Etwas mehr als ein Drittel der über 65-Jährigen in Deutschland lebte im Jahr 2020 allein. Bei den über 85-Jährigen stieg der Anteil auf mehr als die Hälfte (58 %). Fehlen Lebenspartner, Freunde und Verwandte, droht alten Menschen schnell die Einsamkeit. Im Fall einer Erkrankung oder Krankenhauseinweisung sind diese Menschen auf sich allein gestellt.

Zu sehen ist eine Krankenhausmitarbeiterin, die sich um eine alte Frau in einem Rollstuhl kümmert. Bildunterschrift: Gute Betreuung von Patientinnen und Patienten braucht Zeit. Der Deutsche Evangelischen Krankenhausverband (DEKV) fordert einen Evidenzbasierten Zuwendungsindex, um diese Zeit anzuerkennen. (Symbolbild © pikselstock – stock.adobe.com)
Gute Betreuung von Patientinnen und Patienten braucht Zeit. Der Deutsche Evangelischen Krankenhausverband (DEKV) fordert einen Evidenzbasierten Zuwendungsindex, um diese Zeit anzuerkennen. (Symbolbild © pikselstock – stock.adobe.com)

Für sie bleibt tröstender Besuch nicht nur an Weihnachten aus, Fragen zum Umgang mit ihrer Erkrankung und der Behandlung müssen sie oft mit sich selbst ausmachen. Für diese und alle anderen Patientinnen und Patienten ist neben der hochwertigen medizinischen Versorgung eins wichtig: Zuwendung durch die Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende.

Gute Medizin braucht Zeit

Nur wenn das medizinische Personal die Motive und Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten kennt, kann es sie die bestmögliche Therapie und Pflege individuell umsetzen. „Dieser zwischenmenschliche Aspekt war für viele unserer Mitarbeitenden ausschlaggebend, um einen Beruf in der Medizin oder der Pflege zu wählen. Doch Zuwendung kostet Zeit“, weiß Radbruch, Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV).

Entwicklung eines Zuwendungsindex

Laut Radbuch wird durch die Technisierung in der Medizin diese Zeit nicht anerkannt. Nur was evidenzbasiert, fände Anerkennung und würde finanziert. „Das müssen wir ändern – zum Wohl für unsere Patientinnen und Patienten, aber auch für unsere Mitarbeitenden. Dazu ist es notwendig, die professionelle Zuwendung im Krankenhaus so zu beschreiben, dass sie zu den evidenzbasierten Qualitätskriterien passt“ sagt Radbruch.

Um diese Ziel zu erreichen, wünscht sich der DEKV, dass das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) beauftragt wird, einen Zuwendungsindex für die stationäre Patientenversorgung zu entwickeln. Dieser sollte dann in die Qualitätsmessung der Krankenhausversorgung eingeführt und in den Qualitätsberichten veröffentlicht werden.

„Nur so wird es gelingen, die Zeit zu finanzieren, die die Mitarbeitenden brauchen, um sich den kranken Menschen zuzuwenden. Denn eins ist sicher: Zuwendung ist ein wichtiger Bestandteil der Medizin und das zu jeder Zeit, nicht nur an Weihnachten“, schließt Radbruch.

Quelle: Deutscher Evangelischer Krankenhausverband (DEKV)

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