an. Bei Frauen, so Dr. Dräger, seien die verminderte Lubrikation bei iatrogener vulvovaginaler Atrophie mit sekundärer Dyspareunie sowie Schmerzen durch einen zu kurzen Vaginalstumpf nach Zystektomie und Libidostörungen die häufigsten Probleme.

Im Rahmen der operativen oder medikamentösen Therapie des muskelinvasiven (metastasierten) Harnblasenkarzinoms könne die Wahrnehmung der eigenen Attraktivität zutiefst erschüttert werden (z. B. Harnableitung, körperverändernde Narben, Veränderungen der inneren Geschlechtsorgane, Alopezie).

Die Versorgung weiblicher Sexualitätsstörungen im Zusammenhang mit einer uroonkologischen Erkrankung und Behandlung sollte aus Drägers Sicht ein selbstverständliches Angebot sein, wie dies auch für andere Folgeschäden und Nebenwirkungen gilt. Wichtig seien ein niederschwelliger Zugang für die Patientinnen und deren Angehörige sowie eine funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit, um somatische wie psychosoziale Störungen rund um die Sexualität umfassend versorgen zu können.

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