Zum Abschluss des Deutschen Schmerz- und Palliativtages sprachen sich Vertreter des Gesundheitsausschusses sowie Krankenkassenvertreter für weniger Bürokratie bei der Verordnung von cannabishaltigen Medikamenten aus. Damit unterstützten sie eine Forderung der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. (DGS), die sich dafür einsetzt, den Genehmigungsvorbehalt aus dem Cannabisgesetz zu streichen. Der Deutsche Schmerz- und Palliativtag fand in diesem Jahr zum zweiten Mal online statt und erreichte mit knapp 4.000 Teilnehmer*innen einen Besucherrekord.

Abb.: Schmerzmediziner, Politiker und Krankenkassen sind für weniger Bürokratie bei der Verordnung von Cannabinoiden. (Foto: Adobe/Stock)

Vor vier Jahren ist das Gesetz „Cannabis als Medizin“ in Kraft getreten und hat so die Verordnung von Cannabinoiden auch für Patienten mit chronischen Schmerzen möglich gemacht. Voraussetzung für den Einsatz ist die Ausschöpfung aller Standardtherapien sowie die Genehmigung durch die Krankenversicherung des Patienten. „Hinweise auf eine missbräuchliche Auslegung oder Anwendung des Gesetzes liegen bisher nicht vor“, so Dr. Johannes Horlemann, Tagungspräsident des Kongresses und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. (DGS). „Dennoch wird etwa ein Drittel der Anträge zur Verordnung von Cannabinoiden von den Krankenkassen abgelehnt.“ Das bringe zahlreiche Probleme mit sich, insbesondere müssten die betroffenen Patienten zu lange auf eine angemessene Versorgung warten, beklagte Horlemann.

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin verhandelt mit Krankenkassen

Um diese Situation für Ärzte und Schmerzpatienten zu verbessern, hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin Verhandlungen mit gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Ziel dieser Verhandlungen ist die Aufhebung des Genehmigungsvorbehaltes einer Erstverordnung durch die Krankenkassen. Das bedeutet, dass die Therapieentscheidung ausschließlich beim Arzt in Absprache mit seinem Patienten liegen soll. Gleichzeitig soll ein nachvollziehbarer Qualitätsanspruch gewährleistet bleiben.

Krankenkassenvertreter und Politiker für Aufhebung des Genehmigungsvorbehalts

Matthias Mohrmann, Mitglied des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg sagte dazu: „Wir vertrauen darauf, dass qualifizierte Schmerzmediziner Cannabinoide sachgemäß und vernünftig verordnen. Daher sind wir mit der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin in Verhandlungen zu einem Selektivvertrag, der den Genehmigungsvorbehalt unter bestimmten Bedingungen aufhebt.“ Auch die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, empfindet die Hürden in der Verordnung von Cannabinoiden aktuell als zu hoch. Sie forderte: „Wenn ein Arzt Cannabis einsetzen will, soll das auch geschehen.“ In einer Video-Botschaft zum Kongress lobte die SPD-Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich die durch Cannabinoide erweiterten Möglichkeiten in der Schmerztherapie. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß bestätigte, dass der Cannabisgebrauch nach Inkrafttreten des Gesetzes nicht gestiegen sei und nun gesetzlich nachgesteuert werden müsse. So sollte z. B. die stationäre Verordnung eines Cannabinoids auch ambulant fortgesetzt werden können. Der zwischen der AOK Rheinland/Hamburg ausgehandelte Selektivvertrag sei ein guter Anfang, der auch für andere Krankenkassen gelten sollte.

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. (>>zur Pressemitteilung)

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